Bewegung, Ernährung und Schlaf: Lebensstilfaktoren beeinflussen Morbus Parkinson

Weltweit arbeiten Forschende an Biomarkern zur Früherkennung und an Medikamenten, die die Neurodegeneration bei Morbus Parkinson bremsen oder sogar stoppen. Bis solche Therapien verfügbar sind, sind Lebensstilfaktoren wie regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und gesunder Schlaf die wichtigsten Strategien, das Risiko und den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen.

„Immer mehr aktuelle Studien deuten darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil Entzündungen, Stoffwechselprozesse und die Regeneration des Gehirns positiv unterstützt“, betont Prof. Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e. V. anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April.

In Deutschland leben rund 295.000 bis 400.000 Menschen mit der Parkinson-Krankheit. Etwa jeder siebzigste Mensch ab 65 Jahren ist daran erkrankt. Neben motorischen Einschränkungen treten oft schon früh Schlafstörungen, Geruchsverlust, Verdauungsprobleme oder kognitive Veränderungen auf. Die Forschung geht davon aus, dass die Erkrankung durch eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren entsteht.

Ernährung: Die Darm-Hirn-Achse im Fokus

Eine bewusste Ernährung ist für Menschen mit Parkinson in vieler Hinsicht von Bedeutung. Sie verbessert die eingeschränkte Verdauung, liefert Energie und vermeidet medikamentöse Wechselwirkungen. Bei der Frage, ob sie sogar das Gehirn schützen kann, spielt das Mikrobiom im Darm eine wichtige Rolle. Studien zeigen: Bei Menschen mit Parkinson oder mit REM-Schlaf-Verhaltensstörung – einem frühen Symptom der Erkrankung – ist die Zusammensetzung der Bakterien im Darm verändert. Sie haben oft eine geschwächte Darmbarriere („Leaky Gut“), wodurch Entzündungsstoffe leichter in die Blutbahn gelangen. Dieser Prozess des „Inflammaging“ kann Alterung und neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson begünstigen. Eine vornehmlich pflanzliche, vollwertige Ernährung oder die Einnahme von Stärke, die resistent gegenüber Verdauungsenzymen ist und im Dickdarm präbiotisch wirkt, kann das Mikrobiom positiv beeinflussen, die Darmbarriere stärken und Entzündungswerte im Blut senken. „Erste Beobachtungen zeigen zudem, dass Fastenkuren nach Buchinger bei einigen Betroffenen die motorischen Symptome wie den Tremor deutlich reduzieren können“, berichtet Mollenhauer.

Bewegung und Schlaf: Gesunder Lebensstil mit präventivem Effekt

Regelmäßige Bewegung ist eine weitere effektive Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko und den Verlauf von Parkinson selbst positiv zu beeinflussen – das haben zahlreiche Studien und Meta-Studien der vergangenen Jahre gezeigt. Neueste Erkenntnisse heben die Bedeutung der Gehirn-Muskulatur-Leber-Achse hervor: Körperliche Aktivität setzt in den Muskeln Myokine frei – Botenstoffe, die unter anderem die Bildung neuer Nervenzellen unterstützen – und fördert den entzündungsregulierenden Stoffwechsel. Das Immunsystem wird gestärkt, die Neuroplastizität und Hirndurchblutung gefördert und der Abbau toxischer Proteine wie β-Amyloid und α-Synuclein unterstützt.

Auch erholsamer Schlaf ist für die neurobiologische Regeneration des Gehirns entscheidend. Viele Menschen, die später an Parkinson erkranken, entwickeln Jahre vor Ausbruch der Erkrankung eine Traumschlafstörung, bei der sie Träume im Schlaf intensiv ausleben. Diese sogenannten REM-Schlafstörungen stehen im Zusammenhang mit α-Synuclein-Ablagerungen im Hirnstamm und gelten als frühes Warnsignal. Guter Schlaf mit ausreichenden Tiefschlafanteilen dagegen hilft, über das glymphatische System Proteinablagerungen im Gehirn abzubauen und Entzündungen zu reduzieren.

„Ernährung, Bewegung und Schlaf ergänzen die wissenschaftlichen Fortschritte – und geben Betroffenen bereits heute wirksame Hebel in die Hand, um Parkinson durch einen bewussten Lebensstil vorzubeugen oder zu verlangsamen“, fasst Mollenhauer zusammen.

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