Kritik von Orthopäden und Unfallchirurgen am “Motorradführerschein light”26. Juni 2019 Ein Autoführerschein soll genügen, um Leichtkrafträder fahren zu dürfen. (Foto: www.jonigraphy.com_AdobeStock) Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will den Zugang zum Motorradfahren erleichtern. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat gewichtige Gründe dagegen. Die DGOU reagierte auf einen in “Spiegel online” erschienen Beitrag vom 20. Juni 2019, demzufolge der Minister die Führerscheinregeln für Motorradfahrer ändern will. Laut der geplanten Neuregelung müssten Autofahrer zukünftig keine zusätzliche Ausbildung und Prüfung mehr absolvieren, um Leichtkrafträder bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h zu fahren. Der DGOU-Präsident Prof. Paul A. Grützner erklärte dazu: „Wir brauchen mehr Verkehrssicherheit und nicht weniger. Motorradfahrer haben unter allen Verkehrsteilnehmern das größte Risiko, tödlich verletzt zu werden. Motorradfahren erfordert Übung und ein ordentliches Maß an Gefahrenbewusstsein. Aber mit dem ‚Motorradführerschein light‘ wird der Anschein erweckt, Motorradfahren könne jeder und bürge keinerlei Risiken.” Auf keinen Fall dürfe man durch einen leichtfertigen Zugang zum Motorradfahren riskieren, dass die Unfallzahlen anstiegen, so der Ärztliche Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Auch Prof. Dietmar Pennig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie Stellvertretender DGOU-Generalsekretär fand diese verkehrspolitische Planung “besorgniserregend”. “Die DGOU sieht die Freigabe von Motorrädern ohne qualifizierte Vorbereitung ausgesprochen kritisch. Wir sehen die Gefahr, dass ohne Fahrpraxis und Fahrsicherheitstraining die Unfallgefahr steigt. Die Freigabe von Motorrädern bis 125 ccm ohne Schulung mit Prüfung ist fahrlässig. Den Fahrern fehlt die Gefahreneinschätzung, die nur eine strukturierte Ausbildung und entsprechende Praxis leisten können”, betonte er. Nach der Einführung von E-Scootern sei dies eine weitere Planung, die nur zur Erhöhung der Unfallzahlen führen kann, schlussfolgerte der Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Handchirurgie und Orthopädie am St. Vinzenz-Hospital. . „Motorradfahrer gehören zur Gruppe der ungeschützten Verkehrsteilnehmer. Sie haben keine Knautschzone und sind daher besonders verletzungsgefährdet”, ergänzte Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention und verwies auf die Daten des TraumaRegisters DGU®, in dem fast alle Schwerverletzten in Deutschland erfasst werden. Sie zeigten, dass vor allem im Frühjahr viele Motorradfahrer verunglücken, was für die fehlende Übung während der Wintermonate spreche. “Sollen nun also völlig Ungeübte ein Motorrad führen können, konterkariert das alle bisherigen Präventionsmaßnahmen für Fahrer mit Motorradführerschein“, konstatierte der Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie der Universitätsmedizin Göttingen. (hr)
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