Leichter Bluthochdruck in der Schwangerschaft – Behandlung lohnt sich9. November 2022 © Africa Studio – stock.adobe.com (Symbolbild) Sollte auch ein leichter Bluthochdruck (<160/100 mmHg) während der Schwangerschaft medikamentös behandelt werden oder wird dadurch eventuell sogar das fetale Wachstum beeinträchtigt? Bislang herrschte Unklarheit in dieser Frage. Zur Beantwortung der Frage inkludierte die CHAP-Studiengruppe 2408 schwangere Frauen in ihre Untersuchung. In der offenen, multizentrischen, randomisierten Studie nahmen die Forscher um Alan T. Tita von der University of Alabama in Birmingham (USA) schwangere Frauen mit leichter chronischer Hypertonie und Einlingsfeten im Gestationsalter von <23 Wochen auf. Teilnehmerinnen wurden entweder mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt, die für den Einsatz in der Schwangerschaft empfohlen werden (aktive Behandlungsgruppe), oder sie erhielten keine blutdrucksenkende Therapie – außer sie entwickelten eine schwere Hypertonie (systolischer Druck ≥160 mmHg oder diastolischer Druck ≥105 mmHg; Kontrollgruppe). Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus Präeklampsie mit schweren Symptomen, medizinisch indizierter Frühgeburt in einer Schwangerschaftswoche von <35 Wochen, Plazentaablösung oder fetalem oder neonatalem Tod. Der Sicherheitsendpunkt war ein Geburtsgewicht <10. Perzentil für das Gestationsalter. Zu den sekundären Endpunkten gehörten schwerwiegende neonatale oder mütterliche Komplikationen, Präeklampsie und Frühgeburt. Die Inzidenz eines primären Ereignisses war in der Gruppe mit aktiver Behandlung des Bluthochdrucks geringer als in der Kontrollgruppe (30,2% vs. 37,0%), was einem bereinigten Risikoverhältnis (aRR) von 0,82 (95%-KI 0,74–0,92; p<0,001) entspricht. Der Prozentsatz der Geburten mit einem Gewicht <10. Perzentile lag in der Gruppe mit aktiver Behandlung bei 11,2% und in der Kontrollgruppe bei 10,4% (aRR 1,04; 95%-KI 0,82–1,31; p=0,76). Die Inzidenz schwerwiegender mütterlicher Komplikationen betrug 2,1% bzw. 2,8% (RR 0,75; 95%-KI 0,45–1,26), und die Inzidenz schwerer neonataler Komplikationen lag bei 2,0% bzw. 2,6% (RR 0,77; 95%-KI 0,45–1,30). Eine Präeklampsie trat in den beiden Gruppen bei 24,4% bzw. 31,1% der Patienten auf (RR 0,79; 95%-KI 0,69–0,89) und eine Frühgeburt bei 27,5% bzw. 31,4% (RR 0,87; 95%-KI 0,77–0,99). Fazit Die Reduktion des Blutdrucks auf <140/90 mmHg verbesserte die Schwangerschaftsergebnisse – ohne gleichzeitig die Zahl der Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht zu erhöhen. (ah) Autoren: Tita AT et al. Korrespondenz: Alan T. Tita; [email protected] Studie: Treatment for Mild Chronic Hypertension during Pregnancy Quelle: N Engl J Med 2022;386:1781–1792. Web: https://doi.org/10.1056/NEJMoa2201295
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