Kurzes, intensives Intervalltraining hilft bei Panikattacken mehr als die Standardtherapie

Kurzes, intensives Intervalltraining hilft laut einer neuen Studie besser gegen Panikattacken als interozeptive Exposition (Bild: © baranq/stock.adobe.com)

Wissenschaftler haben nun in einer randomisierten, kontrollierten Studie gezeigt, dass Bewegungstherapie in Form von kurzem, intensiven Intervalltraining die Schwere von Panikattacken effektiver reduzieren als Entspannungstherapie.

Schätzungsweise 10 Prozent der Menschen erleben mindestens eine Panikattacke im Laufe ihres Lebens. Bei 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung sind die Panikattacken jedoch so häufig und schwerwiegend, dass sie die Kriterien für die schwerwiegende Erkrankung „Panikstörung“ erfüllen.

Der aktuelle Behandlungsstandard für Panikstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), gegebenenfalls in Kombination mit Antidepressiva. Eine bewährte Methode der KVT ist die „interozeptive Exposition“. Dabei lösen Therapeuten in einer sicheren, kontrollierten Umgebung typische Symptome von Panikattacken aus, wie Brustschmerzen, Schwitzen, beschleunigte Atmung und Herzrasen. Ziel ist es, die Toleranz gegenüber diesen Symptomen zu erhöhen, indem den Patienten vermittelt wird, dass sie nicht gefährlich sind.

Typischerweise erfolgt die interozeptive Exposition durch Übungen in der Praxis, wie zum Beispiel willkürliche Hyperventilation oder Drehen auf einem Stuhl. Neuere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass eine weniger künstliche und intensivere Form der interozeptiven Exposition – kurze, intermittierende intensive Übungen – wirksamer ist. Die Ergebnisse wurden in „Frontiers in Psychiatry“ veröffentlicht.

„Wir zeigen hier, dass ein 12-wöchiges Programm mit kurzen, intensiven Intervalltrainings als interozeptive Expositionsstrategie zur Behandlung von Patienten mit Panikattacken eingesetzt werden kann“, berichtet Dr. Ricardo William Muotri, Postdoktorand am Programm für Angststörungen der Medizinischen Fakultät der Universität São Paulo in Brasilien.

Ein bis sechs 30-sekündige Intervalle reichen

In dieser randomisierten, kontrollierten Studie verglichen Muotri und Kollegen die Wirkung kurzer, intensiver Intervalltrainings mit einer in der KVT häufig angewandten Entspannungstherapie. Die Studie umfasste 102 erwachsene Frauen und Männer mit diagnostizierter Panikstörung über einen Zeitraum von 12 Wochen.

Die Teilnehmenden wurden in zwei parallele Gruppen aufgeteilt und absolvierten wöchentlich drei Einheiten ihres jeweiligen Trainingsprogramms. Während der gesamten Studie wurden keiner der beiden Gruppen Medikamente verabreicht.

Die Patienten der Interventionsgruppe begannen jede Sitzung mit Dehnübungen, gefolgt von 15 Minuten Gehen und ein bis sechs 30-sekündigen Intervallen hochintensiven Laufens im Wechsel mit 4,5 Minuten aktiver Erholung. Zum Abschluss folgten weitere 15 Minuten Gehen. Die Patienten der Kontrollgruppe führten segmentale Muskelkontraktionsübungen in den Bereichen Oberarm, Schulterblatt, Halswirbelsäule, Gesicht, Rücken, Bauch und Beine durch, gefolgt von lokaler Muskelentspannung. Alle Patienten trugen während der Übungen biometrische Überwachungsgeräte.

Der primäre Endpunkt war jede Veränderung des PAS-Wertes (Panic and Agoraphobia Scale) über einen Zeitraum von 24 Wochen. Die PAS bewertet den Schweregrad von Paniksymptomen anhand der Antworten auf 13 Fragen eines Fragebogens. Sekundäre Endpunkte waren analoge Veränderungen der Werte in Fragebögen zu Angst und Depression sowie die selbstberichtete Häufigkeit und Schwere von Panikattacken. Ein Psychiater, dem die Behandlungszuordnung nicht bekannt war, beurteilte die Ergebnisse der Endpunkte.

Mindestens 24 Wochen anhaltendende positive Effekte

Der durchschnittliche PAS-Wert sowie die Werte für Angst und Depression sanken im Laufe der Zeit in beiden Gruppen, jedoch deutlich stärker in der Gruppe mit kurzem, intensivem Intervalltraining. Auch Häufigkeit und Schweregrad der Panikattacken nahmen in dieser Gruppe stärker ab.

Die Autoren schlussfolgerten, dass kurzes, intensives Intervalltraining eine effektivere Methode zur interozeptiven Exposition darstellt als Entspannungstherapie zur Behandlung von Panikattacken. Die positiven Effekte halten mindestens 24 Wochen an. Da die Patienten diese Behandlungsmethode als angenehmer empfanden als Entspannungstherapie, ist mit einer hohen Therapietreue und -motivation zu rechnen.

„Medizinisches Fachpersonal kann kurzes, intensives Intervalltraining als natürliche und kostengünstige Strategie zur interozeptiven Exposition einsetzen. Es muss nicht in einer Klinik stattfinden, sodass die Konfrontation mit den Symptomen einer Panikattacke näher an den Alltag der Patienten rückt. Es könnte auch in Behandlungsmodelle für Angst- und Depressionsstörungen integriert werden“, fasst Muotri zusammen.

(lj/BIERMANN)

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