„Management zu jeder Zeit korrekt“: DGHO kommentiert COVID-19-Fälle im UKE22. April 2020 Das Hauptgebäude O10 des UKE. (Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf/UKE) In den vergangenen Tagen wurde viel über die Versorgung von Patienten mit onkologischen Erkrankungen, die sich mit COVID-19 infiziert haben, diskutiert. Auslöser war eine, wie die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie betont, „verkürzte mediale Darstellung über eine Häufung infizierter Patienten“ im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg. Vor vier Wochen sei im UKE bei zwei Patienten mit neudiagnostizierter akuter Leukämie auch eine akute COVID-19-Infektion festgestellt worden, erklärt die DGHO. Umgebungsuntersuchungen der Krankenhaushygiene bei den Patienten sowie beim Personal hätten zunächst wenig positive Befunde ergeben. Im Laufe der Folgewochen seien dann weitere PatientInnen mit onkologischen Erkrankungen positiv auf COVID-19 getestet worden. „Infektionsketten sind hochkomplex und werden kontinuierlich nachvollzogen. Gemeinsam mit der Klinikhygiene wurde ein regelmäßiges und kontinuierliches Monitoring aller Patienten sowie Mitarbeiter aller Berufsgruppen in der Onkologie veranlasst. Dieses Vorgehen deckte im gesamten Zeitraum weitere COVID-19-Infektionen auf, zum Teil auch bei asymptomatischen Patienten“, unterstreicht die DGHO in einer aktuellen Stellungnahme. Dies sei bei der SARS-CoV-2-Infektion zu erwarten. Die Fachgesellschaft betont auch, dass die behördlichen Meldungen und die Quarantänisierung aller Betroffenen nach den gesetzlichen Vorgaben erfolgt sei. „Die betroffenen PatientInnen wurden zur optimalen Versorgung beider Erkrankungen zunächst auf die Intensivstation, dann auf eine speziell eingerichtete COVID-19 Hämatologie-Onkologie-Station verlegt“, heißt es in der DGHO-Stellungnahme weiter. Die Betreuung der COVID-19-positiven onkologischen Patienten sei durch nur ein ärztliches, nur dort agierendes Team realisiert worden. „Unsere Erfahrungen am UKE bestätigen die Notwendigkeit eines sorgfältigen Monitorings stationärer Patientinnen und Patienten auf SARS-CoV-2. Sie zeigen auch, dass und wie das Management von COVID-19 in die optimale Versorgung der malignen Grundkrankheit integriert werden kann und muss“, so Prof. Carsten Bokemeyer, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Abteilung Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Ähnliche Erfahrungen seien auch bereits in anderen Kliniken gemacht worden, ergänzt Prof. Hermann Einsele, Vorsitzender der DGHO und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. „Grundsätzlich muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der SARS-CoV-2-positiven Patientinnen und Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen in den nächsten Monaten steigen und die in der Behandlung Tätigen vor immer größere Herausforderungen stellen wird.“ Prof. Dr. Lorenz Trümper, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, kommentiert: „Wir haben in den letzten Wochen intensive Gespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg geführt und sind davon überzeugt, dass der Umgang mit dem Infektionsgeschehen professionell und das Management jederzeit korrekt waren. Darüber hinaus wurde stets entsprechend dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens gehandelt. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass Patientinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankungen trotz einer SARS-COV-2-Infektion die notwendigen Therapien erhielten und somit ihre Heilungschancen gewahrt blieben.“ In diesem Zusammenhang verweist Trümper auf die von der DGHO erarbeitete und kontinuierlich aktualisierte Onkopedia-Leitlinie Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. Ein solcher COVID-19-Ausbruch könne – trotz intensiver Testung von Patienen sowie Mitarbeitern – in allen Kliniken stattfinden. „Trotz aller Bemühungen sind Infektionen in Kliniken und Ambulanzen möglich, leider sogar zu erwarten. Klar ist, dass alle Patientinnen und Patienten die notwendigen Krebstherapien erhalten müssen. Darüber hinaus muss es unser Ziel sein, in den nächsten Monaten dieses neue Infektionsgeschehen in die gängigen Abläufe der Krebstherapie zu integrieren“, so Trümper. „Die Bemühungen der Hamburger Kollegen sind allen Onkologinnen und Onkologen in Deutschland ein Ansporn, ihre Patientinnen und Patienten weiterhin bestmöglich zu versorgen. Unsere Patientinnen und Patienten können sicher sein, dass ihnen wie zuvor sofort und effektiv geholfen werden wird.“
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