Lokalisierter Prostatakrebs: Vorteil durch kurze Androgensuppression und Eskalation der Strahlendosis

Bei lokalisiertem Prostatakrebs ist Bestrahlung eine Therapieoption. Illustration: ©SciePro – stock.adobe.com

Verbessern eine kurzfristige Androgensuppression (AS) und eine Strahlendosiseskalation auf 74–78 Gy das langfristige Outcome von Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs mit intermediärem Risiko im Vergleich zu einer alleinigen Bestrahlung? Dieser Frage ging ein internationales Wissenschaftlerteam nach.

Die Studie 22991 der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) zeigte, dass eine 6-monatige gleichzeitige und adjuvante AS das ereignisfreie Überleben nach Phoenix-Kriterien und das klinisch krankheitsfreie Über­leben bei lokalisierten Prostatakarzinomen mit intermediärem und hohem Risiko, die mit externer Strahlentherapie (EBRT) mit 70–78 Gy behandelt werden, verbessert. Nun stellen die Autoren um Dr. Michel Bolla vom Universitätsklinikum in Grenoble, Frankreich, die 12-Jahres-Ergebnisse von Patienten mit intermediärem Risiko vor, die gemäß den aktuellen Leitlinien mit einer EBRT mit 74 oder 78 Gy behandelt wurden.

Die Mediziner kommen zu dem Ergebnis: 6 Monate begleitende und adjuvante AS verbessern das EFS und DFS bei Prostata­karzinomen mit intermediärem Risiko, die mit einer Bestrahlung mit 74 oder 78 Gy behandelt werden, statistisch signifikant. Allerdings erreichten die Auswirkungen auf das OS und das fernmetastasenfreie Überleben (DMFS) keine statistische Signifikanz.

Von 819 Patienten, die zwischen EBRT oder EBRT+AS (mit Beginn an Tag 1 der EBRT) randomisiert wurden, wurden 481 mit intermediärem Risiko (nach den Kriterien der International Union Against Cancer), bei denen eine EBRT von 74 (342 Patienten, 71,1 %) oder 78 Gy (139 Patienten, 28,9 %) geplant war, aufgenommen.

Bei einem medianen Follow-up von 12,2 Jahren hatten im EBRT+AS-Arm 92/245 Patienten und im EBRT-Arm 132/236 Patienten EFS-Ereignisse, meist ein PSA-Rezidiv (48,7%) oder Tod (45,1%). EBRT+AS verbesserte das EFS und das DFS (HR 0,53; KI 0,41–0,70; p<0,001 und HR 0,67; KI 0,49–0,90; P=0,008). Nach 10 Jahren betrug das DMFS 79,3% (KI 73,4–84,0) bei EBRT+AS und 72,7% (KI 66,2–78,2) bei EBRT (HR 0,74; KI 0,53–1,02; p=0,065).

Nach 140 Todesfällen (EBRT+AS: 64; EBRT: 76) betrug das 10-Jahres-OS 80,0% (KI 74,1–84,7) bei EBRT+AS und 74,3% (KI 67,8–79,7) bei alleiniger EBRT. Dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant (HR 0,74; KI 0,53–1,04; P=0,082).

(sf/ms)