Lücken im Kurzzeitgedächtnis können frühe Vorboten einer Demenz sein20. Juni 2022 Foto: © RFBSIP – stock.adobe.com Bei Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis im mittleren Lebensalter könnte es sich um frühe Vorboten einer späteren Demenz handeln. Das haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der Universität Heidelberg sowie dem Krebsregister des Saarlands herausgefunden. Für ältere Menschen gilt als belegt, dass das subjektiv wahrgenommene Nachlassen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses (Subjectiv cognitive decline; SCD) einen Risikofaktor für Demenzerkrankungen darstellt. Forscher unter der Leitung des Epidemiologen Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg sind der Frage auf den Grund gegangen, ob dies auch für Jüngere zutrifft. Mithilfe statistischer Verfahren untersuchten sie in der Altersgruppe der Über-50-Jährigen den Zusammenhang zwischen SCD und dem Risiko, innerhalb von 17 Jahren eine Demenz zu entwickeln. Für ihre Analysen nutzten sie Daten von insgesamt 6190 Teilnehmern, die zwischen 2000 und 2002 im Alter von 50 bis 75 Jahren in die Kohortenstudie ESTHER eingeschlossen worden waren. Dabei hatten die Teilnehmer mithilfe eines Fragebogens Angaben zu den subjektiv wahrgenommenen Fähigkeiten des Kurz- und des Langzeitgedächtnisses gemacht. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Studienteilnehmer, die Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis angaben, gegenüber dem Rest der Gruppe ein bis zu doppelt so hohes Risiko hatten, später eine Demenz zu entwickeln. Am deutlichsten war der Zusammenhang für die sogenannte vaskuläre Demenz. Diese zweithäufigste Demenzform entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn und tritt meist als Folge kleinerer Schlaganfälle auf. Auch für Morbus Alzheimer konnten die Wissenschaftler in den ersten Jahren nach der Untersuchung eine Assoziation mit den Merkschwierigkeiten erkennen. „Subjektiv wahrgenommene Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis können schon bei Menschen ab einem Alter von 50 Jahren auf ein erhöhtes Risiko einer Demenz hinweisen – und das bereits viele Jahre vor der Diagnosestellung“, fasst Brenner die Ergebnisse zusammen. „Unsere Beobachtungen unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger präventiver Maßnahmen zur Vermeidung von Gefäßerkrankungen, die zumindest für einen Teil der Demenzerkrankungen mit verantwortlich sind.“ Bei Probanden, bei denen zusätzlich zu den Kurzzeitgedächtnisstörungen bereits eine Depression aufgetreten war, lag das Risiko einer Demenzdiagnose im höheren Alter noch höher. „Depression und SCD sind unabhängig voneinander mit Demenz assoziiert. Treten beide Faktoren zusammen auf, erhöht sich das Risiko der Betroffenen, später an einer Demenz zu erkranken, noch einmal deutlich“, so Brenner. „Gerade für diese Personen wären deshalb frühzeitige präventive Maßnahmen besonders wichtig.“ Anderes als mit den subjektiv wahrgenommenen Störungen im Kurzzeitgedächtnis verhielt es sich in der Studie mit Problemen des Langzeitgedächtnisses. Hier stellten die Wissenschaftler keinen Zusammenhang mit Demenzerkrankungen fest.
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