Lungenentzündung bei Kindern: Nichtregierungsorganisationen schlagen Alarm29. Januar 2020 Foto: © nateejindakum/Adobe Stock Anlässlich des „Global Forum on Childhood Pneumonia“, das derzeit in Barcelona (Spanien) stattfindet, warnen führende Gesundheits- und Kinderorganisationen vor neun Millionen vermeidbaren Todesfällen innerhalb der nächsten zehn Jahre unter Kleinkindern, wenn nicht gehandelt wird. Bei den Instituten und Organisationen, die für die Mitteilung verantwortlich zeichnen, handelt es sich um das Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal), die Organisationen Save the Children, Unicef, Every Breath Counts, die „la Caixa“ Foundation, die Bill & Melinda Gates Foundation, die U.S. Agency for International Development (USAID), die International Drug Purchase Facility Unitaid und Impfallianz Gavi. Den Organisationen zufolge erliegt alle 39 Sekunden weltweit ein Kleinkind der durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelösten Krankheit. Im vergangenen Jahr waren dies 800.000 Mädchen und Jungen unter 5 Jahren. Obwohl einige Arten von Lungenentzündungen mit Impfstoffen vollständig verhindert und bei richtiger Diagnose leicht mit kostengünstigen Antibiotika behandelt werden könnten, seien immer noch Millionen von Kindern ungeimpft, bemängeln die Organisationen in einer Mitteilung. Jedes dritte Kind, das bereits konkrete Symptome aufweise, erhalte außerdem keine medizinische Versorgung. Besonders betroffen seien hier Mädchen und Jungen in den ohnehin schon ärmsten Ländern der Welt. Einer Hochrechnung der Johns Hopkins University zufolge könnten die 8,9 Millionen befürchteten Todesfälle innerhalb der nächsten Dekade schon durch stärkere Maßnahmen zur Minderung von Mangelernährung um 3,9 Millionen reduziert werden, teilen die Organisationen mit. Dabei seien die Bereitstellung von Antibiotika, die Erhöhung der Impfstoffversorgung und Steigerung von Stillraten Schlüsselmaßnahmen, um das Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Ein weiterer Faktor sei der Kampf gegen Luftverschmutzung: 91 Prozent der Weltbevölkerung atme Umgebungsluft, die die Grenzwerte der WHO übersteige. Laut einer Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME-GBD) trage Luftverschmutzung weltweit zu 17,5 Prozent der Todesfälle im Kontext von Lungenentzündungen bei, erklären die Organisationen. Kevin Watkins, Chief Executive von Save the Children UK, betont: „Es wäre moralisch nicht zu rechtfertigen, dass weiterhin Millionen von Kindern aus Mangel an Impfstoffen, erschwinglichen Antibiotika und routinemäßiger Sauerstofftherapie sterben. Die Zahl der Leben, die gerettet werden könnten, ist potenziell sogar noch viel höher. In den Hochrechnungen werden Faktoren wie die Verfügbarkeit von medizinischem Sauerstoff oder Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung, einem wichtigen Risikofaktor für Lungenentzündungen, noch nicht berücksichtigt.“ Henrietta Fore, Exekutivdirektorin von Unicef, ergänzt: „Wenn wir es ernst meinen mit der Rettung von Kinderleben, müssen wir die Lungenentzündung entschieden bekämpfen. Wie der aktuelle Ausbruch des Coronavirus zeigt, erfordert dies eine Verbesserung von Früherkennung und Prävention. Es bedeutet, die richtige Diagnose zu stellen und die richtige Behandlung zu verschreiben. Es bedeutet auch, die Hauptursachen für tödlich verlaufende Lungenentzündungen – dazu gehören Mangelernährung und mangelnden Zugang zu Impfstoffen und Antibiotika – zu bekämpfen und die schwierigere Herausforderung der Luftverschmutzung anzugehen.“ „Die Pneumokokken-Pneumonie ist eine leicht vermeidbare, oft behandelbare Krankheit“, stellt Dr. Seth Berkley, CEO der Impfallianz Gavi, fest. „In den vergangenen zehn Jahren haben mehr Kinder denn je die lebensrettenden Pneumokokken-Impfung erhalten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir diese Bemühungen fortsetzen, um die nächste Generation vor dieser tödlichen Krankheit zu schützen.“ Die Gavi-Geberkonferenz im Juni werde der internationalen Gemeinschaft die Möglichkeit bieten, dabei Unterstützung zu leisten. Lungenentzündungen bei Kindern dürften im Hinblick auf die knappen globalen Forschungsmittel nicht länger vernachlässigt werden, betont Quique Bassat, Professor am ISGlobal und Vorsitzender des Global Forum on Childhood Pneumonia. „Forschung und Innovation müssen einen politischen Wandel vorantreiben und den Weg für eine weitere Senkung der auf Lungenentzündung basierenden Sterberate ebnen“, formuliert der Wissenschaftler. Leith Greenslade, Koordinatorin der Every Breath Counts Coalition ergänzt: „Regierungen und internationale Entwicklungsorganisationen müssen dringend handeln, um die an den stärksten gefährdeten Kindern vor Unterernährung und Luftverschmutzung zu schützen und sicherzustellen, dass sie Impfstoffe gegen Lungenentzündung, eine schnelle Diagnose, kinderfreundliche Antibiotika und Sauerstoff erhalten, wenn sie krank werden.“ Zu den Ankündigungen, die auf dem Forum erwartet werden, gehören ein preiswerterer Impfstoff des Serum Institute of India gegen Lungenentzündungen und politische Zusagen von Regierungen in stark betroffenen Ländern zur Entwicklung von Strategien zur Verringerung der Todesfallrate im Zusammenhang mit Pneumonien.
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