Leonardo da Vinci: Genie dank Strabismus?

Darstellung des Leonardo da Vinci von Luigi Pampaloni (1839). Foto: © ArTo – Fotolia.com

Der künstlerische Erfolg des Leonardo da Vinci ist möglicherweise auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass er eine Augenfehlstellung hatte. 

Ein Wissenschaftler von der School of Optometry and Vision Sciences an der City University of London hat sechs Kunstwerke Leonardo da Vincis und seines Lehrers Andrea del Verrocchio untersucht, dem nach Ansicht einiger Experten Leonardo da Vinci Modell gestanden hat.

Prof. Christopher W. Tyler konnte nachweisen, dass der große italienische Maler an Strabismus litt.  Der Forscher machte seine Entdeckung, indem er die Augenausrichtung der Menschen analysierte, die in den sechs untersuchten Meisterwerken vertreten sind, darunter die berühmtesten Werke des italienischen Künstlers: Vitruvian Man und Salvator Mundi. Die letztgenannte Christus-Darstellung ging kürzlich als das bisher am höchsten gehandelte Gemälde in die Kunstgeschichte ein.

“Mehrere große Künstler, von Rembrandt bis Picasso, haben geschielt, und es scheint, dass auch Vinci davon betroffen war. Die Ergebnisse unserer Forschung deuten darauf hin, dass Leonardo da Vinci eine intermittierende Exotropie hatte – eines seiner Augen neigte dazu, nach außen zu schauen, was die Fähigkeit zur Umstellung auf monokulares Sehen mit nur einem Auge zur Folge hatte”, erklärt Tyler.

“Dieser Fehlstellung ist für einen Maler von großem Vorteil, denn wenn er die Welt mit einem Auge betrachtet, kann er sich mehr auf die nächsten ebenen Flächen konzentrieren. Der Strabismus würde Vincis große Leichtigkeit bei der Wiederherstellung seiner dreidimensionalen Gesichter und Objekte sowie die Tiefenwirkung seiner Gemälde mit Bergszenen erklären”, ergänzt Tyler.

Im Rahmen dieser Studie wurden folgende Werke analysiert: David (Andrea del Verrocchio), Junger Krieger (Andrea del Verrocchio), Salvator Mundi (da Vinci), Der junge Johannes der Täufer (da Vinci), Vitruvianischer Mensch (da Vinci) und ein weiteres mögliches Selbstportrait von da Vinci. Tyler analysiert die Augenstellungen der Dargestellten, indem er Kreise und Ellipsen über die Pupillen, die Iris und die Lidöffnungen legte und deren relative Position zueinander ermittelte.

Der Forscher fand heraus, dass es in allen sechs untersuchten Werken Hinweise auf Strabismus gab.