Lebende Krebs-Medikamente: Reinhardt neuer Professor an der Universität Duisburg-Essen9. Juni 2020 Prof. Christian Reinhardt (Foto: © UDE/Frank Preuß) Bösartige Lymphome sind die fünfhäufigste Krebs-Todesursache in der westlichen Welt. Wie ihre Behandlung durch zelluläre Immuntherapie optimiert werden kann, erforscht Prof. Christian Reinhardt in der Klinik für Hämatologie und Zelltherapie am Westdeutschen Tumorzentrum der Universitätsmedizin Essen. Er ist neuer Professor für Innere Medizin (Hämatologie) an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die zelluläre Immuntherapie wird gegen Krebs hierzulande bereits seit einigen Monaten angewandt. Dafür werden T-Lymphozyten (T-Zellen) von Lymphom-Patienten isoliert und nachfolgend gentechnisch modifiziert. Die modifizierten T-Zellen werden mit einem Oberflächenmolekül ausgestattet, das ganz spezifisch an Lymphomzellen bindet und die genetisch veränderten T-Zellen befähigt, die Lymphomzellen abzutöten. „Wir machen aus ihnen lebende Medikamente, die gezielt an die Krebszellen andocken und als Killerzellen gegen sie vorgehen“, beschreibt es Reinhardt. Die Lymphom-Abteilung am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) möchte der 44-Jährige schwerpunktmäßig ausbauen, er ist unter anderem Mitglied im Beirat des Kompetenznetzwerks Maligne Lymphome. Außerdem entwickelt er weitere Krebstherapien ohne Chemo-Therapie. Reinhardt: „Bei einigen Tumoren sind Tabletten erfolgreich, die keine DNA-schädigende Wirkung entfalten und zielgerichtet in die krebsspezifischen Signalwege eingreifen.“ Verwendet werden können sie etwa bei Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) oder chronischer lymphatischer Leukämie (CLL). Reinhardt studierte von 1996 bis 2003 Medizin an den Universitäten Hamburg, Berlin und Freiburg, wo er 2003 mit summa cum laude promoviert wurde. 2004 war er Postdoc an der Universität Münster und forschte dann bis 2009 am Massachusetts Institute of Technology in den USA. Danach war er unter anderem von 2009 bis 2015 Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut Köln. Bevor er an die UDE kam, war er seit 2012 Professor für klinische und molekulare Onkologie am Universitätsklinikum Köln. Seine Forschung wurde mehrfach ausgezeichnet.
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