Künstliche Befruchtung: Luftverschmutzung führt zu niedrigerer Erfolgsrate9. Juli 2024 Foto: © Imaginis/stock.adobe.com Eine Studie aus den Niederlanden hat ergeben, dass die Belastung mit Feinstaub (PM) vor der Entnahme von Eizellen bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF) die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt um fast 40 Prozent verringern kann [1]. Die Studie wurde auf der 40. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in den Niederlanden vorgestellt. Eine Zusammenfassung der Studie wurde in der Fachzeitschrift „Human Reproduction“ veröffentlicht. Sie analysierte die PM10-Belastung in den zwei Wochen vor der Eizellentnahme. Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt um 38 Prozent sank (OR 0,62, 95 % KI 0,43–0,89, p=0,010), wenn man das höchste Quartil der Belastung (18,63 bis 35,42 µg/m3) mit dem niedrigsten Quartil (7,08 bis 12,92 µg/m3) vergleicht. Die über einen Zeitraum von acht Jahren in Perth, Australien, durchgeführte Studie analysierte 3659 gefrorene Embryo-Transfers von 1836 Patientinnen. Das mittlere Alter der Frauen betrug 34,5 Jahre zum Zeitpunkt der Eizellentnahme und 36,1 Jahre zum Zeitpunkt des gefrorenen Embryo-Transfers. In der Studie wurden die Luftschadstoffkonzentrationen über vier Zeiträume vor der Eizellentnahme (24 Stunden, 2 Wochen, 4 Wochen und 3 Monate) untersucht, wobei Modelle zur Berücksichtigung gleichzeitiger Expositionen erstellt wurden. Negativer linearer Zusammenhang Eine zunehmende PM2,5-Belastung in den 3 Monaten vor der Eizellentnahme war auch mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt verbunden, die von 0,90 (95 % KI 0,70–1,15) im zweiten Quartil auf 0,66 (95 % KI 0,47–0,92) im vierten Quartil sank. Zu betonen ist laut den Forschern, dass die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung trotz einer insgesamt hervorragenden Luftqualität während des Untersuchungszeitraums beobachtet wurden. Dr. Sebastian Leathersich, Hauptautor der Studie, sagt: „Dies ist die erste Studie, die Zyklen gefrorener Embryonen-Transfers verwendet hat, um die Auswirkungen der Schadstoffbelastung während der Entwicklung der Eizellen und rund um den Zeitpunkt des Embryo-Transfers und der frühen Schwangerschaft separat zu analysieren. Wir konnten daher beurteilen, ob die Verschmutzung Auswirkungen auf die Eizellen selbst oder auf die frühen Stadien der Schwangerschaft hatte.“ Weiter erklärt er: „Unsere Ergebnisse zeigen einen negativen linearen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Feinstaub während der zwei Wochen und drei Monate vor der Eizellentnahme und der nachfolgenden Lebendgeburtenrate aus diesen Eizellen. Dieser Zusammenhang ist unabhängig von der Luftqualität zum Zeitpunkt des gefrorenen Embryo-Transfers. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Verschmutzung die Qualität der Eizellen negativ beeinflusst, nicht nur die frühen Stadien der Schwangerschaft, eine Unterscheidung, die bisher nicht berichtet wurde.“ Leathersich führt weiter aus: „Klimawandel und Umweltverschmutzung bleiben die größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit, und die menschliche Fortpflanzung ist davor nicht gefeit. Selbst in einem Teil der Welt mit außergewöhnlicher Luftqualität, wo nur wenige Tage die international akzeptierten Höchstwerte für die Verschmutzung überschreiten, besteht eine starke negative Korrelation zwischen der Menge der Luftverschmutzung und der Lebendgeburtenrate in Zyklen zur Übertragung gefrorener Embryonen. Die Minimierung der Schadstoffbelastung muss eine zentrale Priorität der öffentlichen Gesundheit sein.“ Referenzen:[1] Leathersich S.J, et al (2024). Particulate matter (PM2.5 and PM10) exposure prior to oocyte collection is associated with decreased live birth rates in subsequent frozen embryo transfers. Human Reproduction.[2] World Health Organization. (2022). Ambient (outdoor) air quality and health. Retrieved from https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ambient-(outdoor)-air-quality-and-health[3] Health Organization. (2021). What are the WHO air quality guidelines? Retrieved from https://www.who.int/news-room/feature-stories/detail/what-are-the-who-air-quality-guidelines[4] European Environment Agency. (2023). Air pollution levels across Europe still note safe, especially for children. Retrieved from https://www.eea.europa.eu/en/newsroom/news/air-pollution-levels-across-europe#:~:text=EEA%20monitoring%20update%202022%3A%20air,particulate%20matter%20(PM2.5)
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