Mangelernährung und Mikronährstoffdefizite bei CED: Neu diagnostizierte Patienten mit hohem Risiko für Unterernährung

NEW YORK (Biermann) – CED-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung. Nun bestimmten US-amerikanische Forscher in einer Studie die Prävalenz von Mangelernährung und Mikronährstoffdefiziten bei kürzlich diagnostizierten CED-Patienten. Auch untersuchten sie die Effizienz verschiedener Screening-Methoden hinsichtlich der Identifizierung von CED-Patienten mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung.

An der retrospektiven Kohortenstudie nahmen erwachsenen Patienten mit kürzlich diagnostizierter CED (≤18 Monate Krankheitsdauer) teil. Die Diagnose einer Mangelernährung erfolgte anhand der Kriterien der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN). Weiterhin bestimmten die Forschenden die Mikronährstoffwerte im Serum. Außerdem ana­lysierten sie die Sensitivität von 5 Screening-Methoden für Mangel­ernährung bzgl. der Identifizierung von Patienten mit einem mäßig hohen Risiko für Unterernährung (basierend auf der ESPEN-Mangel­ernährungsdefinition).

Die Prüfärzte bezogen insgesamt 182 Patienten in die Analyse ein, 65 (36 %) von ihnen erfüllten die Kriterien für eine Unterernährung. Bei insgesamt 135 (74 %) Patienten erfolgte die Prüfung für ≥1 Mikronährstoffwert und 105 (78 %) wiesen dabei ≥1 Mangel auf.

Bei Patienten mit früheren Operationen (OR 4,5; p=0,004), aktivem Morbus Crohn (OR 2,8; p=0,03) und Diarrhoe (OR 2,1; p=0,02) war die Wahrscheinlichkeit einer Mangel­ernährung signifikant höher. Das Malnutrition-Universal-Screening-Tool und das Saskatchewan-CED-Nutrition-Risk-Tool zeigten die höchste Sensitivität (100 %) bei der Prognose eines moderaten hohen Risikos für Unterernährung.

Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass bei Patienten mit kürzlich diagnostizierter CED eine hohe Prävalenz für Mangelernährung und Mikronährstoffdefizite besteht. Die Forschenden ermittelten zudem 2 Methoden mit 100 %iger Sensitivität zur Identifizierung von Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Mangelernährung. Zukünftige Studien sowie die Entwicklung weiterer Screening-Systeme seien dennoch notwendig, um alle Personen mit einem Unterernährungsrisiko zu erfassen, sodass eine Überweisung zu einer Ernährungsuntersuchung erleichtert und krankheitsbedingte Komplikationen frühzeitig verhindert werden können. (je)

Autoren: Gold SL et al.
Korrespondenz: Dr. Stephanie Gold; [email protected]
Studie: High Prevalence of Malnutrition and Micronutrient Deficiencies in Patients With Inflammatory Bowel Disease Early in Disease Course
Quelle: Inflamm Bowel Dis 2023;29(3):423–429.
doi: 10.1093/ibd/izac102