Lokale Behandlung der primären Lokalisation von Brustkrebs im De-novo-Stadium IV: Weniger lokoregionäre Progression – Überleben und Lebensqualität vergleichbar

CHICAGO (Biermann) – Kann bei neu diagnostiziertem Brustkrebs mit Fernmetastasen eine lokoregionäre Behandlung des intakten Primär­tumors das OS verbessern? Klinische Studien erbrachten dazu bislang widersprüchliche Ergebnisse.

Eine aktuelle Studie mit früher lokaler Behandlung der primären Lokalisation ergab jetzt eine verbesserte lokoregionäre Kontrolle, die aber ohne Einfluss auf die Lebensqualität blieb. Auch beim OS sah das Team um Prof. Seema Khan vom Lynn Sage Comprehensive Breast Center in Chicago (USA) keinen Unterschied.

Die Forscher hatten Frauen mit metastasiertem Brustkrebs und intaktem Primärtumor zunächst für 4–8 Monate mit einer systemischen Therapie behandelt. Trat keine Progression auf, wurden sie für eine lokoregionäre Behandlung der primären Lokalisation (Operation und Strahlentherapie gemäß den Standards für eine nicht­metastasierte Erkrankung) oder eine fortgesetzte systemische Therapie randomisiert.

Von 390 Teilnehmerinnen wurden 256 randomisiert: 131 für die Fort­setzung der systemischen Therapie und 125 für eine frühe lokoregionäre Therapie. Das 3-Jahres-OS betrug 67,9 % ohne und 68,4 % mit früher lokoregionärer Therapie (HR 1,11; 90 %-KI 0,82–1,52; P=0,57). Das mediane OS beziffern die Autoren auf 53,1 Monate (95 %-KI 47,9 bis nicht abschätzbar) im Arm mit systemischer Therapie und auf 54,9 Monate (95 %-KI 46,7 bis nicht abschätzbar) im Arm mit loko-regionärer Therapie.

Eine lokoregionäre Progression beobachteten die Wissenschaftler seltener bei den Frauen, die randomisiert einer lokoregionären Behandlung zugewiesen worden waren (3-Jahres-Rate: 16,3 % vs. 39,8 %; P< 0,001). Auch die Messwerte für die Lebensqualität fielen weit­estgehend ähnlich aus. (sf)

Autoren: Khan SA et al.
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Studie: Early Local Therapy for the Primary Site in De Novo Stage IV Breast Cancer: Results of a Randomized Clinical Trial (EA2108)
Quelle: J Clin Oncol 2022;40(9):978–987.
Web: doi.org/10.1200/JCO.21.02006