Kongenitale Katarakt: Sehschärfe bei Deprivationsamblyopie kaum verbessert

Portrait eines kleinen Junge mit dunkler Brille und mit Okklusionspflaster angeklebtem linken
Symbolbild Okklusionstherapie bei Amblyopie Foto: @Maxim Kukurund – stock.adobe.com

Trotz Fortschritten in der Versorgung von Kindern mit kongenitaler Katarakt besteht nach wie vor das ungelöste Problem mit der sich entwickelnden monokularen Deprivationsamblyopie und ihrer Behandlung. Die Therapieadhärenz ist oft unzureichend.

In der Medizin wird heute üblicherweise davon ausgegangen, dass der Fortschritt der Wissenschaft die Behandlungsergebnisse verbessert. Eine im „American Journal of Ophthalmology“ veröffentlichte retrospektive Trendstudie aus einem amerikanischen medizinischen Zentrum ging der Frage nach, ob dies auch für die Behandlung der monokularen Deprivationsamblyopie bei kongenitaler Katarakt zutrifft. Hierzu wurden Daten über mehrere Jahrzehnte hinweg analysiert. 

Daten aus fortlaufenden Untersuchungen

Untersucht wurden Kinder mit Deprivationsamblyopie infolge einer primären monokularen kongenitalen Katarakt, die vor dem ersten Geburtstag operativ behandelt worden waren. Aus fortlaufenden Untersuchungen trugen die Studienautoren präoperative Daten und Verlaufsdaten zum korrigierten Fernvisus (CDVA), binokularen visomotorischen Verhalten, Zustand von Vorderabschnitt, Glaskörper und der Netzhaut, zur Therapieadhärenz, zu demografischen Variablen sowie zum Bedarf an weiteren chirurgischen Eingriffen zusammen.

Als primäreren Endpunkt legten die Forschenden den CDVA fest. Weitere Endpunkte waren das Auftreten von Nystagmus, Strabismus, okulärer Hypertension beziehungsweise Glaukom sowie die Anzahl der Augenoperationen. Insgesamt erfüllten 80 Kinder die Einschlusskriterien, bei einem medianen Nachbeobachtungsalter von zwölf Jahren.

Nach wie vor erhebliche Krankheitslast

Der mediane CDVA des amblyopen Auges bei der letzten Nachuntersuchung lag bei 1,40 logMAR, was etwa 20/500 entspricht. Zwischen den Behandlungsdekaden zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Sehschärfenentwicklung. Kinder, die zwischen 1990 und 1999 operiert wurden, erreichten einen Medianen CDVA von 1,00 logMAR. Kinder mit OP zwischen 2000 und 2009 erzielten Werte von 1,44 logMAR und jene mit OP zwischen 2010 und 2022 von 1,40 logMAR (P = 0,25). Ein früheres Operationsalter war zwar systematisch mit einem besseren CDVA verbunden, der Zusammenhang war jedoch schwach (P = 0,06).

Die Krankheitslast dieser Kinder war erheblich: 96 Prozent (77 von 80) erhielten eine sekundäre Intraokularlinsen-Implantation. Ein Strabismus entwickelte sich bei 98 Prozent (78 von 80), ein Nystagmus bei 73 Prozent (58 von 80). Fast die Hälfte der Kinder, 43 Prozent (34 von 80), benötigten eine Folgeoperation zur Entfernung einer sekundären Katarakt. 30 Prozent (24 von 80) mussten wegen aphaker oder pseudophaker okulärer Hypertension oder eines Glaukoms operiert werden. Im Median waren insgesamt fünf augenärztliche Operationen erforderlich.

Kein Fortschritt über drei Jahrzehnte

Nach Einschätzung der Autoren sind die Visusergebnisse bei monokularer Deprivationsamblyopie aufgrund kongenitaler Katarakt nach wie vor und konstant über mehrere Jahrzehnte hinweg enttäuschend. Die Okklusionstherapie und das Tragen von Kontaktlinsen wird bei den anfangs sehr kleinen Kindern für die Familien als belastend empfunden. Daher wird häufig die erforderliche Therapieadhärenz nicht im notwendigen Ausmaß erreicht. Betroffene Kinder benötigen im Durchschnitt vier weitere Operationen im ersten Lebensjahrzehnt. Dazu zählen die Intraokularlinsen-Implantation, die Entfernung einer sekundären Katarakt, die Behandlung eines Strabismus oder eines Glaukoms. Hier besteht nach Ansicht der Autoren Forschungs- und Optimierungsbedarf. (ak/BIERMANN)