Magenbypass-OP bei Adipositas könnte Darmkrebsrisiko senken16. Juli 2025 Foto: © Kzenon/stock.adobe.com Bei Patienten mit Übergewicht hilft laut einer neuen Studie ein operativer Magenbypass nicht nur dabei das Gewicht langfristig zu reduzieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Operation könnte auch das Darmkrebs-Risiko senken. Die Forscher des Universitätsklinikums Freiburg berichten in der Studie, die im Fachjournal „Science Translational Medicine“ erschienen ist, dass bei Mäusen ein Magenbypass das Risiko für Darmkrebs deutlich verringerte und die Bildung von Metastasen fast vollständig verhinderte. Entscheidend dabei sind dabei die Gallensäuren. Erste Patientendaten bestätigen den Zusammenhang. „Menschen mit Adipositas weisen einen veränderten Gallensäurestoffwechsel auf. Wir konnten im Tiermodell zeigen, dass ein Magenbypass sich auf die Zusammensetzung der Gallensäure auswirkt und damit das Darmkrebs-Risiko senkt“, sagt PD Dr. Rebecca Kesselring vom Universitätsklinikum Freiburg. „Ein Magenbypass könnte also bei gefährdeten Personen das Risiko für Darmkrebs deutlich reduzieren“, erklärt die Medizinerin. Gallensäuren als Schlüsselfaktor Das Forschungsteam um Kesselring verglich drei Gruppen: Mäuse, die mit Magenbypass Gewicht verloren hatten, gewichtsreduzierte Tiere ohne Operation und adipöse Kontrolltiere mit Scheinoperation. Es zeigte sich: Nur der Bypass schützte vor Tumoren. Gleichzeitig entdeckten die Forscher, dass sich die Zusammensetzung der Gallensäure durch die Operation sehr stark verändert hatte. Ein direktes Umleiten der Gallensäure in den unteren Dünndarm hatte denselben Schutzeffekt. Laborversuche mit Tumor-Organoiden belegten den Mechanismus: Bestimmte Gallensäuren beschleunigten die Zellteilung und damit potenziell das Tumorwachstum, während ihr Fehlen das Wachstum bremste. Zur klinischen Einordnung analysierten die Wissenschaftler Blutproben von 41 Patienten mit Darmkrebs und späteren Lebermetastasen. Wer hohe Spiegel primärer Gallensäuren aufwies, entwickelte im Median mehr als ein Jahr früher neue Metastasen als Personen mit niedrigen Werten. Größere Studie geplant „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt, um die steigenden Zahlen von Darmkrebs vor allem bei jungen Patienten zu verstehen und zukünftig Menschen vor Darmkrebs zu schützen“, sagt Prof. Stefan Fichtner-Feigl vom Universitätsklinikum Freiburg. In weiteren Studien will die Arbeitsgruppe Onkoimmunologie von Kesselring prüfen, ob die Zusammensetzung der Gallensäure auch ohne Operation therapeutisch beeinflusst werden kann – etwa durch spezielle Medikamente oder durch kombinierte Eingriffe an Magen und Gallengang. Geplant sind zudem größere Studien, um Gallensäuren als Biomarker für das Metastasierungsrisiko einzusetzen.
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