Lichtverschmutzung erhöht das Alzheimer-Risiko

Künstliches Licht, das die Nacht zum Tag macht, hat negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. (Foto: © marcin_sroka – stock.adobe.com)

Übermäßige Lichtverschmutzung kann das Alzheimer-Risiko erhöhen – insbesondere bei jüngeren Menschen. Das geht aus einer Studie in „Frontiers Neuroscience“ hervor.

An manchen Orten auf der Welt gehen die Lichter nie aus. Straßenlaternen, Fahrbahnbeleuchtungen und beleuchtete Schilder sollen unter anderem die Straßen sicherer machen oder das Landschaftsbild verschönern. Dauerhafte Beleuchtung hat jedoch ökologische und gesundheitliche Folgen.

In den USA haben einige Bundesstaaten bereits Gesetze zur Verringerung der Lichtverschmutzung erlassen, dennoch ist die nächtliche Lichtmenge in vielen Teilen des Landes nach wie vor hoch. Nun haben Forscher dort Zusammenhänge zwischen nächtlicher Lichtverschmutzung im Freien und der Alzheimer-Krankheit (AD) untersucht.

„Wir zeigen, dass in den USA ein positiver Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Alzheimer-Krankheit und der nächtlichen Lichtverschmutzung besteht, insbesondere bei Personen unter 65 Jahren“, erklärt die Erstautorin der Studie, Dr. Robin Voigt-Zuwala, außerordentliche Professorin am Rush University Medical Center. „Nächtliche Lichtverschmutzung – ein modifizierbarer Umweltfaktor – könnte ein wichtiger Risikofaktor für Alzheimer sein.“

Hohe Intensität, hohes Risiko

Die Forscher werteten Karten zur Lichtverschmutzung in 48 US-Bundesstaaten aus und die Beleuchtungsintensität in fünf Kategorien ein, von der niedrigsten bis zur höchsten nächtlichen Lichtintensität. Zusätzlich schlossen sie medizinische Daten zu Variablen, die als Risikofaktoren für Alzheimer bekannt sind oder vermutet werden, in ihre Analyse ein.

Ihre Ergebnisse zeigten, dass bei Menschen ab 65 Jahren die Häufigkeit von Alzheimer stärker mit der nächtlichen Lichtverschmutzung korreliert war als einige andere Risikofaktoren für die Erkrankung, darunter Alkoholmissbrauch, chronische Nierenerkrankungen, Depressionen und Fettleibigkeit. Andere Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Schlaganfall waren stärker mit Alzheimer verbunden als Lichtverschmutzung.

Bei Menschen unter 65 Jahren war eine höhere nächtliche Lichtintensität mit einer höheren Alzheimer-Prävalenz verbunden war als jeder andere in der Studie untersuchte Risikofaktor.

Noch ist unklar, warum jüngere Menschen anfälliger zu sein scheinen, aber es könnte auf individuelle Unterschiede in der Lichtempfindlichkeit zurückzuführen sein. „Bestimmte Genotypen, die das frühe Auftreten von Alzheimer beeinflussen, wirken sich auf die Reaktion auf biologische Stressfaktoren aus, was eine erhöhte Anfälligkeit für die Auswirkungen nächtlicher Lichtexposition erklären könnte“, erklärte Voigt-Zuwala. „Außerdem leben jüngere Menschen eher in städtischen Gebieten und haben einen Lebensstil, der die nächtliche Lichtexposition erhöhen kann.

Vorhänge und Masken

Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen können, die Menschen über die potenziellen Risiken von nächtlichem Licht aufzuklären. „Das Bewusstsein für diesen Zusammenhang sollte die Menschen – insbesondere diejenigen mit Risikofaktoren für Alzheimer – dazu bewegen, ihren Lebensstil leicht zu ändern“, erklärt Voigt-Zuwala. „Zu den leicht umzusetzenden Änderungen gehören die Verwendung von Verdunkelungsvorhängen oder das Schlafen mit Augenmasken. Dies ist vor allem für diejenigen sinnvoll, die in Gebieten mit hoher Lichtverschmutzung leben.“

Außerdem könnte die Lichtexposition in der Wohnung genauso wichtig sein wie die Lichtexposition von außen. Die Forscher untersuchten in der vorliegenden Studie zwar nicht die Auswirkungen der Innenraumnbeleuchtung, erklärten aber, dass blaues Licht den größten Einfluss auf den Schlaf hat und dass die Verwendung von Blaulichtfiltern, der Wechsel zu warmem Licht und der Einbau von Dimmern in der Wohnung die Lichtexposition wirksam verringern könnten.

Die Forscher wiesen darauf hin, dass ihre Ergebnisse auf einer Teilmenge der US-Bevölkerung beruhen und dass die Menschen möglicherweise nicht ihr ganzes Leben lang in Gebieten mit hoher Lichtverschmutzung leben – beides könnte sich auf die individuellen Ergebnisse auswirken. Die Forscher wiesen auch darauf hin, dass weitere Forschung erforderlich ist, um besser zu verstehen, wie nächtliches Licht die Alzheimer-Erkrankung beeinflusst.