Kongenitales Glaukom: Nationales Register soll Früherkennung verbessern

Prof. Esther Hoffman, Leiterin des Kinder-Glaukomzentrums der Unversitätsmedizin Mainz. Foto: Kaulard/Biermann Medizin

Ein angeborenes Glaukom führt unbehandelt schnell zu Sehstörungen und Erblindung. Eltern, so empfiehlt die DOG, sollten deshalb bei ungewöhnlich großen Augen des Neugeborenen, einem blau-grünlichen Schimmern der Iris, Lichtscheu und häufigem Augenreiben rasch einen Augenarzt aufsuchen. Eine frühe Operation könne die Erkrankung in 80 Prozent aller Fälle stoppen.

Kindliche Glaukome sind laut DOG selten – schätzungsweise eins von 10.000 Babys wird mit einem kongenitalen Grünen Star geboren. Eine schnelle und sichere Diagnose ist entscheidend, um einen Schaden der Sehnervenfasern abzuwenden, der zur Blindheit führt. Eine noch bessere Früherkennung erhoffen sich die Augenärzte von einem nationalen Register für Glaukome im Kindesalter, das derzeit errichtet wird.

Eltern sollten bei ersten Anzeichen einen Termin beim Augenarzt vereinbaren. „Die Kinder haben oft außergewöhnlich große Augen, die aufgrund der Hornhautschwellung und zu hohem Augeninnendruck grau und trüb erscheinen“, erläuterte die Leiterin des Kinder-Glaukomzentrums der Unversitätsmedizin Mainz anlässlich der DOG-Pressekonferenz in Berlin. „Es können nur eines oder aber auch beide Augen betroffen sein. Die Kinder sind außerdem lichtscheu und reiben sich die Augen“, sagte Hoffmann, die auch Sprecherin der Sektion DOG-Glaukom ist.

Eine exakte Diagnose, so hieß es, sei bei Säuglingen und Kleinkindern nur in Kurznarkose möglich. Um das Glaukom zuverlässig zu erkennen, gehörten neben einer Augeninnendruckmessung auch die Messung des Hornhautdurchmessers und der Achsenlänge dazu, ebenso eine Ultraschalluntersuchung des Augapfels, eine Beurteilung des Sehnervenkopfes sowie das Auffinden spezieller Risse in der inneren Hornhautschicht.

Embryonale Fehlentwicklung
Ursache eines kindlichen Glaukoms ist eine embryonale Fehlentwicklung der Abflusskanäle des Kammerwassers. Als Folge kann dieses nicht mehr richtig abgeleitet werden, was zu einer chronischen Erhöhung des Augeninnendruckes führt. Anders als bei Erwachsenen komme eine medikamentöse Therapie zur Drucksenkung bei Kindern immer nur zur Überbrückung bis zum OP-Termin infrage, erläuterte Hoffmann.

Die Erfolgsquote der chirurgischen Therapie bei kongenitalem Glaukom liegt nach Angaben der DOG bei circa 80 Prozent; der Eingriff könne nötigenfalls wiederholt werden.
Um die Operationsergebnisse weiter zu verbessern und mehr über den angeborenen Grünen Star und seine Häufigkeit in Deutschland zu erfahren, befinde sich aktuell ein nationales Register für kindliche Glaukome im Aufbau. Das Register werde Patientendaten wie Alter und Geschlecht, Informationen über die Schwangerschaft und zur Glaukomvorgeschichte bis hin zu Daten über die Operationsart und -häufigkeit beinhalten. In einigen Jahren sollen so aussagekräftige Daten zur Therapie von Glaukomerkrankungen im Kindesalter verfügbar sein.

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)