Koronarkalklast: Faktor für das kardiovaskuläre Risiko bei bestrahlten Lungenkrebspatienten10. Mai 2022 Abbildung: © Rasi/stock.adobe.com Lungenkrebspatienten mit einer stärkeren Verkalkung der Koronararterien besitzen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse infolge einer thorakalen Bestrahlung im Vergleich zu Patienten ohne verkalkte Herzkranzgefäße. Das berichteten im Februar Forschende von der Washington University in St. Louis (USA) anlässlich einer Online-Veranstaltung des American College of Cardiology. Die Wissenschaftler hatten Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) untersucht, die sich zwischen 2001 und 2014 einer Computertomographie (CT) des Thorax ohne Kontrastmittel unterzogen hatten, um Verkalkungen der Koronararterien zu beurteilen und die weitere Behandlung zu planen. „Die Identifizierung von Patienten mit einer hohen Last bezüglich Kalziumablagerungen in den Koronararterien ermöglicht die Durchführung von Risikomodifikationstherapien zur Reduzierung des kardiovaskulären Risikos, wie beispielsweise einer Aspirin- und Statintherapie. Darüber hinaus kann das Pflegeteam durch die Ermittlung des kardiovaskulären Risikos die Gesamtprognose des Patienten besser einschätzen, was bei der Wahl der Therapie und der Erörterung des Versorgungsziele helfen kann“, erklärte Dr. Matthew Lui, Facharzt für Innere Medizin an der Washington University in St. Louis und Hauptautor der Studie. Die Patienten wurden danach stratifiziert, ob sie keine (n=41), leichte (n=45), mittelschwere (n=39) oder starke Verkalkungen der Koronararterien (n=30) aufwiesen. Daten zu demografischen Merkmalen, Komorbiditäten und Merkmalen der Strahlenbehandlung wurden ebenfalls für die Aufnahme der Betroffenen in die Studie gesammelt. Die Forschenden bewerteten dann die Inzidenz schwerwiegender unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall nach Beginn der Strahlentherapie in den Gruppen. Es kam zu drei schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen in der Gruppe ohne Verkalkung der Koronararterien sowie zu sieben in der Gruppe mit leichter, fünf in der Gruppe mit mittelschwerer und fünf in der Gruppe mit starker Verkalkung. Die durchschnittliche und maximale kardiale Strahlendosis waren in der Time-to-Event-Analyse der Forschenden nicht mit einem schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignis verbunden. Nach Anpassung an Alter und Geschlecht hatten Patienten mit Verkalkung der Koronararterien ein erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse: Im Vergleich zu keiner Verkalkung besaßen Personen aus der Gruppe mit leichtem Koronarkalk ein 11,7-fach erhöhtes Risiko und die aus der Gruppe mit starker Verkalkung ein 21,4-fach erhöhtes Risiko. Bei einer mittelschweren Verkalkung der Koronararterien beobachteten die Wissenschaftler einen Trend hin zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für schwere kardiovaskuläre Ereignisse. „Die Koronararterienkalklast stellt einen wichtigen Risikofaktor bei Patienten mit NSCLC dar, die sich einer thorakalen Bestrahlung unterziehen, und kann ein nützlicher Indikator für die kardiale Risikostratifizierung dieser Patienten sein“, fasste Lui zusammen. „Wir glauben, dass eine weitere Erforschung und Bewertung des Nutzens der Koronararterienkalklast bei der Bestimmung des kardiovaskulären Risikos bei anderen Krebspopulationen gerechtfertigt ist und dazu beitragen kann, die Koronararterienkalklast in unterschiedlichen Populationen zu validieren.“
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