Lungenkrebs und maligne Pleuramesotheliome bei Asbestzement-Arbeitern: Merkliche Steigerung der Erkrankungsrate nach Exposition beobachtet10. Oktober 2023 FERRARA (Biermann) – Nach dem beruflichen Kontakt mit Asbest bzw. Asbestzement haben die Verfasser einer neuen Studie in einer Kohorte von Arbeitern in Italien einen Anstieg der Rate von Lungenkrebserkrankungen und der Gesamtmortalität festgestellt. Es könne hilfreich sein, bei der Risikokommunikation den Schwerpunkt auf vorzeitige Krankheitsausbrüche (Entwicklung und Beschleunigung der Raten) zu legen, schreiben Danila Azzolina von der Università degli Studi di Ferrara (Italien) und Kollegen. Für die aktuellen Arbeit errechneten sie für die von ihnen untersuchte Kohorte den Ratenanstieg für Gesamtmortalität sowie Sterblichkeit im Zusammenhang mit Lungenkrebs und Pleuramesotheliomen nach Kategorien bezüglich der kumulativen Asbestexposition. Die gepoolte Kohorte umfasste 12.578 Personen, die mit Asbestzement arbeiteten. Sie stammten aus 21 Kohorten mit 6626 Todesfällen insgesamt, 858 Todesfällen aufgrund von Lungenkrebs und 394 durch maligne Pleuraneoplasie (MN). Der Ratenanstieg wurde geschätzt, indem ein Weibull-Modell zur kompetitiven Mortalität an das Sterberisiko im Zeitverlauf seit der ersten Exposition (TSFE) angepasst wurde. Die Beschleunigungszeit (AT) wurde bei verschiedenen TSFE-Werten geschätzt. Die höchste kumulative Exposition im Vergleich zur niedrigsten betrug für maligne Pleuraneoplasien 16,9 Jahre (95 %-KI 14,9–19,2) bzw. 33,8 Jahre (95 %-KI 29,8–38,4) bei einer TSFE von 20 bzw. 40 Jahren. Bei Lungenkrebs lag die höchste kumulative Exposition im Vergleich zur niedrigsten bei 13,3 Jahren (95 %-KI 12,0–14,7) bzw. 26,6 Jahren (95 %-KI 23,9–29,4). Was die Gesamtmortalität betrifft, so betrug die AT hier 3,35 Jahre (95 %-KI 2,98–3,71) 20 Jahre nach TSFE und 6,70 Jahre (95 %-KI 5,95–7,41) 40 Jahren nach TSFE. (ac) Autoren: Azzolina D et al.Korrespondenz: [email protected]Studie: Rate advancement measurement for lung cancer and pleural mesothelioma in asbestos-exposed workersQuelle: Thorax 2023;78(8):808-815.doi: 10.1136/thorax-2021-217862