Krebs des Thymus: Forschende klären den Ursprung einer seltenen Erkrankung9. November 2022 Die klare Unterscheidung von Rinde und Mark des normalen Thymus (linke Bildhälfte) ist bei Mutation im GTF2I-Gen aufgelöst (rechte Bildhälfte) und zeigt sich in einer zerklüfteten Gewebsstruktur. Bild: ©Thomas Boehm Freiburger Forschende haben das erste Tiermodell entwickelt, um dem Ursprung des Thymuskrebses auf die Spur zu kommen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Tumor aus Zellen entsteht, deren Ausreifung durch bestimmte genetische Veränderungen blockiert wird und damit die Immunabwehr abschwächt. Das Projekt wurde von der Wilhelm Sander-Stiftung unterstützt und kürzlich in “Communications Biology” publiziert. Derzeit steht in der Therapie vor allem die chirurgische Entfernung im Vordergrund, da der Ursprung und die Eigenschaften der Thymus-Tumoren nur unzureichend bekannt sind. Erst deren Kenntnis ermöglicht die Entwicklung zielgerichteter Therapien.Wirkung eines mutierten Schalter-Gens identifiziertEin in der Krebsforschung bewährtes und erfolgreiches Prinzip ist die Nutzung von Tiermodellen, an denen die Besonderheiten der verschiedenen Krebsarten erforscht und neuartige Therapieformen erprobt werden können. Diesen Weg haben die Forschenden um Prof. Thomas Boehm im Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg eingeschlagen. Ihr Ausgangspunkt war die Entdeckung einer bei Thymus-Tumoren oft auftretenden genetischen Veränderung in einem Gen, welches die Funktion eines Schalters für die Aktivierung zahlreicher anderer Gene ausübt. Allerdings war bislang unklar, wie diese unscheinbare Änderung des Genes namens GTF2I zur Tumorentstehung führt. Um dieser Frage nachzugehen, nutzten die Forschenden einen Trick. Sie veränderten die genetische Information von Mäusen derart, dass die betroffenen Tiere im Thymus den mutierten Schalter aktivieren. Aus dem Vergleich mit gesunden Mäusen ließen sich die Veränderungen im Thymus der kranken Tiere genau verfolgen.Im Thymus befinden sich zwei Klassen von Zellen: Im Stroma finden sich Immunzellen ein und reifen, bis sie den Thymus verlassen und im Körper die erwünschte Überwachungsfunktion wahrnehmen können. Die in Tumoren zu findende genetische Veränderung im GTF2I-Gen wirkt sich in den Stromazellen aus, die sich lebenslang aus Stammzellen erneuern. Die Untersuchungen zeigen, dass das mutierte GTF2I-Gen die Erneuerung der Stromazellen behindert. Sie bleiben auf halbem Weg stehen und können deshalb ihre Unterstützungsfunktion für die Bildung der Immunzellen nur unzureichend wahrnehmen. Dieser Effekt wirkt sich mit fortschreitendem Alter immer stärker aus und kann die Häufung von Thymuskrebs in der zweiten Lebenshälfte erklären. Diese Entdeckung ist in zweierlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen konnten die Forscher damit einen bisher unbekannten Zwischenschritt im Bildungsprozess des Stromas im Thymus identifizieren und zum anderen zeigen, dass dieser eine besondere Empfänglichkeit für die bösartige Transformation markiert. Die Untersuchungen zeigen allerdings auch auf, wie Medikamente gezielt daraufhin überprüft werden können, ob sie diese Blockade überwinden und die Bildung des Stromas damit wieder normalisieren können. Die Forscher wollen ihr Tiermodell nun weiter verfeinern, um es der bei Patienten aufgefunden Situation noch besser angleichen zu können. Insbesondere hoffen sie, dass sich aus der genauen Kenntnis der schrittweisen Entwicklung der Tumore ein stadienabhängiges Therapiekonzept entwickeln lässt, welches eine risikoadaptierte Behandlung der betroffenen Patienten erlauben könnte.
Mehr erfahren zu: "S3-Leitlinie zum Mammakarzinom aktualisiert: Personalisierte Therapien im Fokus" S3-Leitlinie zum Mammakarzinom aktualisiert: Personalisierte Therapien im Fokus Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms aktualisiert.
Mehr erfahren zu: "Medizinalcannabis per Lieferando? AKNR erwirkt einstweilige Verfügung gegen Anbieter" Medizinalcannabis per Lieferando? AKNR erwirkt einstweilige Verfügung gegen Anbieter Eine Online-Plattform wirbt damit, Medizinalcannabis per Lieferando nach Hause zu liefern. Diese Form der Vermarktung wurde nun vom Landgericht Hamburg untersagt.
Mehr erfahren zu: "RegioOnkoNet: FZI überführt digitale Onkologie-Lösungen in die Versorgung auf dem Land" RegioOnkoNet: FZI überführt digitale Onkologie-Lösungen in die Versorgung auf dem Land Im Forschungsprojekt RegioOnkoNet schaffen die Verbundpartner eine sichere digitale Infrastruktur, die Fachärzte, Hausärzte und Krebspatienten in der Modellregion Karlsruhe–Freiburg standortunabhängig vernetzt.