LSD lockert Grenzen zwischen Selbst-und Fremdwahrnehmung22. März 2018 Foto: © Sangoiri – Fotolia.com LSD reduziert die Grenze zwischen der Wahrnehmung der eigenen und anderen Personen und wirkt sich dadurch auf die soziale Interaktion aus. Diese Erkenntnis könnte helfen, neue Therapien für psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression zu entwickeln. Bei fast allen psychischen Erkrankungen treten Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Kontakt auf, die den Krankheitsverlauf langfristig negativ beeinflussen. Die damit verbundenen Einschränkungen können mit den heutigen Therapien nur unwesentlich verbessert werden. Ein Grund dafür ist, dass die neurobiologischen Grundlagen und insbesondere die neurochemischen Mechanismen solcher Störungen noch kaum erforscht sind. Ein weiteres Merkmal verschiedener psychischer Erkrankungen ist eine veränderte Selbstwahrnehmung. Psychisch Kranke nehmen dabei das eigene Selbst geschwächt oder überhöht wahr. Inwiefern Veränderungen in der Selbstwahrnehmung mit Veränderungen in der sozialen Interaktion zusammenhängen und welche pharmakologischen Mechanismen bei diesen Prozessen eine Rolle spielen, haben nun Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich untersucht. LSD lässt Grenzen verschwinden „LSD lässt die Grenzen zwischen der eigenen Person und anderen Personen während eines sozialen Austausches verschwimmen“, erklärte Katrin Preller. Zusammen mit Prof. Franz Vollenweider hat sie das Forschungsteam der Gruppe „Neuropsychopharmakologie und Brain Imaging“ geleitet und für die Studie mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie München zusammengearbeitet. Während die Studienteilnehmer im MRT-Scanner lagen, kommunizierten sie durch Augenbewegungen mit einem virtuellen Avatar. Zuvor hatten sie entweder Placebo, LSD oder den Wirkstoff Ketanserin zusammen mit LSD eingenommen. Soziale Interaktion verändert „Dies ermöglichte uns zu zeigen, dass Gehirnregionen, die für die Unterscheidung zwischen der eigenen und anderen Personen wichtig sind, unter LSD weniger aktiv waren“, so Preller. „Und dadurch veränderte sich auch die soziale Interaktion.“ Schließlich konnten die Forscher nachweisen, dass die LSD-bedingten Veränderungen durch Ketanserin blockiert wurden und damit spezifisch auf den Rezeptor Serotonin 2A (5-HT2A-Rezeptor) zurückzuführen sind. Ansätze für neue Medikamente Diese Ergebnisse zeigen nach Absicht der Wissenschaftler, dass Selbstwahrnehmung und sozialen Interaktion eng zusammenhängen. Unterschiedlichen Veränderungen in dieser Beziehung könnten durch eine Störung der Informationsübertragung bedingt sein, die durch 5-HT2A-Rezeptoren vermittelt wird. Dies könnte für die Entwicklung neuer Medikamente von Bedeutung sein. Beispielsweise könnte die Blockade dieses Rezeptors bei Patienten, die an einer inkohärenten Selbstwahrnehmung wie bei einer Schizophrenie leiden, diese Symptome und auch die soziale Interaktion verbessern. Umgekehrt könnte eine Stimulierung dieses Rezeptors Patientenhelfen, die an einem überhöhten Selbst-Fokus leiden wie etwa bei einer Depression.
Mehr erfahren zu: "Menschen mit Down-Syndrom haben ein extrem hohes Alzheimer-Risiko" Menschen mit Down-Syndrom haben ein extrem hohes Alzheimer-Risiko Menschen mit Down-Syndrom haben ein sehr hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Alzheimer zu erkranken. Dennoch ist dieser Zusammenhang in Öffentlichkeit und Medizin noch wenig bekannt. Zum Welt-Down-Syndrom-Tag weist […]
Mehr erfahren zu: "Einsamkeit und soziale Isolation können die kognitiven Fähigkeiten von perimenopausalen Frauen beeinträchtigen" Einsamkeit und soziale Isolation können die kognitiven Fähigkeiten von perimenopausalen Frauen beeinträchtigen Der Zusammenhang zwischen sozialen Kontakten und kognitiven Fähigkeiten ist komplex, insbesondere während der Perimenopause. Eine neue Studie legt nahe, dass Einsamkeit und soziale Isolation nicht nur unabhängig voneinander mit einem […]
Mehr erfahren zu: "Wenn eine OP-Komplikation zur Karrierekrise wird" Wenn eine OP-Komplikation zur Karrierekrise wird Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) sieht den Nachwuchs im Fach durch „Second Victims“-Erfahrungen bedroht – das heißt, wenn Chirurgen nach unerwarteten OP-Komplikationen oder Behandlungsfehlern unter anhaltenden psychischen oder körperlichen […]