Lungenkrebs-Operationen: Auch Hochaltrige können sehr profitieren

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Kürzlich in „The Lancet Regional Health – Americas veröffentlichte Forschungsergebnisse bestätigen, dass sorgfältig ausgewählte ältere Erwachsene mit Lungenkrebs nicht allein aufgrund ihres Alters von einer potenziell kurativen Operation ausgeschlossen werden sollten.

Die Forschenden von der Icahn School of Medicine und vom Mount Sinai Tisch Cancer Center (USA) hatten Operationsergebnisse und die Lebensqualität von Patienten mit Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Frühstadium ausgewertet. Dabei verglichen sie Patienten ab einem Alter von 80 Jahren mit jüngeren.

Sehr gute Langzeitergebnisse sind möglich

„Mit der zunehmenden Alterung unserer Bevölkerung wird bei immer mehr Patienten jenseits des 80. Lebensjahres Lungenkrebs im Frühstadium diagnostiziert. Dennoch wird ihnen eine Operation häufig nicht empfohlen“, verdeutlicht Dr. Raja M. Flores, Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie am Mount Sinai Health System, einer der Leiter der aktuellen Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Patienten, die sorgfältig anhand ihres allgemeinen Gesundheitszustandes und nicht nur ihres Alters ausgewählt werden, eine Operation gut tolerieren und hervorragende Langzeitergebnisse erzielen können.“

Von 884 Patienten in der Studie waren 114 (12,9%) über 80 Jahre alt. Sie wurden mit 770 jüngeren Patienten verglichen und wiesen dabei ähnliche Begleiterkrankungen auf. Bei den älteren Betroffenen wurden aber häufiger sublobäre Resektionen durchgeführt (78,9% vs. 62,4%) und sie zeigten höhere Komplikationsraten (40% vs. 22%). Diese Komplikationen waren vor allem kardiovaskulärer Natur, wie die Studienautoren berichten. Laut den Forschenden wurden Operierte aus der älteren Altersgruppe zudem etwas häufiger auf eine Intensivstation verlegt beziehungsweise re-hospitalisiert.

Die Wissenschaftler berichten außerdem, dass sich in beiden Altersgruppen der körperliche und psychische Gesundheitszustand der Operierten nach zwei Monaten zunächst als verschlechtert darstellte, er sich aber bis zwölf Monate postoperativ verbesserte. Die Autoren betonen, dass signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen dabei nicht festgestellt wurden.

Die Gesamtüberlebensrate und die lungenkrebsspezifische Überlebensrate nach fünf Jahren erwiesen sich bei den über 80-Jährigen und bei den jüngeren Patienten als vergleichbar (Gesamtüberlebensrate: 84,2% vs. 87,3%; lungenkrebsspezifische Überlebensrate: 94,4% vs. 94,5%).

„Menschen als Ganzes behandeln, nicht nur anhand seiner Lebensjahre“

„Unsere Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, alle Patienten anhand ihres allgemeinen Gesundheitszustandes und nicht nur ihres Alters zu beurteilen“, ergänzt Dr. Emanuela Taioli, Direktorin des Institutes für Translationale Epidemiologie an der Icahn School of Medicine. „Wir müssen sicherstellen, dass wirksame Behandlungen allen zur Verfügung stehen, die davon profitieren können. Ältere Erwachsene werden oft bei klinischen Entscheidungen nicht berücksichtigt, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass sie gleichen Zugang zu einer Versorgung haben sollten, die ihre Überlebenschancen und Lebensqualität verbessern kann.“

Mit allgemein steigender Lebenserwartung erhalten immer mehr Menschen jenseits des 80. Lebensjahres die Diagnose Lungenkrebs. Vielen wird jedoch aufgrund ihres Alters keine Operation angeboten. Ein Fehler, meint Flores: „Wir sollten den Menschen als Ganzes behandeln, nicht nur anhand seiner Lebensjahre. Wenn ein Patient stark genug ist, kann eine Operation sein Leben retten.“

„Früherkennung und eine durchdachte Therapie gehören zusammen“, formuliert Prof. Claudia Henschke, Professorin für diagnostische, molekulare und interventionelle Radiologie und Direktorin des Early Lung and Cardiac Action Program (ELCAP) an der Icahn School of Medicine. Auch sie war an der Leitung der aktuellen Studie beteiligt. „Wird Lungenkrebs frühzeitig erkannt, können Patienten – auch solche, die älter sind als 80 Jahre – von Behandlungen profitieren, die eine echte Heilungschance bieten. Diese Studie zeigt, dass wir mit dem richtigen Ansatz sowohl das Leben als auch die Lebensqualität älterer Erwachsener verbessern können. Aufgrund dieser Ergebnisse sollten die Screening-Richtlinien auch Patienten über 80 Jahre einschließen.“