Luftverschmutzung erhöht das Risiko für Glaukom und Katarakt

Mit steigender Luftverschmutzung steigt auch das Risiko für Glaukom und Katarakt. Das zeigt eine neue Übersichtsarbeit (Symbolbild). Foto: © marog-pixcells-stock.adobe.com

Menschen, die in Gebieten mit höherer Luftverschmutzung leben, erkranken laut einer groß angelegten Studie mit größerer Wahrscheinlichkeit an Glaukom und Katarakt.

Dr. Ahmed Alnabihi vom King Khaled Eye Specialist Hospital and Research Center in Riad (Saudi-Arabien) stellte die Forschungsergebnisse der Studie auf dem 44. Kongress der European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS) vor. „Wir wissen seit Jahren, dass Luftverschmutzung die Lunge und das Herz schädigt. Doch ihre Auswirkungen auf die Augen wurden bisher weitaus weniger untersucht. Die vorhandenen Erkenntnisse waren verstreut und nicht schlüssig. Jeden Tag sehen wir Patienten, die aufgrund von Erkrankungen wie Glaukom und Katarakt ihr Sehvermögen verlieren. Diese Krankheiten werden als altersbedingt bezeichnet, als ob das Altern der einzige Verursacher wäre. Doch das erschien mir immer unvollständig. Wenn ein Umweltfaktor diese Erkrankungen beschleunigt, verändert das unsere Sichtweise und legt nahe, dass wir Maßnahmen ergreifen könnten, um die Risiken zu verringern“, erklärte Alnabihi.

Risiko für Glaukom und Katarakt nimmt mit Grad der Verschmutzung zu

Bei der Studie handelt es sich um eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse. Die Forschenden haben dafür alle vorhandenen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet zusammengetragen und die Daten gebündelt. Dazu gehörten 41 separate Beobachtungsstudien, die auf Daten von Millionen von Menschen in Ostasien und Großbritannien zurückgriffen und einige der weltweit größten Datenbanken zur Augengesundheit umfassten.

Die Wissenschaftler untersuchten die Konzentrationen verschiedener Arten von Luftverschmutzung: Feinstaub (PM₂.₅ und PM₁₀), Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Ozon und Kohlenmonoxid. Sie verglichen diese mit der Anzahl der Menschen, bei denen ein Glaukom, eine Katarakt oder eine altersbedingte Makuladegeneration diagnostiziert wurde.

Dabei zeigte sich: Je höher die Konzentration an Feinstaub (PM₂.₅), desto größer war das Glaukomrisiko. Dabei hatten Menschen in den am stärksten verschmutzten Gebieten im Vergleich zu Bewohnern der am wenigsten belasteten Regionen ein bis zu 70 Prozent höheres Risiko, an einem Glaukom zu erkranken. Zudem waren Personen in stärker verschmutzten Gebieten einem höheren Risiko ausgesetzt, einen Grauen Star zu entwickeln. Dabei nahm das Risiko mit dem Grad der Verschmutzung zu.

Feinstaub verursacht Entzündungen und oxidativen Stress im Körper

„Der deutlichste Befund betraf Feinstaub – die winzigen Partikel in Rauch, Fahrzeugabgasen und Industrieemissionen, die klein genug sind, um tief in den Körper einzudringen. Mit jedem nennenswerten Anstieg der Schadstoffbelastung stieg das Risiko für ein Glaukom um etwa acht Prozent und das für einen Grauen Star um etwa vier Prozent. Die Belege für eine altersbedingte Makuladegeneration waren weniger einheitlich, obwohl einige Studien einen Zusammenhang belegten. Andere Schadstoffe, darunter Stickstoffdioxid und Ozon, zeigten schwächere oder uneinheitlichere Zusammenhänge“ erörterte Alnabihi.

Die Forschenden vermuten, dass der Feinstaub Entzündungen und oxidativen Stress im Körper verursacht. Wodurch bei jahrelanger Belastung diese Effekte den Sehnerv und die Augenlinse schädigen und damit die Entstehung von Glaukom respektive Katarakt begünstigen könnten. Denn das Auge sei schließlich direkt der Umwelt ausgesetzt. Die Augenoberfläche – der Tränenfilm, die Bindehaut und die Hornhaut – habe keine Barriere zur Außenluft. Dadurch ist den Wissenschaftlern zufolge die biologische Plausibilität hier größer als bei einigen anderen Organen.

Studie liefert Belege für strengere Luftqualitätsstandards und Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung

„Diese Ergebnisse untermauern die Argumente für strengere Luftqualitätsstandards und Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung, wie Grünflächen und Verkehrsberuhigung in Städten. Bislang wurden alle wichtigen Maßnahmen zur Luftreinhaltung in erster Linie mit der Herz-Kreislauf- und Lungengesundheit begründet. Unsere Studie bringt ein neues Organsystem in diese Debatte ein. Politiker, die Investitionen in Emissionskontrollen rechtfertigen müssen, haben nun einen weiteren evidenzbasierten Grund dafür – und zwar einen, der unser Sehvermögen betrifft, einen Sinn, dessen Verlust die Menschen besonders fürchten“, fügte Alnabihi abschließend hinzu.

Die Forscher betonen, dass in diesem Bereich weitere Untersuchungen erforderlich sind, darunter Studien zur Augengesundheit in stark verschmutzten Regionen. (sas/BIERMANN)