Luftschadstoffe erhöhen Risiko schmerzhafter Menstruationen

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Eine neue epidemiologische Studie des Open-Access-Verlags Frontiers zeigt nun erstmals, dass das Risiko, an Dysmenorrhoe zu erkranken, bei Frauen und Mädchen, die langfristig Luftschadstoffen wie Kohlenstoff- und Stickoxiden sowie Feinstaub ausgesetzt sind, um mehr als das 30-Fache steigt.

Die Dysmenorrhoe betrifft zwischen 16-91% der Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alte. Von ihnen haben 2-29% Symptome, die so schwerwiegend sind, dass sie ihre täglichen Aktivitäten einschränken. Forscher des China Medical University Hospital in Taiwan haben nun zum ersten Mal gezeigt, dass eine langfristige Exposition gegenüber Luftschadstoffen wie Stickstoff und Kohlenoxiden sowie Feinstaub das Risiko einer Dysmenorrhoe stark erhöht. Auf der Grundlage von Langzeitdaten zur Luftqualität und öffentlichen Gesundheit aus nationalen Datenbanken zeigen sie, dass das Risiko, über einen Zeitraum von 13 Jahren (2000-2013) an Dysmenorrhoe zu erkranken, bei taiwanesischen Frauen und Mädchen, die in Gebieten mit den höchsten Luftschadstoffwerten lebten, bis zu 33-mal höher war als bei Gleichaltrigen, die niedrigeren Schadstoffwerten ausgesetzt waren.

Eine häufige Erkrankung ohne bekannte Heilung

Dysmenorrhoe kann auf hormonelle Ungleichgewichte oder gynäkologische Grunderkrankungen wie Endometriose, entzündliche Erkrankungen des Beckens, Eileiterschwangerschaft oder Tumoren in der Beckenhöhle zurückzuführen sein. Die Symptome bestehen oft ein Leben lang. Dazu gehören Krämpfe und Schmerzen im Unterbauch, Schmerzen im unteren Rücken und in den Beinen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Ohnmacht, Schwäche, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Neben der Verringerung der Lebensqualität hat Dysmenorrhoe auch erhebliche sozioökonomische Auswirkungen, da Frauen mit Dysmenorrhoe vorübergehend nicht in der Lage sein können, zu arbeiten, zur Schule zu gehen oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Dysmenorrhoe ist nicht heilbar, aber ihre Symptome können mit entzündungshemmenden Medikamenten und hormonellen Kontrazeptiva behandelt werden.

„Die Forschung hat bereits gezeigt, dass Frauen, die während ihrer Periode rauchen oder Alkohol trinken, übergewichtig sind oder ihre erste Periode sehr jung haben, ein höheres Risiko für Dysmenorrhoe haben. Frauen, die noch nie schwanger waren, sind ebenfalls bekanntermaßen einem höheren Risiko ausgesetzt Aber hier zeigen wir erstmals einen weiteren wichtigen Risikofaktor für die Entstehung von Dysmenorrhoe – die Luftqualität, insbesondere die langfristige Belastung durch Schadstoffe. Den zugrunde liegenden Mechanismus kennen wir noch nicht, aber emotionaler Stress bei Frauen, die Luftschadstoffen ausgesetzt sind, oder höhere durchschnittliche Spiegel der hormonähnlichen Prostaglandine in ihrem Körper, könnten ein Teil der Antwort sein”, sagt einer der Autoren, Prof. Chung Y. Hsu vom College of Medicine der China Medical University, Taichung, Taiwan.

Die Autoren unter der Leitung von Prof. Chia-Hung Kao, Direktorin der Abteilung für Nuklearmedizin und des Zentrums für Positronen-Emissions-Tomographie (PET) der China Medical University, untersuchten anonymisierte Gesundheitsmaßnahmen von insgesamt 296.078 Frauen und Mädchen (ca. 1,3 % der Gesamtbevölkerung) zwischen 16 und 55 Jahren. Diese Daten stammen aus Taiwans Longitudinal Health Insurance Database ab 2000 (LHID 2000), einer repräsentativen Teilstichprobe aus Taiwans landesweiter Krankenversicherungsdatenbank.

Die Studienstichprobe umfasste ausschließlich Frauen und Mädchen, bei denen vor dem Jahr 2000 keine Dysmenorrhoe in der Anamnese erfasst wurde. Die Autoren suchten nach einem langfristigen Zusammenhang zwischen dem Dysmenorrhoe-Risiko und der Luftqualität. Dabei ging es insbesondere um die durchschnittlichen Expositionen gegenüber Luftschadstoffe NOx, Stickoxid (NO), Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenmonoxid (CO) und Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 µm (PM2,5). Die Daten bezüglich der Luftschadstoffen erhielten die Studienautoren aus der ‘Taiwan Air Quality Monitoring Database’ (TAQMD) des Amtes für Umweltschutz.

Luftschadstoffe als neuer Risikofaktor

Sie fanden heraus, dass zwischen 2000 und 2013 bei 4,2% der Frauen und Mädchen in der untersuchten Stichprobe zum ersten Mal eine Dysmenorrhoe diagnostiziert wurde. Wie aus früheren Studien zu erwarten war, neigten jüngere Frauen, Frauen mit geringerem Einkommen und die in stärker urbanisierten Gebieten leben, während des Studienzeitraums zu einem höheren Risiko, an Dysmenorrhoe zu erkranken.

Auffallend war jedoch, dass die Hazard Ratio (d.h. das alters- und jahrspezifische Risiko) für die Entwicklung von Dysmenorrhoe bei Frauen und Mädchen aus dem Quartil mit der höchsten jährlichen Exposition im Vergleich zu denjenigen im Quartil mit der niedrigsten Exposition um das 16,7- bis 33,1-Fache gestiegen ist. Die NOx-, NO-, NO2-, CO- und PM2,5-Werte trugen jeweils separat zu dem erhöhten Risiko bei, aber der größte Einzeleffekt war die langfristige Exposition gegenüber hohen PM2,5-Werten.

„Unsere Ergebnisstudie zeigt den großen Einfluss der Luftqualität auf die menschliche Gesundheit im Allgemeinen, hier speziell auf das Risiko von Dysmenorrhoe bei Frauen und Mädchen. Dies ist ein klares Beispiel für die Notwendigkeit von Maßnahmen durch Regierungsbehörden und Bürgern die Umweltverschmutzung in der Luft zu reduzieren”, sagt Hsu.