Krebs: Postoperative Sterblichkeit im internationalen Vergleich9. Juni 2021 © Juan Gärtner – stock.adobe.com (Symbolbild) In Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen (LMICs) versterben deutlich mehr Patienten innerhalb von 30 Tagen nach einer Krebsoperation als in Ländern mit höherem Einkommen. Dieser Unterschied ist nicht nur durch weiter fortgeschrittene Erkrankungen zu erklären, wie ein internationales Forscherteam berichtet. Die Wissenschaftler um Stephen R. Knight vom Centre for Medical Informatics am Usher Institute in Edinburgh, Großbritannien, hatten die postoperativen Ergebnisse bei Krebserkrankungen in 428 Krankenhäusern weltweit (82 Länder) verglichen und sich dabei auf den Einfluss des Krankheitsstadiums und der Komplikationen auf die postoperative Sterblichkeit konzentriert. In die multizentrische, internationale, prospektive Kohortenstudie flossen die Daten von 15.958 erwachsenen Patienten ein. Diese unterzogen sich zwischen April 2018 und Januar 2019 einer Operation wegen eines primären Mamma-, Kolorektal- oder Magenkarzinoms, die unter Vollnarkose oder neuraxialer Anästhesie durchgeführt wurde. Dabei zeigte sich, dass Patienten in LMICs im Vergleich jenen in Ländern mit hohem Einkommen eine fortgeschrittenere Erkrankung aufwiesen. Die 30-Tage-Sterblichkeit war in Ländern mit geringem Einkommen oder mittlerem Einkommen im unteren Bereich bei Magenkrebs (adjustierte OR [aOR] 3,72; 95%-KI 1,70–8,16) und Darmkrebs (aOR 4,59; 95%-KI 2,39–8,80) sowie in Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich ebenfalls bei Darmkrebs (aOR 2,06; 95%-KI 1,11–3,83) höher. Bei Brustkrebs wurde kein Unterschied in der 30-Tage-Mortalität festgestellt. Der Anteil der Patienten, die nach einer schwerwiegenden Komplikation starben, war am größten in Ländern mit niedrigem Einkommen oder mittlerem Einkommen im unteren Bereich (aOR 6,15; 95%-KI 3,26–11,59) und Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich (aOR 3,89; 95%-KI 2,08–7,29). Fazit Der postoperative Tod nach Komplikationen wurde teilweise durch Patientenfaktoren (60%) und teilweise durch das Krankenhaus oder das Land (40%) erklärt. Das Fehlen von durchgängig verfügbaren postoperativen Versorgungseinrichtungen war in LMICs mit 7–10 mehr Todesfällen pro 100 schwerwiegenden Komplikationen assoziiert. Das Krebsstadium allein erklärte wenig von der frühen Variation in der Sterblichkeit oder den postoperativen Komplikationen. Die frühe Sterblichkeit nach Krebsoperationen könnte durch eine Stärkung der perioperativen Versorgungssysteme reduziert werden, um häufige Komplikationen zu erkennen und zu intervenieren, schlussfolgern die Autoren. (ej) Autoren: Knight SR et al. Korrespondenz: Ewen M. Harrison; [email protected] Studie: Global variation in postoperative mortality and complications after cancer surgery: a multicentre, prospective cohort study in 82 countries Quelle: Lancet 2021;397(10272):387–397. Web: https://doi.org/10.1016/s0140-6736(21)00001-5
Mehr erfahren zu: "Grippe erhöht das Schlaganfallrisiko" Grippe erhöht das Schlaganfallrisiko Ein ischämischer Schlaganfall trifft weltweit jedes Jahr mehr als 12,2 Millionen Menschen. Eine aktuelle Studie aus Essen legt nahe, dass Grippeinfektionen das Risiko zusätzlich erhöhen – mit wichtigen Erkenntnissen für […]
Mehr erfahren zu: "US-Forscher haben einen neuen potenziellen Gerinnungshemmer entwickelt" US-Forscher haben einen neuen potenziellen Gerinnungshemmer entwickelt Forscher der Duke University, USA, haben einen neuen potenziellen Gerinnungshemmer entwickelt, der als Alternative zu Heparin bei Angioplastie, Dialyse-Behandlung, Operationen und anderen Verfahren eingesetzt werden könnte.
Mehr erfahren zu: "Erste Frau an der Spitze der Justus-Liebig-Universität Gießen" Erste Frau an der Spitze der Justus-Liebig-Universität Gießen Prof. Katharina Lorenz ist seit dem ersten April 2024 Präsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Erstmals steht somit eine Frau an der Spitze der JLU. Der neue Hessische Minister für Wissenschaft […]