Krebs: Postoperative Sterblichkeit im internationalen Vergleich

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In Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen (LMICs) versterben deutlich mehr Patienten innerhalb von 30 Tagen nach einer Krebsoperation als in Ländern mit höherem Einkommen. Dieser Unterschied ist nicht nur durch weiter fortgeschrittene Erkrankungen zu erklären, wie ein inter­nationales Forscherteam berichtet.

Die Wissenschaftler um Stephen R. Knight vom Centre for Medical Informatics am Usher Institute in Edinburgh, Großbritannien, hatten die postoperativen Ergebnisse bei Krebserkrankungen in 428 Krankenhäusern weltweit (82 Länder) verglichen und sich dabei auf den Einfluss des Krankheitsstadiums und der Komplikationen auf die postoperative Sterblichkeit konzentriert.

In die multizentrische, internationale, prospektive Kohortenstudie flossen die Daten von 15.958 erwachsenen Patienten ein. Diese unterzogen sich zwischen April 2018 und Januar 2019 einer Operation wegen eines primären Mamma-, Kolorektal- oder Magenkarzinoms, die unter Vollnarkose oder neuraxialer Anästhesie durchgeführt wurde.

Dabei zeigte sich, dass Patienten in LMICs im Vergleich jenen in Ländern mit hohem Einkommen eine fortgeschrittenere Erkrankung aufwiesen. Die 30-Tage-Sterblichkeit war in Ländern mit geringem Einkommen oder mittlerem Einkommen im unteren Bereich bei Magenkrebs (adjustierte OR [aOR] 3,72; 95%-KI 1,70–8,16) und Darmkrebs (aOR 4,59; 95%-KI 2,39–8,80) sowie in Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich ebenfalls bei Darmkrebs (aOR 2,06; 95%-KI 1,11–3,83) höher. Bei Brustkrebs wurde kein Unterschied in der 30-Tage-Mortalität festgestellt.

Der Anteil der Patienten, die nach einer schwerwiegenden Komplikation starben, war am größten in Ländern mit niedrigem Einkommen oder mittlerem Einkommen im unteren Bereich (aOR 6,15; 95%-KI 3,26–11,59) und Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich (aOR 3,89; 95%-KI 2,08–7,29).

Fazit
Der postoperative Tod nach Komplikationen wurde teilweise durch Patientenfaktoren (60%) und teilweise durch das Krankenhaus oder das Land (40%) erklärt. Das Fehlen von durchgängig verfügbaren postoperativen Versorgungseinrichtungen war in LMICs mit 7–10 mehr Todesfällen pro 100 schwerwiegenden Komplikationen assoziiert. Das Krebsstadium allein erklärte wenig von der frühen Variation in der Sterblichkeit oder den postoperativen Komplikationen. Die frühe Sterblichkeit nach Krebsoperationen könnte durch eine Stärkung der perioperativen Versorgungssysteme reduziert werden, um häufige Komplikationen zu erkennen und zu intervenieren, schlussfolgern die Autoren. (ej)

Autoren: Knight SR et al.
Korrespondenz: Ewen M. Harrison; [email protected]
Studie: Global variation in postoperative mortality and complications after cancer surgery: a multicentre, prospective cohort study in 82 countries
Quelle: Lancet 2021;397(10272):387–397.
Web: https://doi.org/10.1016/s0140-6736(21)00001-5