Leibniz-WissenschaftsCampus EvoLUNG erhält erneut Förderung19. Mai 2020 Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS/Adobe Stock Dank der positiven Entscheidung der Leibniz-Gemeinschaft kann das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk des Forschungszentrums Borstel Leibniz Lungenzentrum (FZB), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU Kiel) und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön (MPI Plön) seine Arbeit für weitere vier Jahre fortführen. Ziel des Leibniz-WissenschaftsCampus „Evolutionary Medicine of the Lung“ (EvoLUNG) ist es, durch die Erforschung evolutionärer Prozesse ein besseres Verständnis der Entstehung von Asthma, chronisch obstruktiver Lungenkrankheiten (COPD) und Tuberkulose zu erhalten und daraus neue Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Seit der Gründung des Leibniz-WissenschaftsCampus EvoLUNG im Oktober 2016 stellt der Zusammenschluss dieser drei etablierten Forschungs-institutionen Schleswig-Holsteins die erste Einrichtung in Deutschland dar, die sich mit dem neuen Feld der Evolutionsmedizin beschäftigt und dabei Lungenerkrankungen im Fokus hat. Mithilfe von evolutionsbiologischen Methoden arbeiten Promovierende gemeinsam mit ihren wissenschaftlichen Mentoren daran, die Ursachen von Asthma, COPD, Tuberkulose und anderen chronischen/infektiösen Lungenerkrankungen näher zu verstehen und Behandlungsmethoden zu optimieren. Zahlreiche Publikationen in hoch angesehenen wissenschaftlichen Fachzeitschriften zeigen, dass dieses innovative Konzept durch Kombination verschiedener Disziplinen innerhalb der Lebenswissenschaften mit aktuellen medizinischen Herausforderungen ein inspirierendes und erfolgversprechendes Mikroklima für junge Wissenschaftler schafft. „Evolutionäre Prozesse sind zentral für eine Vielzahl von Erkrankungen beim Menschen, werden bei der medizinischen Betrachtung aber nur selten berücksichtigt“, so Prof. Hinrich Schulenburg von der CAU Kiel und Vizesprecher von EvoLUNG. „Diese kritische Lücke versuchen wir im Leibniz Wissenschafscampus EvoLUNG zu schließen, um zukünftig über ein verbessertes, evolutionäres Verständnis von Lungenerkrankungen neue, nachhaltige Therapieansätze zu entwickeln“, so Stefan Niemann vom FZB und EvoLUNG Sprecher. Verschiedene EvoLUNG Junior PIs (Principal investigators) wurden bereits mit Forschungspreisen ausgezeichnet; erst kürzlich bekam Camilo Barbosa für seine Forschungsarbeit den renommierten John-Maynard-Smith Forschungspreis der Europäischen Gesellschaft für Evolutionsbiologie. Barbosa trug in Schulenburgs Arbeitsgruppe (CAU) mit seinen Forschungsarbeiten dazu bei, das Konzept der „kollateralen Sensitivität“ zu formulieren. Er konnte zeigen, dass die Entstehung einer Resistenz gegenüber einem Antibiotikum im Erreger der Lungenentzündung Pseudomonas aeruginosa gleichzeitig zu einer Empfindlichkeit gegenüber anderen Wirkstoffen führt. Ein Konzept, welches zur Optimierung von Therapieansätzen in der Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Bakterien genutzt werden kann. Der Erfolg des Leibniz-WissenschaftsCampus EvoLUNG wurde nun durch ein internationales Gutachtergremium bestätigt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Forschungsnetzwerk strukturell hervorragend aufgestellt sei und sich mit Themen von besonderer Aktualität und Relevanz beschäftige. Die drei in EvoLUNG behandelten Forschungsbereiche würden sich hervorragend ergänzen und inhaltlich so gestalten, dass auch zukünftig ein klarer Mehrwert aus dieser interdisziplinären Arbeit zu erwarten ist. Auf Basis dieser Gutachten hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft beschlossen die Förderung für den Leibniz-WissenschaftsCampus EvoLUNG für weitere 4 Jahre fortzuführen. Somit können die drei Projektpartner im Oktober 2020 in die zweite Förderphase starten und ihre erfolgreiche evolutionsmedizinische Forschungsagenda weiterentwickeln. Mit großer Freude wurde diese Nachricht in Kiel, Plön und Borstel aufgenommen. „Dieser Leibniz-WissenschaftsCampus EvoLUNG ist vor allem wegen seiner Originalität und seiner strategischen Vorreiterrolle von den Gutachtern sehr gelobt worden – darauf können die antragstellenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Institutionen wirklich stolz sein“, freute sich der Direktor des Forschungszentrums Borstel, Prof. Stefan Ehlers. CAU-Vizepräsidentin Prof. Karin Schwarz sieht in der Förderzusage eine Bestätigung des aktuellen Erfolgskurses: „Die Kieler Universität hat sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen zu einem bundesweit einzigartigen Hotspot in der Evolutionsforschung entwickelt. Nach der erfolgreichen Einwerbung des DFG-Graduiertenkollegs TransEvo und der jüngsten Förderempfehlung des Wissenschaftsrats für den Bau des evolutionswissenschaftlichen CeTEB-Forschungszentrums an der CAU bekennt sich nun auch die Leibniz-Gemeinschaft erneut zur Führungsposition des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein auf diesem Gebiet. Die weitere Förderung des EvoLUNG-Campus bestätigt das Kieler Konzept der Translationalen Evolutionsbiologie, das insbesondere in der künftigen medizinischen Anwendung zum Beispiel in der Behandlung von Lungenerkrankungen vielversprechende Perspektiven eröffnen wird.“
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