Leberfibrose und Portale Hypertonie: Auf der Suche nach neuen Therapieansätzen

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An der Medizinischen Universität hat Mitte Juni ein Christian-Doppler Labor für „Portale Hypertension und Leberfibrose“ seine Arbeit aufgenommen.

Lebererkrankungen führen – wenn unerkannt oder unbehandelt – oft zu Leberzirrhose und Portaler Hypertonie, wodurch schwere Komplikationen wie Aszites oder Varizenblutungen entstehen können. Eine portale Hypertension entwickelt sich initial aufgrund erhöhten Widerstandes in den Leberblutgefäßen, welcher sich vor allem wegen Vernarbung des Lebergewebes entwickelt.

Im Fokus der Forschung im neu eröffneten Christian-Doppler Labor für „Portale Hypertension und Leberfibrose“ an der Medizinischen Universität stehen daher die Aufklärung von Mechanismen, welche zur Fibrosierung der Leber beitragen und die Entwicklung von effektiven Therapien für Patienten mit portaler Hypertension. In dem neuen Labor werden an etablierten Modellen diverser Lebererkrankungen molekulare Signalwege identifiziert, welche in spezifischen Krankheitsstadien aktiviert sind. Durch gezielte pharmakologische Aktivierung oder Hemmung beziehungsweise genetische Überexpression oder Blockade dieser molekularen Signale wird deren Bedeutung bei Leberfibrose und portaler Hypertension im CD-Labor näher charakterisiert.

Die beteiligten Grundlagen-Forscher an der der MedUni Wien untersuchen in Kooperation mit der kardiometabolischen Forschungsabteilung von Boehringer-Ingelheim neue medikamentöse antifibrotische und anti-portalhypertensive Therapien.

„Lebererkrankungen gehören in Österreich zu den häufigsten Todesursachen – und oft ist eine Transplantation die einzige Chance auf Heilung. Die Forschung im CD-Labor setzt nun darauf, die Vernarbung bei Leberzirrhose zu vermindern und die Organdurchblutung und Funktion zu verbessern. Die Zusammenarbeit von Spitzenforschung und Unternehmen bringt einmal mehr Fortschritt für Patientinnen und Patienten“, so Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck.

„In diesem CD-Labor arbeiten Grundlagenforschung und Unternehmen ganz eng zusammen. Daher wird dieses neue Wissen unmittelbar zur Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente und kommt rasch dort an, wo es gebraucht wird – bei den Patientinnen und Patienten“, sagt Michaela Fritz, Vizerektorin für Innovation und Forschung an der MedUni Wien.

„Wir wollen neue Therapieansätze für Portale Hypertension und Leberfibrose identifizieren und das Potenzial der Rückentwicklung von geschädigtem in gesundes Lebergewebe beleuchten, das eventuell durch Medikamente unterstützt werden kann“, erklärt der Leiter des kürzlich eröffneten CD-Labors, Thomas Reiberger von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien. „Wenn die Zusammenhänge der Fibrose-Entwicklung in der Leber auf molekularer Ebene detailliert erforscht werden, könnte das neue Therapieoption für Portale Hypertension und Patienten mit Leberzirrhose aufzeigen, die so dringend benötigt werden.“

Das Team von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien unter der Reibergers Leitung arbeitet dabei unter anderem eng mit Gruppen am CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) und des Ludwig-Boltzmann-Institut für Seltene und undiagnostizierte Erkrankungen (LBI-RUD), sowie mit dem Unternehmenspartner Boehringer Ingelheim (Deutschland) zusammen.

Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel. Christian Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW).