Long-COVID: Neue Hinweise auf mögliche Ursachen der damit verbundenen Fatigue10. Juli 2026 Foto: Celt Studio/stock.adobe.com Warum empfinden manche Menschen noch lange nach einer COVID-19-Erkrankung starke Erschöpfung? Die Autoren einer bevölkerungsbasierten Beobachtungstudie glauben, einen Grund für die anhaltende Fatigue bei Long-COVID gefunden zu haben. Die Untersuchung von 750 Erwachsenen zeigt, dass ein kleiner Teil der Betroffenen (ca. 2‒3%) eine Kombination aus Selenmangel oder niedrigen Spiegeln des Selen-Transportproteins Selenoprotein P (SELENOP) und zusätzlich Autoantikörpern gegen SELENOP zeigt. Diese Kombinationen waren mit einem etwa doppelt so häufigen Auftreten anhaltender Fatigue verbunden. Die Ergebnisse wurden kürzlich von Forschenden der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Charité Universitätsmedizin Berlin in „Redox Biology“ veröffentlicht. Doppelt so hohe Häufigkeit von Fatigue Rund 22 Monate nach einer laborbestätigten SARS-CoV-2-Infektion berichteten noch 23 Prozent der 750 Studienteilnehmer über anhaltende Erschöpfung. Ein niedriger Selenspiegel oder Autoantikörper allein standen dabei nicht eindeutig mit den Beschwerden in Zusammenhang. Erst das gleichzeitige Auftreten von entweder niedrigen Selenspiegeln oder niedrigen Spiegeln des Selentransportproteins SELENOP zusammen mit dem Nachweis von Antikörpern gegen SELENOP war mit einer doppelt so hohen Häufigkeit von Fatigue assoziiert.„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Zusammenspiel von Selenstoffwechsel und Immunreaktion bei einem Teil der Long-COVID-Fälle eine Rolle spielen könnte“, erklärt Prof. Börge Schmidt vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen. Prof. Mirko Trilling, Leiter des Instituts für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen (HIV-AAD), ergänzt: „Das verbessert unser Verständnis der biologischen Mechanismen hinter anhaltender Erschöpfung im Kontext von Infektionsereignissen.“ Die Autoren betonen, dass es sich zunächst um eine statistische Beobachtung handelt, die derzeit noch keinen ursächlichen Zusammenhang nachweist. Die Ergebnisse liefern ihrer Ansicht nach jedoch wichtige Ansatzpunkte für zukünftige Forschung zu Diagnostik und Behandlung von Long-COVID.
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