Mammakarzinom: Zusätzliche Bildgebungsverfahren können Krebs im Frühstadium erkennen

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Bei Frauen mit dichtem Brustgewebe und negativer Mammographie können laut einer aktuellen Studie ergänzende bildgebende Verfahren Krebs im Frühstadium erkennen. Dabei waren MRT und Kontrastmittel-Mammographie dreimal wirksamer als Ultraschall.

Frauen mit extrem dichtem Brustgewebe – etwa 10 Prozent der 50- bis 70-Jährigen in Großbritannien – haben ein vierfach erhöhtes Brustkrebsrisiko als Frauen mit am wenigsten dichten Brustgewebe [doi: 10.1016/j.breast.2022.09.007]. Dichtes Brustgewebe bedeutet, dass der Anteil von Drüsen- und Bindegewebe in der Brust im Vergleich zum Fettgewebe hoch ist.

In Deutschland wird allen Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Mammographie angeboten. Nach einer Mammographie empfehlen ärztliche Leitlinien in Deutschland bei Frauen mit dichtem Brustgewebe eine ergänzende Ultraschalluntersuchung [I]. Die Evidenz sei hier aber begrenzt, heißt es. Eine Reduktion der Sterblichkeit sei nicht belegt und in der Früherkennung sei der Ultraschall mit einer höheren Rate an Biopsien verbunden. Dennoch zeige er aktuell die beste Balance zwischen Nutzen und Risiko.

Mammographien sind bei dichtem Brustgewebe weniger effektiv zur Früherkennung von Krebs, da das Gewebe Tumore auf Röntgenbildern der Brust verdecken kann. Frühere Studien haben gezeigt, dass MRT und Ultraschall wirksame ergänzende bildgebende Verfahren sind. Die neue randomisierte kontrollierte Phase-3-Studie vergleicht sie jedoch erstmals mit der Kontrastmittel-Mammographie bei Frauen mit normalem Mammogramm und dichtem Brustgewebe. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Weitere Forschung erforderlich

Über 9.000 Frauen in Großbritannien mit dichtem Brustgewebe und negativem Mammogramm wurden nach dem Zufallsprinzip einer von drei verschiedenen ergänzenden Techniken zugeteilt. Die Krebserkennungsrate für die bildgebenden Verfahren lag bei 1,7 Prozent (für ein schnelles MRT) und 1,9 Prozent (für die Kontrastmittel-Mammographie), während die Krebserkennungsrate in der Ultraschallgruppe bei 0,4 Prozent lag.

Die Autoren betonen, dass diese Studie zwar zeige, dass die Scans zusätzliche kleine Karzinome erkennen können, weitere Forschung jedoch erforderlich sei, um zu bestätigen, ob sie die Zahl der Brustkrebs-Todesfälle reduzieren, um das Risiko einer Überdiagnose zu ermitteln und das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Implementierung einer ergänzenden Bildgebungsstrategie für das Brustkrebs-Screening abschätzen zu können.

Die leitende Autorin Prof. Fiona Gilbert von der Universität Cambridge (UK) kommentiert: „Neben ihrer Relevanz für das britische Brustkrebs-Screening-Programm hat diese Studie auch globale Auswirkungen auf alle Länder, in denen Screenings für Frauen mit dichtem Brustgewebe durchgeführt werden.“