Lungenkrebs: Bereits zugelassene Medikamente könnten gegen Hirnmetastasen erprobt werden

Nichtkleinzelliger Lungenkrebs, der das Bronchialepithel befällt. Bild: © Prof. Kathreena Kurian, University of Bristol

Die bislang größte Überprüfung von Arbeiten zu Lungenkrebs-Hirnmetastasen hat Mutationen charakterisiert. Bereits zugelassene Medikamente könnten klinisch getestet werden, um herauszufinden, ob sie sich für die Behandlung eignen.

Rund 25.000 Patienten im Vereinigten Königreich (UK) leiden an Hirnmetastasen – am häufigsten bei Lungen- und Brustkrebs –, die bei den meisten dieser Patienten zum Tod führen.

Die genetischen Mutationen bei Lungenkrebs-Primärtumoren wurden umfassend untersucht, über die Veränderungen des Krebses nach der Ausbreitung auf das Gehirn ist jedoch weniger bekannt. Das Forscherteam wollte herausfinden, welche genetischen Veränderungen bei Hirnmetastasen bei Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) auftreten und ob es bereits Medikamente gibt, die diesen Patienten möglicherweise angeboten werden könnten.

Daher überprüften die Wissenschaftler 72 Arbeiten zu Mutationen bei der Hirnmetastasierung des NSCLC anhand der Daten zu 2346 Patienten zu Demografie, Raucherstatus, Genomdaten, zugehörigem Primärtumor und PD-L1.

Die Studie ergab, dass die am häufigsten mutierten Gene EGFR, TP53, KRAS, CDKN2A und STK11 waren. Zu den häufigen Missense-Mutationen – Mutationen, die zum Austausch einer einzelnen Aminosäure im vom Gen kodierten Protein führen – gehörten EGFRL858R und KRASG12C.

In bestimmten Fällen unterschieden sich die Mutationen in den Hirnmetastasen vom Primärtumor. Es gab auch Unterschiede in den Mutationen zwischen Rauchern und Patienten, die nie geraucht hatten. Hirnmetastasen von Rauchern und Nichtrauchern wiesen unterschiedliche Missense-Mutationen in TP53 und EGFR auf, mit Ausnahme von L858R und T790M in EGFR, die in beiden Untergruppen beobachtet wurden.

Das Forschungsteam fand heraus, dass sich unter den zehn am häufigsten mutierten Genen, für die Daten zum Primärtumor vorlagen, 37% der spezifischen Mutationen zwischen Primärtumor und Hirnmetastasen unterschieden. Die Forscher schlagen vor, dass von der Regulierungsbehörde bereits zugelassene Medikamente möglicherweise in klinischen Studien zur Behandlung getestet werden könnten.

Die genetische Landschaft der verschiedenen Subtypen des NSCLC ist gut bekannt. TP53- und LRP1B-Mutationen treten bei allen NSCLC-Subtypen auf, bestimmte Subtypen weisen jedoch auch spezifische Veränderungen auf. Das Adenokarzinom der Lunge ist die häufigste Art von Lungenkrebs und zeigt eine höhere Häufigkeit an den somatischen Mutationen KRAS, EGFR, KEAP1, STK11, MET und BRAF– Veränderungen, die sich im Krebsgenom angesammelt haben.

Einige Studien deuten darauf hin, dass sich die Genomlandschaft von NSCLC bei Rauchern und Nichtrauchern unabhängig vom Subtyp unterscheidet. Eine Studie ergab, dass EGFR-Mutationen, ROS1– und ALK-Fusionen bei Nichtrauchern häufiger vorkommen, während KRAS-, TP53-, BRAF-, JAK2-, JAK3– und Mismatch-Repair-Genmutationen bei Rauchern häufiger mutiert waren.

Dr. Kathreen Kurian, Professorin für Neuropathologie und Leiterin des Hirntumor-Forschungszentrums an der University of Bristol, UK, sowie Mitautorin der in „Neuro-Oncology Advances“ veröffentlichte Studie, erklärte: „Unsere Forschung empfiehlt, dass bei allen Patienten die Hirnmetastasen auf Mutationen untersucht werden sollten, zusätzlich zum Primärtumor der Lunge, da sie unterschiedlich ausfallen können. Diese Erkenntnisse könnten das Rückgrat für neue klinische Studien für Patienten mit Hirnmetastasen des NSCLC bilden, bei denen bereits verfügbare Medikamente zum Einsatz kommen.“

Das Team schlägt vor, dass die nächsten Schritte der Forschung darin bestehen könnten, die Sequenzierung des gesamten Genoms bei Hirnmetastasen in Betracht zu ziehen, um nach anderen Arten von Mutationen zu suchen, beispielsweise nach häufigen Insertionen/Deletionen, für die bereits Medikamente verfügbar sind.