LCA: Erste zugelassene Gentherapie in der Augenheilkunde an der LMU-Augenklinik durchgeführt6. Juni 2019 Als erstes Zentrum in Deutschland hat Augenklinik der LMU München Ende Mai die erste zugelassene Gentherapie für hereditäre Netzhauterkrankungen durchgeführt. Foto: Klinikum der Universität München Am 29. Mai haben Augenärzte des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München als erstes Zentrum in Deutschland die erste zugelassene Gentherapie zur Behandlung einer erblich bedingten Netzhauterkrankung eingesetzt. Dies teilte das Klinikum jetzt mit. Unter der Leitung von Augenklinik-Direktor Prof. Siegfried Priglinger wurde erstmals eine Patientin in Deutschland unter Anwendung der kürzlich zugelassenen Gentherapie mit dem Wirkstoff Voretigen Neparvovec behandelt. Eine Vielzahl von Genen ist mit Erkrankungen der Netzhaut assoziiert. Beim Krankheitsbild der Leber’schen hereditären Amaurose (LCA) handelt es sich um eine genetisch heterogene Gruppe von Netzhauterkrankungen, deren Gemeinsamkeit ein fortschreitender Untergang an funktionalem Netzhautgewebe ist. Betroffene leiden unter einer Netzhautdegeneration, die zu einer Gesichtsfeldeinschränkung mit Sehverlust bis hin zur kompletten Erblindung führen kann. Das neue Therapeutikum, so die Uniklinik, markiere den Beginn einer neuen Ära in der Augenheilkunde. „Endlich können wir Krankheiten behandeln, die bisher nicht behandelbar waren. Mit dem Einzug der Gentherapie in den klinischen Alltag werden wir in Zukunft für eine wachsende Anzahl an erblich bedingten Augenleiden eine kausale Therapieoption anbieten können“, sagt Priglinger. Der Vorsitzende von PRO RETINA Deutschland e.V., Franz Badura, kennt als Betroffener selbst die Sorgen und Nöte von Menschen mit Netzhautdegenerationen: „Für die jungen Betroffenen einer solch schwerwiegenden seltenen Netzhauterkrankung und für ihre Angehörigen ist der Einsatz der Gentherapie ein ganz wichtiger, großer Meilenstein, weckt Hoffnung und eröffnet erstmals Chancen auf eine Verbesserung ihres Sehens“, zitiert ihn das Klinikum der LMU. Wirkprinzip der Gentherapie Die Gabe des Gentherapeutikums umfasst nach Angaben der Uniklinik eine operative Einbringung des Medikamentes im Rahmen einer Pars-plana-Vitrektomie. Bei dieser Operation wird der Glaskörper entfernt, dies ermöglicht dem Operateur einen barrierefreien Zugang zur Netzhaut. Mit einer nur 0,1 mm im Durchmesser messenden Injektionskanüle wird dann das in einem Trägermaterial gelöste Gentherapeutikum mit einem Volumen von 0,3 ml unter die Netzhaut gespritzt. Mittels speziell modifizierter nicht krankheitsauslösender Adeno-assoziierter Viren als Träger gelangt eine gesunde Kopie des erkrankten RPE65-Gens zu den Zielzellen der Netzhaut. Dort angekommen kann von den Zielzellen ein funktionstüchtiges Protein produziert und so der physiologische Sehzyklus wiederhergestellt werden. Mit dem neuen Therapeutikum steht nun erstmals eine Gentherapie für Betroffene zur Verfügung, bei denen biallelische Mutationen im RPE65-Gen für die Erkrankung ursächlich sind. Dieses Gen, so erläutert die Uniklinik weiter, ist für die Bildung des für den Sehzyklus unersetzlichen Enzyms Retinoid-Isomerohydrolase verantwortlich, das in der Netzhaut für die Regeneration von 11 cis retinal verantwortlich ist. 11 cis retinal ist als Chromophor ein essenzieller Bestandteil lichtempfindlicher Sehpigmente (Opsine), die als Lichtrezeptoren fungieren und damit für den Sehvorgang unabdingbar sind. Ist das Enzym in seiner Funktion beeinträchtigt oder fehlt es, können Lichtreize nicht zu einem physiologischen Seheindruck verarbeitet werden, was zu hochgradiger Sehminderung oder gar Blindheit führen kann. Quelle: Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
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