Lebermetastasen: Intraoperativer Ultraschall verbessert Chancen29. November 2024 Bild: ©Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com Lebermetastasen können bei nahezu jedem zweiten Darmkrebspatienten auftreten. Der Intraoperative Ultraschall (IOUS) liefere Echtzeitbilder, die Tumorgrenzen und versteckte Metastasen sichtbar machen und eröffne so neue Möglichkeiten, wie die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) erläutert. Haupttodesursache bei Darmkrebs sind Lebermetastasen. Bis zu 20 Prozent der Betroffenen haben sie zum Zeitpunkt der Diagnose bereits. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln bis zu 50 Prozent der Patienten die Absiedlungen in der Leber. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei Darmkrebs deshalb nur bei 50 Prozent. Auch der eigentliche Leberkrebs ist in Deutschland eine der häufigsten Krebstodesursachen. Jährlich erkranken etwa 9800 Menschen neu, etwa 8200 sterben daran. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur 17 Prozent. Sowohl beim bösartigen Lebertumor als auch bei Lebermetastasen ist die operative Entfernung die Therapie der Wahl. „Die Entfernung von Lebermetastasen ist mittlerweile die häufigste Indikation für eine Leberresektion in Deutschland“, erklärt Dr. Christian Hillert, Leitender Oberarzt am Krankenhaus Reinbek und Mitglied der DEGUM-Sektion Chirurgie. IOUS: Wertvolle Ergänzung bei laparoskopischen und roboterassistierten Eingriffen Gerade bei minimalinvasiven und roboterassistierten Eingriffen, die inzwischen bei bis zu 60 Prozent der Leber- und 80 Prozent der Dickdarmoperationen angewandt werden, fehlt jedoch die Möglichkeit, die Leber während der Operation abzutasten, den Leberherd zu beurteilen und die Resektion zu planen. „Hier kommt der intraoperative Ultraschall ins Spiel“, so Hillert. Der IOUS liefert – vor allem in Kombination mit einem kontrastverstärkten Ultraschall – Echtzeitbilder, mit denen selbst kleinste Tumoren oder Metastasen identifiziert werden können – oft solche, die in präoperativen Bildgebungen wie MRT oder CT übersehen wurden. „Das ermöglicht uns, Tumoren millimetergenau zu entfernen und dabei gesundes Gewebe zu schonen“, betont Hillert. Studien belegen, dass der Einsatz des IOUS in bis zu 50 Prozent der Fälle zu einer Änderung der Operationsstrategie führt und die Behandlungsergebnisse deutlich verbessert. „Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies auch ein verringertes Rückfallrisiko“, so Hillert. DEGUM fordert flächendeckenden Einsatz und setzt auf KI Trotz dieser Vorteile ist IOUS bisher nicht flächendeckend etabliert. „Das liegt vor allem an unzureichender Ausbildung und fehlenden standardisierten Prozessen in den Operationssälen“, erklärt PD Dr. Lukas Liesenfeld, Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der DEGUM-Sektion Chirurgie. Um dies zu ändern, hat die DEGUM ein umfassendes Aus- und Weiterbildungskonzept entwickelt. Zudem arbeitet die Gesellschaft an einem Zertifikat, das die Qualität und Verbreitung von IOUS sichern soll, und bemüht sich, die Methode in die medizinischen Leitlinien aufzunehmen. Auch Künstliche Intelligenz wird künftig eine immer größere Rolle spielen „KI wird die Sonografie stark voranbringen“, so Liesenfeld. „Mit automatisierten Organvolumenmessungen und der Detektion krankhafter Läsionen wird KI sicherstellen, dass in Zukunft keine Tumoren mehr übersehen werden.“ KI werde die Arbeit der Chirurgen nicht ersetzen, sondern sie optimal unterstützen und so die Behandlungsqualität noch weiter steigern.
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