Krankenhäuser bereit für Rückkehr des Zivildienstes – „aber nur zu realistischen Bedingungen“

Henriette Neumeyer (Foto: DKG/Lopata)

Die deutschen Krankenhäuser wären bereit, erneut Zivildienstleistende zu beschäftigen und ihnen die Möglichkeit einzuräumen, im Falle einer Wiedereinführung ihren Dienst in Kliniken zu leisten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI).

Demnach signalisieren 93 Prozent der befragten Krankenhäuser eine sehr hohe Bereitschaft, Zivildienstleistende wieder aufzunehmen. Bereits vor der Aussetzung des Zivildienstes hatten 87 Prozent der Kliniken Zivildienstleistende beschäftigt. Für die Krankenhäuser wäre eine Wiedereinführung des Zivildienstes damit kein Neuland, sondern eine bewährte Praxis heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Zivildienst ermöglicht Einstieg in die Pflege oder Medizin

„Der Zivildienst bietet die Chance, jungen Menschen frühzeitig und praxisnah Einblicke in die vielfältigen Tätigkeiten im Krankenhaus zu ermöglichen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass der Zivildienst in vielen Fällen ein Einstieg in spätere Berufe in der Pflege oder im medizinischen Bereich war. Dieser Perspektive stehen die Krankenhäuser ausdrücklich offen gegenüber“, erklärt Prof. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG.

Als klassische Einsatzbereiche sehen die Kliniken vor allem unterstützende Tätigkeiten in der Pflege sowie Patientenbegleit- und Versorgungsdienste. Diese Einsatzfelder werden von 93 Prozent der Krankenhäuser genannt. Tätigkeiten in der Hauswirtschaft oder in technischen Diensten spielen hingegen eine deutlich geringere Rolle.

Entlohnung muss „im überschaubaren Rahmen bleiben“

„Klar ist aber auch, dass die Kosten für Zivildienstleistende in der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage in einem überschaubaren Rahmen bleiben müssen. Der überwiegende Teil der befragten Häuser kann sich eine Finanzierung analog zum heutigen Bundesfreiwilligendienst vorstellen. Nicht darstellbar ist aber ein Eigenanteil von 30 Prozent an einer möglichen Vergütung von rund 2600 Euro pro Monat – eine Summe, die derzeit für freiwillig Wehrdienstleistende geplant ist. Eine solche finanzielle Belastung wäre für die Kliniken wirtschaftlich nicht tragbar”, so Neumeyer.

Das verdeutlichten auch die Ergebnisse des aktuellen Krankenhaus-Index: „Die überwiegende Mehrheit der Krankenhäuser bewertet ihre wirtschaftliche Lage als hoch problematisch. Rund ein Drittel der Allgemeinkrankenhäuser geht davon aus, Personal abbauen zu müssen, 23 Prozent erwarten Einschränkungen im Leistungsangebot. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass für Zivildienstleistende keine Vergütungen gezahlt werden können, die das Niveau einer Ausbildungsvergütung deutlich überschreiten“, führt Neumeyer aus. Dies entspreche auch der Praxis beim Bundesfreiwilligendienst oder dem Freiwilligen Sozialen Jahr, die in den gleichen Bereichen angeboten werden.

Zivildienstdauer: Neun bis zwölf Monate favorisiert

Hinsichtlich der Dauer des Zivildienstes sprechen sich die Krankenhäuser laut Umfrage klar für einen Zeitraum von neun bis zwölf Monaten aus. 67 Prozent der Kliniken halten diese Zeitspanne für sinnvoll. Eine kürzere Dauer von sechs bis neun Monaten befürworten 16 Prozent, eine längere Dienstzeit von mehr als zwölf Monaten 13 Prozent der Häuser.

„Insgesamt zeigt die Umfrage deutlich: Der Zivildienst ist für die Krankenhäuser ein wünschenswerter Ansatz, um frühzeitig Interesse an Gesundheitsberufen zu wecken und langfristig dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gleichzeitig stellen die Kliniken klar: Zivildienstleistende sind keine vollwertig einsetzbaren Mitarbeitenden, können aber eine wertvolle Ergänzung im Klinikalltag sein“, so Neumeyer.