Diabetesrisiko steigt mit höherem Konsum von Konservierungsstoffen

Konservierungsstoffe werden insbesondere in hochverarbeiteten Lebensmitteln verwendet. Auch sie sind mit einem höheren Risiko für Diabetes verbunden. Symbolbild: Светлана Волынкина/stock.adobe.com

Laut einer französischen Studie ist ein erhöhter Konsum von Konservierungs- und Zusatzstoffen in Lebensmitteln mit einem deutlich höheren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.

Lebensmittelkonservierungsstoffe werden vor allem in industriell verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken verwendet, um deren Haltbarkeit zu verlängern. Ein erhöhter Konsum dieser Konservierungsstoffe wurde nun mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Die Erkenntnisse stammen aus einer Studie aus Frankreich. Sie basieren auf Gesundheits- und Ernährungsdaten von mehr als 100.000 Erwachsenen, die an der NutriNet-Santé-Kohortenstudie teilnahmen, und wurden in der Fachzeitschrift “Nature Communications” veröffentlicht.

Zwei Kategorien an Konservierungsstoffen untersucht

Konservierungsstoffe gehören zur Gruppe der Lebensmittelzusatzstoffe. Von den 3,5 Millionen Lebensmitteln und Getränken, die 2024 in der Datenbank „Open Food Facts“ aufgeführt waren, enthielten mehr als 700.000 mindestens einen dieser Stoffe. In der aktuellen Studie wurden Zusatzstoffe mit konservierenden Eigenschaften in zwei Kategorien eingeteilt: Nicht-Antioxidantien und Antioxidantien. Erstere hemmen das mikrobielle Wachstum oder verlangsamen die chemischen Veränderungen, die zum Verderb von Lebensmitteln führen. Letztere reduzieren den Sauerstoffgehalt in der Verpackung. Auf Verpackungen entsprechen sie in der Regel europäischen Kennzeichnungen zwischen E200 und E299 (für Konservierungsstoffe im engeren Sinne) und zwischen E300 und E399 (für antioxidative Zusatzstoffe).

Bisherige experimentelle Studien deuteten darauf hin, dass bestimmte Konservierungsstoffe Zellen und DNA schädigen und den Stoffwechsel beeinträchtigen können. Auch der Konsum von (ultra)hochprozessierten Lebensmittel und die gesundheitlichen Auswirkungen stehen derzeit im Fokus vieler Untersuchungen und Diskussionen (wir berichteten). Ein Forschungsteam unter der Leitung von Mathilde Touvier, Forschungsdirektorin des französischen Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm), wollte deshalb den Zusammenhang zwischen speziell dem Konsum dieser Konservierungsstoffe und Typ-2-Diabetes untersuchen.

47 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes

Insgesamt 58 Konservierungsstoffe wurden in den Ernährungsprotokollen der Teilnehmenden nachgewiesen, darunter 33 Konservierungsstoffe im engeren Sinne und 27 antioxidative Zusatzstoffe. Ein höherer Konsum von Konservierungsmitteln im Allgemeinen, im Vergleich zum niedrigsten Konsumniveau, war demnach mit einem um 47 Prozent erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Einzeln betrachtet war das Risiko für Typ-2-Diabetes durch den erhöhten Konsum von nicht-antioxidativen Konservierungsmitteln um 49 Prozent und den erhöhten Konsum von antioxidativen Zusatzstoffen um 40 Prozent erhöht.

Neben der Gesamtmenge wurden auch 17 Substanzen einzeln im Hinblick auf die untersuchte Pathologie analysiert. Diese 17 Konservierungsstoffe wurden von mindestens zehn Prozent der Studienteilnehmenden konsumiert. Unter ihnen war ein höherer Konsum von zwölf mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden:

  • nicht-antioxidative Konservierungsstoffe: Kaliumsorbat (E202), Kaliummetabisulfit (E224), Natriumnitrit (E250), Essigsäure (E260), Natriumacetate (E262) und Calciumpropionat (E282)
  • antioxidative Zusatzstoffe: Natriumascorbat (E301), Alpha-Tocopherol (E307), Natriumerythorbat (E316), Zitronensäure (E330), Phosphorsäure (E338) und Rosmarinextrakte (E392)

Verbraucher sollten frische Lebensmittel bevorzugen

„Dies ist die weltweit erste Studie zu den Zusammenhängen zwischen Konservierungsmitteln und dem Auftreten von Typ-2-Diabetes. Obwohl die Ergebnisse noch bestätigt werden müssen, stimmen sie mit experimentellen Daten überein, die auf die schädliche Wirkung einiger dieser Verbindungen hindeuten“, erklärt Touvier. Damit bestätige die Arbeit die Empfehlungen an die Verbraucher, frische Lebensmittel zu bevorzugen und auf unnötige Zusatzstoffe möglichst zu verzichten, ergänzt sie. Auch müsse über mögliche Maßnahmen seitens der Politik nachgedacht werden, wie die Verwendung und der Konsum solcher Zusatzstoffe beschränkt werden könnte.

Über die NutriNet-Santé-Studie

Zwischen 2009 und 2023 gaben 108.723 freiwillige Studienteilnehmende Auskunft über ihre Krankengeschichte, soziodemografische Daten, ihre körperliche Aktivität sowie Informationen zu ihrem Lebensstil und Gesundheitszustand. Bei 1131 der Teilnehmenden wurde ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Außerdem lieferten die Teilnehmenden regelmäßig detaillierte Informationen zu ihrem Lebensmittelkonsum, indem sie den Wissenschaftlern vollständige Aufzeichnungen über mehrere 24-Stunden-Zeiträume übermittelten, einschließlich der Namen und Marken der konsumierten Lebensmittel. Diese Informationen wurden mit verschiedenen Datenbanken (Open Food Facts, Oqali, EFSA) abgeglichen. Kombiniert mit Messungen von Zusatzstoffen in Lebensmitteln und Getränken konnte so die Exposition der Teilnehmenden gegenüber Zusatzstoffen, insbesondere Konservierungsmitteln, im Verlauf der Studie beurteilt werden.

Die soziodemografischen Profile der Teilnehmenden, ihr Tabak- und Alkoholkonsum, die Nährstoffqualität ihrer Ernährung (Kalorien, Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe usw.) sowie zahlreiche weitere Faktoren, die die untersuchten Zusammenhänge hätten beeinflussen können, wurden in den Analysen brücksichtigt. An der Studie beteiligt sind Inserm, INRAE, die Sorbonne Paris Nord, die Universität Paris Cité und das Cnam im Rahmen des Forschungsteams für Ernährungsepidemiologie (CRESS-EREN). (mkl/BIERMANN)