Mandeloperationen: Wie aussagekräftig ist die Zahl der Entzündungen?19. Oktober 2026 Foto: Maria Sbytova/stock.adobe.com Wie oft müssen sich die Gaumenmandeln entzünden, bevor eine Mandeloperation sinnvoll ist? Ersten Daten der TOTO-Studie zufolge spielt die Zahl der Entzündungen keine so große Rolle wie gedacht. Mit Blick auf Mandeloperationen spielt die Zahl der Entzündungsepisoden spielt bei der Entscheidung bislang eine wesentliche Rolle. Erste Auswertungen der bundesweiten TOTO-Studie deuten jedoch darauf hin, dass die Häufigkeit der Beschwerden nur wenig über die Lebensqualität der Betroffenen aussagt. Prof. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Jena, stellt die bisherigen Erkenntnisse auf der 59. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte in Mannheim vor. Mandeloperationen: Zwei Verfahren im Vergleich Die Tonsillektomie ist bei wiederkehrenden akuten Mandelentzündungen ein etabliertes Behandlungsverfahren. Als Alternative kommt die Tonsillotomie infrage. Ob die Teilentfernung bei dieser Indikation langfristig ebenso wirksam ist wie die vollständige Entfernung, ist bislang nicht ausreichend geklärt. Genau diese Frage untersucht die TOTO-Studie. Durchgeführt wird sie unter Federführung des Universitätsklinikums Jena gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) und dem Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO). In der Studie werden Patientinnen und Patienten ab drei Jahren mit wiederkehrenden akuten Mandelentzündungen nach dem Zufallsprinzip einer Tonsillotomie oder einer Tonsillektomie zugeteilt. Untersucht wird, ob die Teilentfernung im Hinblick auf erneut auftretende Beschwerden innerhalb von zwei Jahren der vollständigen Entfernung nicht unterlegen ist. Daneben werden unter anderem Fehlzeiten, Schmerzmittel- und Antibiotikabedarf, Komplikationen und Lebensqualität erfasst. Die Nachbeobachtung läuft nach Angaben der Studienleitung noch bis 2027. Die Hauptergebnisse sollen Ende 2027 veröffentlicht werden. Erste Erkenntnisse aus den Ausgangsdaten zur Zahl der Entzündungen Bereits die Ausgangsdaten liefern Hinweise für die künftige Indikationsstellung. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 24 Jahre alt, rund zwei Drittel waren weiblich. Besonders bemerkenswert ist nach Angaben von Guntinas-Lichius, dass die Zahl jährlicher Halsschmerzepisoden nur einen geringen Zusammenhang mit der Lebensqualität zeigte. Dies ist von Bedeutung, weil bei der Operationsentscheidung bislang die Zahl ärztlich dokumentierter Entzündungen eine wichtige Rolle spielt. „Wir brauchen Forschung zu objektivierenden Biomarkern für die Entscheidungsfindung für oder gegen eine Operation. Das Zählen von Tonsillitis-Episoden ist zu ungenau, um zu entscheiden, ob ein Patient von einer Tonsillen-Chirurgie profitiert“, erklärt Guntinas-Lichius. Auch zwischen jüngeren und älteren Teilnehmenden zeigten sich den bisherigen Angaben zufolge kaum Unterschiede bei Beschwerden und Lebensqualität. Ob die beiden Operationstechniken langfristig gleichwertige Ergebnisse erzielen, kann erst nach Abschluss der Studie beurteilt werden. Gemeinsame Forschung für die HNO-Versorgung Die TOTO-Studie zeigt zugleich, dass sich große randomisierte chirurgische Studien durch die Zusammenarbeit von universitärer Forschung, wissenschaftlicher Fachgesellschaft und Berufsverband realisieren lassen. „Schon jetzt kann man sagen, dass BVHNO und DGHNO-KHC gemeinsam in der Lage sind, erfolgreich derart große chirurgische randomisierte Studien durchzuführen“, betont Guntinas-Lichius.
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