Labore fordern einfacheren Zugang zu qualitativ hochwertiger fachärztlicher HIV-Diagnostik11. Januar 2024 Bild: © Vitalii Vodolazskyi – stock.adobe.com Die Akkreditierten Labore in der Medizin e.V. haben auf die besondere Bedeutung einer frühzeitigen Diagnostik von HIV-Infektionen hingewiesen. Die fachärztlichen Labore leisten hierbei einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der weiterhin bestehenden HIV-Pandemie. „Als fachärztlicher Berufsverband für Laboratoriumsmedizin ist uns vor allem der möglichst niedrigschwellige Zugang zur HIV-Diagnostik ein wichtiges Anliegen. Während es in größeren Städten Deutschlands gute Möglichkeiten einer qualitativ hochwertigen Diagnostik gibt, erkennen wir in ländlichen Gebieten weiterhin Defizite. Der nicht mehr bestehende Arztvorbehalt hat zur Folge, dass bei der Durchführung einer HIV-Diagnostik mit sogenannten Schnelltests insbesondere die Qualität der Diagnostik nicht mehr kontrollierbar ist. Diese Situation kann teilweise von unterschiedlichen Akteuren ausgenutzt werden. Für Betroffene ist es in einer bestehenden Notsituation nur schwer möglich, das für sie bestmögliche Angebot zu erkennen. Die Diagnostik von Infektionskrankheiten gehört grundsätzlich in die ärztliche Gesamtverantwortung und darüber hinaus in professionalisierte Strukturen. Dies ist im Bereich der Selbsthilfe häufig gegeben“, erklärt der 1. Vorsitzende Dr. Michael Müller. „Für viele Betroffene ist ein zunächst anonymer Test aufgrund der leider immer noch vorhandenen Stigmatisierung enorm wichtig. Gleichzeitig wird in Deutschland im internationalen Maßstab noch immer vergleichsweise wenig getestet. Deshalb sollte es aus unserer Sicht weitere einfache Zugänge zu qualitativ hochwertiger Diagnostik in fachärztlichen Laboren geben. Dies kann auch durch die Möglichkeit des sogenannten ‚Self-Samplings‘ erfolgen, also der Selbstabnahme von Untersuchungsmaterial in Zusammenarbeit zwischen den fachärztlichen Laboren und behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Frei zur Verfügung stehende Tests auf dem Markt, die ohne ärztlichen Hintergrund und ohne Qualitätsindikatoren angewendet werden, sind nicht hilfreich bei der Bekämpfung des HI-Virus. Wir fordern deshalb auch die Rückkehr zum Arztvorbehalt bei der HIV-Diagnostik, mit möglichen Ausnahmen für Gesundheitsämter und AIDS-Hilfen“, ergänzt der Labormediziner Dr. Martin Obermeier, der das Medizinische Infektiologiezentrum in Berlin (MIB) leitet. „Nach einer HIV-Erstdiagnose ist vor allem auch ein labormedizinisches Monitoring der HIV-Infektion ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung von HIV-Infizierten. Die akkreditierten Labore ermöglichen zudem eine sichere Versorgung für die in Deutschland eher seltener auftretenden HIV-2 Infektionen. Hier fehlen teilweise auch die entsprechenden Testkits, die von den großen In-vitro-Diagnostika-Herstellern aus Gründen der Wirtschaftlichkeit oft gar nicht angeboten werden. Das betrifft beispielsweise die für eine Verlaufsbeurteilung der Erkrankung wichtige Untersuchung zur Bestimmung der Virusmenge von HIV-2 im Patientenblut. Hier sind es die Fachärztinnen und Fachärzte in den akkreditierten Laboren, die diese als sogenannte ‚Inhouse Tests‘ oder auch ‚Lab Developed Tests‘ unter erschwerten EU-Regulatorien selbst entwickeln müssen. Nur mit der Eigenentwicklung von labortechnischen Verfahren können die Labore die bestmögliche Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten gewährleisten“, konstatiert Obermeier abschließend.
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