Kompressionsstrümpfe gegen Vasovagale Synkopen?

Regelmäßig getragen könnten Kompressionsstrümpfe zumindest bei einigen Patienten gegen Vasovagale Synkopen helfen. (Symbolfoto: ©tibanna79/stock.adobe.com)

Elastische Kompressionsstrümpfe (ECS) wurden als potenzielle Therapie Vasovagaler Synkopen (VVS) vorgeschlagen. In einer aktuellen, randomisierten, scheinkontrollierten Studie konnten sie jedoch nicht überzeugen – vor allem aufgrund unzureichender Adhärenz.

Die multizentrische Studie erschien „Journal of the American College of Cardiology“. Sie umfasste 266 Studienteilnehmer (mittleres Alter 39 Jahre, 58 % weiblich) mit ≥2 VVS-Episoden im vorausgegangenen Jahr. Die Probanden erhielten randomisiert entweder oberschenkel­lange aktive ECS mit einem Druck von 25–30 mmHg auf das Bein oder identisch aussehende Schein-ECS mit einem Druck von ≤10 mmHg. Allen Studienteilnehmern wurde die Standardversorgung bestehend aus Edukation und Lifestyle-Modifikationen zuteil. Eine medikamentöse Behandlung zur Prävention von VVS-Rezidiven wurde jedoch während des Studienzeitraums nicht verabreicht.

Rund jeder dritte brach Therapie ab

Während des 12-monatigen Nachbeobachtungszeitraums erlitten 29,1 Prozent der Patienten in der Behandlungsgruppe und 34,8 Prozent in der Kontrollgruppe ein VVS-Rezidiv (absolute Risikoreduktion 5,7 %; p=0,315). Auch das VVS-freie Überleben unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (HR 0,81; 95 %-KI 0,53-1,24; p=0,333).

Die Therapieadhärenz wurde über ein Tagebuch getrackt. Mit Abbruchraten von 37,3 Prozent und 34,8 Prozent in der Behandlungs- und Kontrollgruppe bewerten die Studienautoren diese als insgesamt „suboptimal“. Alles in allem waren Abbruchraten, Tragedauer und Adhärenz zwischen den Gruppen vergleichbar. Auch die mediane Zahl von Rezidiven war ähnlich (Behandlung: 2,5 vs. Kontrolle: 2; p=0,839). Allerdings traten signifikant weniger Episoden während des aktiven Tragens von ECS auf (32,7 % vs. 45,1 %; p=0,024).

Hilfreich bei ausgewählten Patienten?

Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Studienautoren gegen den routinemäßigen Einsatz von oberschenkellangen ECS, auch wenn sie bei ausgewählten Patienten als Ergänzung zur Standardversorgung hilfreich sein könnten. Die Forscher halten es jedoch für gerechtfertigt, dass zukünftige Arbeiten den Effekt einer umfassenderen Kompression (einschließlich Becken- und Abdominal­bereich) evaluieren.

(ah/BIERMANN)