KV Hamburg: Moratorium für MVZ-Gründungen durch Krankenhäuser und Investoren gefordert6. September 2021 Illustration: © izzuan – stock.adobe.com Eine Auszeit für die Gründung neuer Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) durch Krankenhäuser und Finanzinvestoren hat der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), Walter Plassmann, gefordert. Beim „3. Versorgungsforschungstag“ der KVH begründete Plassmann diese Forderung damit, der Charakter der ambulanten medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung drohe, durch die weitere Ausbreitung von MVZ in der Hand von Kliniken oder Finanzinvestoren „irreparablen Schaden“ zu nehmen. „Hierüber müssen wir mit Politik und Öffentlichkeit sprechen, bevor wir entscheiden, wie es weitergehen soll“, sagte Plassmann. Beim „3. Versorgungsforschungstag“, der am 1. September im Ärztehaus Hamburg stattfand, hatte laut Mitteilung der KVH eine Reihe der geladenen Experten darauf hingewiesen, dass einige Fachgruppen bereits komplett in der Hand von MVZ-Ketten seien, die häufig durch Private-equity-Kapital finanziert würden. Dies gelte für die Nephrologie, die Labormedizin und in großem Maße auch bereits für die Radiologie und die Augenheilkunde. In diesen Fächern hätten junge Ärzte „keine bis kaum eine Chance“, selbstständig tätig zu werden. KVH sieht drohenden “Systemwechsel”„Ginge dieser Trend weiter“, begründete Plassmann seinen Vorstoß, „so bestünden die Mitglieder einer KV im Wesentlichen aus angestellten Ärzten und Psychotherapeuten.“ Dann könne die KV die Sicherstellung nicht mehr über ihre Mitglieder gewährleisten, sondern müsste quasi Verhandlungen mit den MVZ-Trägern führen. „Das wäre ein anderes System, was auch der Patient zu spüren bekäme.“ Denn MVZ, vor allem in der Hand von Finanzinverstoren, würden ihr Leistungsspektrum nachweislich auf die lukrativen Leistungen Einschränken. Beim „3. Versorgungsforschungstag“ wurden nach Angaben der KVH entsprechende Untersuchungen vorgestellt. Die Politik dürfe diesen drohenden Systemwechsel nicht einfach hinnehmen, sondern müsse sich über die Folgen im Klaren sein und ihre Entscheidungen im Wissen um diese Folgen treffen. „Wenn wir einfach weiter abwarten, überrollt uns die Entwicklung und wir werden sie nicht mehr zurückdrehen können, selbst, wenn wir dies wollten“, so Plassmann. Deshalb sei nun eine Atempause nötig, um den Diskurs nachzuholen, den man eigentlich bei Einführung der MVZ hätte führen müssen.
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