Mechanische Kreislaufunterstützung: Besseres Überleben in Kliniken mit hohen Fallzahlen11. September 2025 Die Überlebenschancen bei kardiogenem Schock und mechanischer Kreislaufunterstützung (hier abgebildet die extrakorporale Membranoxygenierung) steigen in Kliniken mit hohen Fallzahlen. (Symbolfoto: ©Michelle/stock.adobe.com) Die Implantation eines Systems zur mechanischen Kreislaufunterstützung ist äußerst komplex. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Qualität des Eingriffs mit zunehmendem Behandlungsvolumen der Klinik steigt. „Practice makes perfect“, kommentiert die DGK – und fordert die konsequente Einführung von Mindestmengen. Qualität durch Erfahrung: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Mindestmengenregelung in der stationären Versorgung weiterentwickelt, um die Qualität komplexer Eingriffe nachhaltig zu sichern. Die Vorgaben basieren auf wissenschaftlicher Evidenz, wie auch eine aktuelle Studie zum Einsatz mechanischer Kreislaufunterstützung (MCS) bei Betroffenen in Deutschland mit kardiogenem Schock (CS) jetzt nachweist. Bessere Überlebenschancen in volumenstarken Zentren Die retrospektive Kohortenstudie wurde auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in Madrid (Spanien) vorgestellt. Sie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Behandlungsvolumen von Krankenhäusern und der Mortalität von Patienten mit kardiogenem Schock – mit oder ohne mechanische Kreislaufunterstützung. In die Analyse eingeschlossen wurden 220.223 Patienten aus 1232 deutschen Kliniken im Zeitraum von 2017 bis 2021. Die Studie basiert auf bundesweiten Abrechnungsdaten (DRG-Daten) vom Statistischen Bundesamt (Destatis). Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, ob spezialisierte, volumenstarke Zentren bessere Überlebensraten erzielen. Das konnte nach Ansicht der DGK durch die Untersuchung klar bestätigt werden. Beim Analysieren der Studiendaten zeigt sich: Patienten mit CS haben bessere Überlebenschancen, wenn sie in Kliniken mit hoher Fallzahl behandelt werden. Das Mortalitätsrisiko war signifikant niedriger in Kliniken mit höheren CS- und MCS-Fallzahlen (oberes vs. untere beide Terzile): CS: HR 0,92; 95%-KI 0,91–0,94; p<0,001 MCS: HR 0,80; 95%-KI 0,76–0,84; p<0,001. „Unsere Analysen zeigen, dass rund 450 Krankenhäuser in Deutschland Systeme zur MCS einsetzen. 90 Prozent von ihnen führen jedoch weniger als 25 Eingriffe pro Jahr durch, trotz des klaren Zusammenhangs mit einer schlechteren Prognose für unsere Patientinnen und Patienten. Wir müssen eine Diskussion über strukturelle Voraussetzungen und zur Qualitätssicherung durch Mindestmengen führen“, erklärt PD Dr. Benedikt Schrage, Autor der Studie und Oberarzt am Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE in Hamburg. Die Autoren empfehlen basierend auf den Forschungsergebnissen nachdrücklich eine Zentralisierung der Versorgung auf spezialisierte Zentren mit mindestens 90 CS-Fällen bzw. 25 MCS-Fällen jährlich. DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg ergänzt: „Der Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Überlebenswahrscheinlichkeit ist international und auch national in einigen Bereichen gut belegt. Die vorliegende Arbeit fügt sich hier nahtlos ein. Mindestmengen bündeln Erfahrungen, stärken die Qualität und erhöhen vermutlich die Überlebenschancen der Patientinnen und Patienten in einigen Bereichen spür- und messbar.“ Mindestmengen stärken Zentren, senken Komplikationen – und entlasten das System Durch das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, bestimmte Krankenhausleistungen in Leistungsgruppen zu unterteilen. Nur Krankenhäuser, die dafür konkrete Qualitätsvorgaben erfüllen – etwa personelle Ausstattung oder bestimmte technische Voraussetzungen – dürfen diese Leistung anbieten. Damit soll die Versorgung konzentriert und auf spezialisierte Zentren in der Region gebündelt werden. Das primäre Ziel dahinter ist es, die Versorgungsqualität deutlich zu steigern und die Krankenhauslandschaft gezielter zu strukturieren. Aus gesundheitspolitischer Sicht ist die Einführung von Mindestmengen per se nicht nur ein Instrument der Qualitätssicherung, sondern auch ein Mittel zur Steuerung der knappen Ressourcen im Gesundheitswesen. Angesichts steigender Kosten, zunehmender Personalengpässe und demografischen Herausforderungen wird es nach Ansicht der DGK hier immer wichtiger, hochspezialisierte Leistungen in erfahrenen Zentren zu bündeln. „Hochkomplexe Therapien wie beispielsweise die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) erfordern erhebliche personelle und technische Ressourcen. Bei geringer Fallzahl führen sie häufig zu ineffizientem Ressourceneinsatz ohne nachweislichen Qualitätsgewinn. Die konsequente Einführung von Mindestmengen trägt zur Konzentration dieser Leistungen in spezialisierten Zentren bei, verbessert dadurch auch die Wirtschaftlichkeit, reduziert Komplikationen und entlastet letztlich auch die Solidargemeinschaft“, betont Blankenberg. Aktueller Stand der Mindestmengenregelung in Deutschland Der gemeinsame Bundesausschuss legt in Deutschland verbindliche Mindestfallzahlen für planbare und hochkomplexe Krankenhausleistungen fest, um sowohl die Versorgungsqualität als auch die Sicherheit von Patientinnen und Patienten zu erhöhen. Dies betrifft unter anderem Transplantationen, onkologische Operationen, Frühgeborenenversorgung sowie ab 2026 auch Herztransplantationen, für die mindestens zehn Eingriffe pro Jahr nachgewiesen werden müssen. Die Regelungen zu Mindestmengen werden fortlaufend aktualisiert und basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen im Zusammenhang mit Fallzahlen und Ergebnisqualität. „Uns ist bewusst, dass diese Thematik mit vielen Bedenken innerhalb der Gesellschaft behaftet ist und auch in der Ärzteschaft kontrovers diskutiert wird“, meint Blankenberg. „Wir müssen allerdings dafür Sorge tragen, diesen Wandel durch unsere Expertise mitzugestalten, um nicht selbst gestaltet zu werden.“ Die DGK begleite die Entwicklung daher inhaltlich sehr sorgfältig, betont der DGK-Präsident. Dies erfolge vor allem durch interdisziplinär besetzte Kompetenzgruppen, die Eingriffe unterschiedlicher Komplexität im Rahmen der Qualitätsoffensive bewerten und entsprechende Handlungsvorschläge erarbeiten.
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