Mechanische Beatmung: Reduzierte Sauerstoffsättigung beeinflusst die Überlebenschancen kritisch Kranker nicht

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Die Reduzierung der zusätzlichen Sauerstoffzufuhr für Intensivpatienten bringt laut einer neuen Studie keine eindeutigen und offensichtlichen gesundheitlichen Vorteile mit sich – beeinträchtigt aber auch nicht ihre Überlebenschancen.

Viele intensivstationäre Patienten benötigen eine mechanische Beatmung. Es gibt jedoch keine ausreichenden Belege für die richtige Sauerstoffdosierung. Sowohl eine Unter- als auch eine Überversorgung können – anstatt der erwünschten Vorteile zu erbringen – sogar Schaden zufügen.

Dies veranlasste britische Forscher dazu, UK-ROX ins Leben zu rufen. Mit 16.500 Patienten aus fast 100 Intensivstationen britischer Krankenhäuser handelt es sich ihren Angaben zufolge um die bislang größte klinische Studie zur Sauerstoffversorgung auf britischen Intensivstationen. Geleitet wurde die vom National Institute for Health and Care Research (NIHR) finanzierte Studie von Daniel Martin, Professor für perioperative und intensivmedizinische Behandlung an der Peninsula Medical School der Universität Plymouth, und Paul Mouncey, Co-Direkt des Intensive Care National Audit & Research Centre (ICNARC), Großbritannien. Die beiden präsentierten die Ergebnisse der UK-ROX-Studie auf dem Critical Care Reviews Meeting 2025 in Belfast, Nordirland.

Keine Unterschiede zwischen reduzierter und Standard-Sauerstoffzufuhr

Die UK-ROX-Forschungsgruppe wollte ermitteln, ob eine Strategie der konservativen Sauerstofftherapie – bei der eine Reduzierung der Sauerstoffzufuhr durch Verwendung eines reduzierten peripheren Sauerstoffsättigungszielwerts (SpO2) von 90 Prozent (Bereich 88–92) angestrebt wird – die 90-Tage-Mortalität bei Intensivpatienten senken würde. Als Vergleichsgruppe dienten Patienten, die eine herkömmliche Sauerstofftherapie nach Ermessen des behandelnden Arztes erhielten.

Die Ergebnisse – veröffentlicht im Fachmagazin „JAMA“ – zeigten, dass es keinen statistisch signifikanten Unterschied bei den Patientenergebnissen gab: 35,4 Prozent der Patienten, die eine konservative Sauerstofftherapie erhielten, starben innerhalb von 90 Tagen nach ihrer Aufnahme, verglichen mit 34,9 Prozent der Patienten mit üblicher Sauerstofftherapie.

Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation und im Akutkrankenhaus bei den Überlebenden, die Anzahl der Tage, an denen sie nach 30 Tagen ohne Organunterstützung lebten, sowie die Mortalität zu anderen Zeitpunkten. Auch diese unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.

Kein „One-size-fits-all“-Vorgehen

In der Studie schreiben die Forscher, ihre Ergebnisse würden nicht für den konservativen Ansatz sprechen. Zwar sind sie der Meinung, dass es sicher ist, den Sauerstoffgehalt bei Intensivpatienten niedriger zu halten, dies sei jedoch nicht unbedingt besser für deren Überlebenschancen, heißt es in einer Mitteilung der Universität Plymouth zur Studie. Auf der Grundlage der spezifischen medizinischen Bedingungen einer Person müssten daher personalisiertere Therapien entwickelt und evaluiert werden.

Daniel Martin, Co-Leiter der UK-ROX-Studie, resümiert: „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine Reduzierung der zusätzlichen Sauerstoffzufuhr insgesamt weder einen Nutzen noch einen Schaden für die Patienten hat, aber das bedeutet nicht, dass sie für Intensivpatienten nicht wichtig ist. Im Gegenteil, es bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um zu bestimmen, wie viel Sauerstoff ein einzelner Patient benötigt, und ihm diesen präzise zuzuführen, wenn wir die Behandlungsergebnisse verbessern wollen.“

Laut Mitautor Prof. Mike Grocott, Direktor des NIHR Southampton Biomedical Research Centre, verdeutlicht die Studie die Sicherheit der Verabreichung niedrigerer Sauerstoffkonzentrationen an kritisch kranke Patienten. „Das Verständnis, wie die Sauerstofftherapie individualisiert werden kann, wird der nächste Schritt zur Verbesserung der Patientenversorgung sein.“