Kongresspräsidenten fordern bessere Rahmenbedingungen von der Politik26. Oktober 2022 Moderatorin Tanja Samrotzki (l.) mit den Kongresspräsidenten Wolfgang Willauschus, Andreas Halder und Benedikt Friemert sowie Festredner Karl Lauterbach auf der feierlichen Eröffnung des diesjährigen DKOU. Foto: hr/Biermann Medizin Vor einer vollen Halle nutzen die DKOU-Kongresspräsidenten die Gelegenheit das Kongressmotto mit Leben zu füllen und aktuelle Herausforderungen für das Gesundheitssystem zu benennen. Trotz ernster Töne bliebt die feierliche Kongresseröffnung kurzweilig und unterhaltsam. „Jetzt geht es endlich los“ – mit diesen Worten startete Prof. Benedikt Friemert die Veranstaltung im voll besetzten Festsaal. BVOU-Präsident Dr. Wolfgang Willauschus betonte: „Das Schöne ist, dass wir aus unterschiedlichen Bereichen kommen.“ Damit gelänge es, die ganze Breite des Faches abzubilden. Prof. Andreas Halder nutzte die Gelegenheit, um auf neue Formate wie die Aktionsfläche und die Präsidentensitzungen hinzuweisen. Diese greifen Themen auf, den Kongresspräsidenten besonders am Herzen liegen, am ersten Kongresstag etwa, wie es gelingen kann, den Patienten wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken. Auf der Kongresseröffnung machte er das an einem konkreten Beispiel fest und betonte: „Die Bedürfnisse des Patienten müssen ganz klar Vorrang haben.“ Es gebe in Deutschland ein „großartig funktionierendes Gesundheitssystem“, das unbedingt erhalten werden müsse. Veränderungen und Verbesserungen müssten „mit Augenmaß“ geschehen, so Halder. Er machte aber auch klar, dass Qualität kostet und in Zukunft auch finanziert werden müsse. Nicht nur Halder legte mit diesem Hinweis „den Finger auf die Wunde“, wie es Tanja Samrotzki ausdrückte, die als Moderatorin durch den Abend führte. So mahnte Friemert eine bessere Finanzierung der Notfallversorgung an, dies sei Daseinsfürsorge und gehöre „in die öffentliche Hand“. Nicht nur dazu gab es lebhafte Zustimmung aus dem Publikum. Auf der anderen Seite stellte Friemert die Versorgung von Schwerverletzten als Erfolgsgeschichte vor, genauso wie die Register, in denen 500.000 orthopädische und unfallchirurgische Patienten pro Jahr erfasst würden. Er wies auf den Aufwand hin, den die Dokumentation verursacht – auch jenseits der Erfassung in Registern: „Wir wissen alle, dass wir zu viel Bürokratie haben.“ Die Digitalisierung könnte nach Ansich Friemerts eine Lösung sein. „An O & U kommt niemand vorbei“, erklärte Willauschus. Mit Blick auf den demografischen Wandel bezeichnete er das Fach als „zukunftssicher“ und hob hervor, dass „wir in Zukunft noch mehr Patienten haben“. Allerdings sorge er sich auch um die Zukunft der ambulanten Facharztschiene und bedauerte mit Blick auf das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz den Wegfall der Neupatientenregelung, die ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sei. Ebenfalls in die richtige Richtung gehen für Willauschus die Disease-Management-Programme (DMP) etwa für Rheuma oder Rückenschmerzen. Aber Willauschus beklagte auch: „Wir können die Programme nicht mit Leben füllen, wenn die Krankenkassen sich weigern das zu unterstützen.“ An Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach richtete er die Frage, warum dieser sich das gefallen lasse und schloss mit einem Appel: „Bitte verschaffen Sie uns bessere Rahmenbedingungen!“. Als Festredner hatte Lauterbach Gelegenheit auf die die Anliegen der Orthopäden und Unfallchirurgen einzugehen. So erklärte er unter anderem sich dafür einsetzen zu wollen, dass die orthopädischen DMPs umgesetzt werden, diese seien „sehr maßgeblich für die betroffenen Patienten“. Lauterbach griff auch noch weitere Themen auf, etwa die Digitalisierung oder die Krankenhausreform. (ja)
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