Krebs bei jungen Patienten: Risiken nachfolgender primärer Neoplasien20. Juni 2019 © Gorodenkoff – fotolia.com Wer in jungen Jahren ein Hodgkin-Lymphom, Gebärmutterhals-, Brust- oder Hodenkrebs überlebt hat, sollte langfristig offenbar besonders sorgfältig auf spezifische weitere primäre Krebserkrankungen hin nachbeobachtet werden, insbesondere auf Lungenkrebs. Dies legt eine Analyse der Teenage and Young Adult Cancer Survivor Study nahe, in der die Risiken spezifischer nachfolgender primärer Neoplasien nach jeder der 16 Arten von Krebs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (AYA) untersucht wurde: Brustkrebs, Zervixkarzinom, Ovarialkarzinom, Krebserkrankung anderer weiblicher Genitalien, Hodenkrebs, Hodgkin-Lymphom (Frauen), Hodgkin-Lymphom (Männer), Melanom, ZNS (intrakranial), Kolorektalkarzinom, Non-Hodgkin-Lymphom, Schilddrüsenkarzinom, Blasenkrebs, Weichteilsarkom, Leukämie und Kopf-Hals-Karzinome. Bei der Teenage and Young Adult Cancer Survivor Study handelt es sich um eine bevölkerungsbezogene Kohorte aus 200.945 Krebsüberlebenden, deren Krebsdiagnose zwischen dem 01.01.1971 und dem 31.12.2006 in England und Wales im Alter von 15–39 Jahren gestellt worden war. In dieser Analyse berichten Dr. Chloe J. Bright von der University of Birmingham und ihr Team absolute übermäßige Risiken (AER; pro 10.000 Personenjahre) und die kumulative Inzidenz spezifischer Typen nachfolgender primärer Neoplasien nach jedem Typ von AYA-Krebs. Während der 2.631.326 Personenjahre mit Nachbeobachtung (mediane Nachsorge 16,8 Jahre; Interquartilsabstand [IQR] 10,5–25,2) wurden 12.321 nachfolgende primäre Neoplasien bei 11.565 Überlebenden diagnostiziert, am häufigsten bei Überlebenden von Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hodenkrebs und Hodgkin-Lymphom. Laut den Autoren lagen die AERs für jegliche nachfolgende primäre Neoplasie bei 19,5/10.000 Personenjahre (95%-Konfidenzintervall [KI] 17,4–21,5) bei Brustkrebs-Überlebenden, 10,2 (8,0–12,4) nach Gebärmutterhalskrebs, 18,9 (16,6–21,1) nach Hodenkrebs, 55,7 (50,4–61,1) bei weiblichen Überlebenden des Hodgkin-Lymphoms und 29,9 (26,3–33,6) bei männlichen Überlebenden des Hodgkin-Lymphoms. Die kumulative Inzidenz aller nachfolgenden primären Neoplasien 35 Jahre nach der Diagnose betrug nach Brustkrebs 11,9% (95%-KI 11,3–12,6), nach Gebärmutterhalskrebs 15,8% (14,8–16,7), nach Hodenkrebs 20,2% (18,9–21,5), bei weiblichen Überlebenden eines Hodgkin-Lymphoms 26,6% (24,7–28,6) und bei männlichen Überlebenden eines Hodgkin-Lymphoms 16,5% (15,2–18,0). Bei Patienten, die ≥30 Jahre nach der Diagnose von Gebärmutterhalskrebs, Hodenkrebs, Hodgkin-Lymphom (Frauen), Brustkrebs und Hodgkin-Lymphom (Männer) überlebt hatten, wurde eine kleine Anzahl spezifischer nachfolgender primärer Neoplasien identifiziert, die 82% respektive 61%, 58%, 45% und 41% der gesamten überschüssigen Zahl an Neoplasien ausmachen. Lungenkrebs sei für einen beachtlichen Anteil der überschüssigen Anzahl an Neoplasien in allen untersuchten AYA-Gruppen verantwortlich gewesen, ergänzen Bright und ihre Kollegen. Fazit Jugendliche und junge Erwachsene, die ein Hodgkin-Lymphom, Gebärmutterhals-, Brust- oder Hodenkrebs überlebt haben, sollten langfristig besonders sorgfältig auf spezifische weitere primäre Krebserkrankungen hin nachbeobachtet werden, insbesondere auf Lungenkrebs. (sf) Autoren: Bright CJ et al. Korrespondenz: Prof. Michael M. Hawkins; [email protected] Studie: Risk of subsequent primary neoplasms in survivors of adolescent and young adult cancer (Teenage and Young Adult Cancer Survivor Study): a population-based, cohort study Quelle: Lancet Oncol 2019;20(4):531–545. Web: https://doi.org/10.1016/S1470-2045(18)30903-3