MB-Barometer: Ärztliche Weiterbildung leidet unter Personal- und Zeitmangel11. November 2021 Nur ein gutes Drittel der befragten Ärzte in Weiterbildung war der Meinung, dass die geforderten Weiterbildungsinhalte in der klinischen Praxis ausreichend vermittelt würden. Quelle: MB Barometer/Marburger Bund – Bundesverband Junge Ärztinnen und Ärzte vermissen laut einer Online-Befragung des Marburger Bundes “Struktur und Feedback” in ihrer Weiterbildung zum Facharzt. Junge Ärztinnen und Ärzte wünschen sich ausreichend Zeit für ihre Weiterbildung zum Facharzt, mehr Strukturierung und eine bessere Möglichkeit zur Rotation. Die Realität aber, so resümiert der Marburger Bund (MB) – Bundesverband, sehe häufig anders aus: Durch den gravierenden Personalmangel in vielen Kliniken würden Pläne häufig nicht eingehalten und die geforderten Weiterbildungsinhalte während der alltäglichen klinischen Arbeit nicht ausreichend vermittelt. An der Online-Befragung des MB nahmen im September und Oktober 3238 Ärztinnen und Ärzte teil, die sich in ihrer Weiterbildung zum Facharzt befinden.Vereinbarkeit von Beruf und Familie Bei den Rahmenbedingungen, die einer guten Weiterbildung im Wege stehen, nennen 84 Prozent der befragten Mitglieder den Personalmangel an erster Stelle. An zweiter Stelle stehen starre Einsatz- und Rotationspläne (38%) und an dritter Stelle unzureichende Kinderbetreuung (19%). Die Arbeitgeber sind demnach insgesamt zu wenig bemüht, den Wünschen nach familienfreundlichen Arbeitsbedingungen Rechnung zu tragen. Nur 20 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördere. Knapp 21 Prozent erklären: „Wir haben einen Kompromiss für meine persönliche Situation gefunden.“ Mehr Flexibilität ihres Arbeitgebers wünschen sich 39 Prozent und weitere 20 Prozent bekommen in dieser Hinsicht gar keine Unterstützung durch den Arbeitgeber.Große Mehrheit unzufriedenNur 15 Prozent der Ärztinnen und Ärzte geben laut MB-Barometer an, dass ihnen ein strukturierter Weiterbildungsplan ausgehändigt wurde. Ein regelmäßiges Feedback durch den Weiterbilder erhält nur jeder Zehnte, 45 Prozent wenigstens einmal im Jahr, weitere 45 Prozent aber gar nicht. „Sehr zufrieden“ mit ihrer Weiterbildung sind nur fünf Prozent der Befragten, „zufrieden“ sind immerhin ein Drittel (33%), die große Mehrheit ist aber „weniger zufrieden“ (43%) oder „nicht zufrieden“ (19%).Personalmangel drängt Weiterbildung ins Abseits„Aus den Ergebnissen der Umfrage wird überdeutlich: Es fehlt an Zeit für die Weiterbildung, auch an Struktur und notwendigem Feedback. Wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist, gerät die Weiterbildung ins Abseits. Das ist ein eklatanter Befund dieser Umfrage und muss endlich auch die Politik auf den Plan rufen. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die ausreichend Zeit für Anleitung, Supervision und Gespräche lassen. Die Corona-Krise hat zusätzliche Schwachstellen klar markiert: Sobald ungewöhnliche Umstände eintreten, sind Pläne häufig Makulatur“, kommentierte MB-Vorsitzende Dr. Susanne Johna die Ergebnisse der Umfrage.Train the TrainerDie Vorsitzende des Sprecherrates der sich weiterbildenden Ärztinnen und Ärzte im MB, Dr. Annette Luther, bezeichnete es als schockierend, dass nahezu 60 Prozent der Befragten angeben, in ihrer Weiterbildung nicht ausreichend gefördert zu werden. „Wir brauchen in Deutschland dringend eine gelebte Weiterbildungskultur. Die Facharztweiterbildung darf nicht nur als lästiges Pflichtprogramm gesehen werden, sondern es muss Raum und Zeit für Anleitung sowie Feedback geben. Hierfür sollten Weiterbilderinnen und Weiterbilder durch Train-the-Trainer-Seminare geschult werden.“Trend zur Anstellung hält weiter anDie Befragung macht auch deutlich, so der MB weiter, dass der Trend zur Anstellung in ambulanten Einrichtungen kein vorübergehendes Phänomen ist: 41 Prozent der Ärztinnen und Ärzte wollen nach ihrer Facharztprüfung in den ambulanten Bereich wechseln. Gut die Hälfte (51%) will weiterhin im Krankenhaus bleiben. Nur vier Prozent denken darüber nach, im nichtkurativen Bereich tätig zu werden.
Mehr erfahren zu: "Digitalisierungspläne: BVA kritisiert Referentenentwurf des GeDIG" Digitalisierungspläne: BVA kritisiert Referentenentwurf des GeDIG Im Hinblick auf den Referentenentwurf des Gesetzes für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) warnt der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) vor Untergrabung der Autonomie der Ärzte.
Mehr erfahren zu: "Boehringer Ingelheim stoppt Investitionen in Deutschland" Boehringer Ingelheim stoppt Investitionen in Deutschland 900 Millionen Euro, die eigentlich für hiesige Standorte des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim vorgesehen waren, werden nun in anderen Weltregionen investiert. Der Unternehmenschef wählt klare Worte.
Mehr erfahren zu: "KI: Neuer Trainingsansatz stärkt künstliche Sehsysteme" KI: Neuer Trainingsansatz stärkt künstliche Sehsysteme Künstliche Intelligenz (KI) wird immer größer, datenhungriger und rechenintensiver. Doch eine neue Studie der Universität Osnabrück zeigt: Für robustes Sehen ist größer nicht immer besser. Entscheidend kann vielmehr sein, wie […]