Kooperationsfähigkeit bei Schizophrenie – eingeschränkt, aber beeinflussbar

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Menschen mit Schizophrenie zeigen bei sozialen Gruppeninteraktionen weniger kooperatives Verhalten, was zu einer größeren sozialen Dysfunktion im Alltag beitragen könnte. Das berichten Forscher der City University of London, des King’s College London und der Vrije Universiteit in Amsterdam.

Bei der Untersuchung spielbedingter sozialer Interaktionen von Schizophrenie-Patienten stellten die Forscher fest, dass sowohl Patienten als auch Kontrollpersonen eine verstärkte Zusammenarbeit zeigten, wenn mangelnde Kooperation bestraft wurde. Diese Tatsache deutet nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass die mangelnde Zusammenarbeit bei Menschen mit Schizophrenie innerhalb einer Gruppe veränderbar ist und dass die Behandlung sinnvollerweise darauf ausgerichtet sein könnte.

Kooperatives Verhalten

Um zu untersuchen, wie sich das kooperative Verhalten zwischen den beiden Gruppen unterscheidet, forderten die Forscher 27 Patienten mit Schizophrenie und 27 gesunde Teilnehmer zu einem Spiel um öffentliche Güter auf, das ein soziales Dilemma beinhaltete: Die Teilnehmer erhielten eine erste Dotierung und mussten entscheiden, ob sie das Geld auf ein Gruppenkonto (kooperativ/öffentlich) zum gegenseitigen Nutzen einzahlen oder für sich behalten (Nicht-Kooperation/Privatgut) und dennoch von den Beiträgen der anderen profitieren sollten.

Es gab zwei Möglichkeiten: eine, bei der keine Geldstrafe vorgesehen war, und die andere, bei der die Teilnehmer die anderen Spieler für die Nichtzusammenarbeit bestrafen konnten. Wenn es den Spielern erlaubt ist, Nicht-Kooperationspartner zu bestrafen, nehmen die Gemeinwohlinvestitionen tendenziell zu, da die Zusammenarbeit sozial erzwungen wird.

Interaktionen in sozialen Gruppen

Die Studie, die in der Zeitschrift “Schizophrenia Research” veröffentlicht wird, ist nach Angaben der Forscher die erste, die Kooperation, soziale Durchsetzung und Empfindlichkeit gegenüber dem sozialen Feedback in Gruppeninteraktionen bei Schizophrenie untersucht.

“Wir haben in diesem interdisziplinären Projekt ein Paradigma der Verhaltensökonomik (behavioral economics) genutzt, um die soziale Interaktion bei Schizophrenie zu erforschen. Die Verwendung der Verhaltensökonomik zur Untersuchung sozialer Mechanismen bei psychiatrischen Störungen ist neu und ermöglicht es uns, Mechanismen der sozialen Interaktion zu untersuchen, während sie stattfinden, im Gegensatz zu Fragebögen, die hypothetisch fragen, was Sie im Falle einer sozialen Interaktion tun würden”, erklärte Co-Autorin Dr. Anne-Kathrin Fett vom Fachbereich Psychologie an der City University of London.

“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schizophrenie mit der Tendenz verbunden ist, soziale Gruppeninteraktionen weniger kooperativ zu gestalten, was zu Schwierigkeiten in sozialen Alltagssituationen beitragen kann. Die Ergebnisse lassen jedoch eine Sensibilität für soziales Feedback deutlich erkennen. Dies könnte besonders wichtig für Maßnahmen sein, die auf soziale Fähigkeiten abzielen, und legt nahe, dass gruppenbasierte Ansätze besonders hilfreich sein können”, schlussfolgerte Fett.

Originalpublikation:
Hanssen E et al.: Cooperation and sensitivity to social feedback during group interactions in schizophrenia. Schizophr Res, 10. Juli 2018