Krebstherapien und Rezidive bei bestehenden CED: Hoher Anteil von Patienten unter Krebsbehandlung erleidet erneuten Schub

KOPENHAGEN (Biermann) – Der Zusammenhang zwischen Krebs­therapien und der Verschlimmerung von CED ist noch immer ungeklärt. Dänische Forschende setzten es sich nun zum Ziel, in einer Analyse die Auswirkungen von Krebsbehandlungen auf die Krankheitsaktivität von CED zu untersuchen.

Dazu führten sie eine systematische Über­prüfung der Literatur hinsichtlich Krebstherapien bei Patienten mit vorbestehender CED durch. Sie kombinierten elektronische Recherchen in PubMed, Cochrane Library und Embase mit manuellen Recherchen bis einschließlich September 2021.

Die Metaanalyse erfolge mittels Random-Effect-Modells. Als primären Endpunkt definierten die Wissenschaftler das Auftreten eines Rezidivs der CED. Sekundäre Endpunkte waren die Notwendigkeit von CED-bedingten Krankenhausaufenthalten, Operationen und die Einleitung oder Intensivierung von Steroid- oder Biologika-Behandlungen zur Linderung der CED-Schübe.

Insgesamt konnten 33 Studien mit 1298 CED-Patienten, die eine Krebstherapie erhielten, in die syste­matische Überprüfung einbezogen werden. Das Auftreten eines CED-Rezidiven nach einer Krebsbehandlung lag insgesamt bei 30 % (95 %-KI 23–37). Bei 25 bzw. 10 % der Patien­ten führten CED-Schübe zum Einsatz von systemischen Steroiden bzw. Biologika und bei 14 % der Patienten zum Abbruch der Krebsbehandlung. Darüber hinaus war das Risiko einer gastrointestinalen Toxizität nach einer Behandlung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) bei Patienten mit CED vs. Patienten ohne CED signifikant erhöht (Relatives Risiko 3,62; 95 %-KI 2,57–5,09). Dennoch wurde in den meisten der eingeschlossenen klinischen Studien darüber berichtet, dass die auftretenden Krankheitsschübe beherrschbar waren.

Die aktuellen Studiendaten deuten auf einen hohen Anteil von CED-Patienten hin, die nach Beginn einer Krebsbehandlung einen Krankheitsschub erleiden. Bei Patien­­ten mit CED besteht vs. Patienten ohne CED ein erhöhtes Risiko für eine gastrointestinale Toxizität bei der Gabe von ICI. Die durch die Krebstherapie ausgelösten CED-Schübe sind jedoch in der Regel beherrschbar und sollten daher die notwendige und angemessene Krebs­behandlung nicht ausschließen. (je)

Autoren: Grimsdottir S et al.
Korrespondenz: Jakob B. Seidelin; [email protected]
Studie: Systematic Review with Meta-analysis: The Impact of Cancer Treatments on the Disease Activity of Inflammatory Bowel Diseases
Quelle: J Crohns Colitis 2023;17(7):1139–1153.
doi: 10.1093/ecco-jcc/jjad010