Kopf-Hals-Krebs: Genetik und Resistenzen gegen Immuntherapie11. Mai 2021 Foto: ©ktsdesign – stock.adobe.com Eine aktuelle Studie hat genetische Abweichungen bei Kopf-Hals-Krebs identifiziert, die präkanzeröse Zellen dazu bringen, zu invasivem Krebs zu werden. Die Ergebnisse eignen sich auch zur Prognose von Resistenzen gegen Immuntherapien. „Die genetischen Abweichungen, die wir identifiziert haben, treiben Veränderungen in der Komposition der Immunzellen der Tumore voran, die wiederum die Empfänglichkeit für Immuncheckpoint-Inhibitoren bestimmen“, so Webster Cavenee, PhD, Distinguished Professor Emeritus an der University of California San Diego School of Medicine, USA, zu den Ergebnissen der aktuellen Studie. Das Autorenteam beschreibt die Rolle von Veränderungen der Anzahl somatischer Genkopien und den Verlust des Chromosoms 9p bei der Entwicklung von HPV-negativem Kopf-Hals-Krebs. Der Verlust des Chromosoms 9p und der beiden Gene JAK2 und PDLI, die beide nebeneinander auf 9p liegen, war mit einer Resistenz auf Immuncheckpoint-Inhibitoren assoziiert. JAK2 ist eine Tyrosinkinase aus der Gruppe der Januskinasen. PDLI ist der Ligand des Programmed-cell-death-1-Proteins. „Auch wenn die PD1-Immuncheckpointinhibitoren ein großer Durchbruch für die Krebstherapie sind, sprechen nur 15 Prozent der Patienten mit HPV-negativem Kopf-Hals-Krebs auf die Behandlung an“, sagt Scott M. Lippman, MD, einer der leitenden Forscher der Studie und Direktor des UC San Diego Moores Cancer Center. Lippman ist auf die Behandlung von PatientInnen mit Kopf-Hals-Krebs spezialisiert. „Die Möglichkeit das Ansprechen eines Patienten auf die Therapie oder Therapieresistenz zu prognostizieren – ein bisher ungedeckter medizinischer Bedarf – ist neu und einzigartige“, betont Lippman. Zu wissen, wer nicht auf die Behandlung anspreche helfe Monate unnötiger Therapie und damit hohe Kosten und die Folgen für die Lebensqualität zu vermeiden. Im Rahmen der Studie verfolgten die AutorInnen 188 PatietInnen mit Krebsvorstufen des MD Anderson Cancer Center nach und analysierten genomische und immunologische Treiber der Transition zu invasivem HPV-negativem Kopf-Hals-Krebs. Außerdem werteten sie umfassende Genom- und Transkriptom-Daten von 343 PatientInnen mit HPV-negativem Kopf-Hals-Krebs aus dem “Cancer Genome Atlas” sowie von 32 HPV-negativen Kopf-Hals-Krebs-Zelllinien aus dem “Cancer Cell Line Encyclopedia”-Projekt aus. Außerdem analysierten die AutorInnen das Patienten-Überleben nach Immuntherapie aus Daten einer Real-World-Kohorte von “Caris Lifescience”. Das US-amerikanische National-Cancer-Institut schätzt die Zahl der 2021 neue diagnostizieren Fälle von Kopf-Hals-Krebs auf 54.000 und die Zahl der Todesfälle aufgrund der Erkrankung auf 10.850. Lippman zufolge sind HPV-negative Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome der am häufigsten vorkommende Subtyp dieser Krebsart weltweit, mit steigenden Zahlen. “Die Daten können als mächtiger prädiktiver Marker dienen und den Versorgungs-Standard für Immuntherapie von Patienten mit fortgeschrittenem, rezidiven Kopf-Hals-Krebs verändern”, betont Lippman. Die Methode könne aber auch bei einer Vielzahl von soliden Tumoren, die mit Immuncheckpoint-Therapie behandelt werden nützlich sein. (ja) Originalpublikation:William Jr WN et al. Immune evasion in HPV− head and neck precancer–cancer transition is driven by an aneuploid switch involving chromosome 9p loss. PNAS 2021;118(19):e2022655118.
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