Brustkrebs: Medikament lindert vasomotorische Symptome unabhängig von der Hormontherapie

Elinzanetant lindert vasomotorische Symptome bei Patientinnen mit Brustkrebs unabhängig von der Art der erhaltenen Hormontherapie. (Symbolbild: © Thinapob/stock.adobe.com)

Eine neue Datenanalyse der klinischen Studie OASIS 4 belegt, dass das Medikament Elinzanetant vasomotorische Symptome bei Patientinnen mit Brustkrebs unabhängig von der Art der erhaltenen Hormontherapie anhaltend lindert.

Prof. Fatima Cardoso, Leiterin der Abteilung für klinische Studien, wissenschaftliche Angelegenheiten und internationale Entwicklung in der Brustonkologie am Centre Antoine Lacassagne in Nizza, Frankreich und Präsidentin der Advanced Breast Cancer (ABC) Global Alliance, präsentierte die Ergebnisse erstmals auf der 15. Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC15) in Barcelona.

Anhaltende Wirkung unabhängig von der Hormontherapie

„Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs werden üblicherweise mit Medikamenten behandelt, die die Wirkung von Östrogen blockieren, wie beispielsweise Tamoxifen oder Aromatasehemmer. Bei Frauen vor den Wechseljahren werden Goserelin und Leuprorelin eingesetzt, die die Östrogenproduktion in den Eierstöcken hemmen“, erklärte sie. „Diese Medikamente verursachen jedoch häufig vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Nachtschweiß, die stärker ausgeprägt sein können als die Beschwerden in den natürlichen Wechseljahren. Brustkrebspatientinnen sollten daher in der Regel keine Hormonersatztherapie zur Linderung dieser Symptome anwenden, da dies die Wirkung der Krebsbehandlung beeinträchtigen könnte.“

Elinzanetant ist ein nicht-hormonelles Medikament, das durch die Blockierung des Proteins Neurokinin wirkt. Neurokinin spielt eine Rolle bei der Auslösung von Hitzewallungen und anderen Wechseljahresbeschwerden. Durch die Hemmung dieses Proteins reduziert Elinzanetant die Häufigkeit und Schwere dieser Symptome. Die Behandlung vasomotorischer Symptome (VMS) ist wichtig, da diese die Lebensqualität von Patientinnen negativ beeinflussen und zu einem vorzeitigen Abbruch der Brustkrebstherapie führen können.

Die neue Analyse von Cardoso und Kollegen untersuchte die Wirkung von Elinzanetant auf Häufigkeit und Schweregrad von VMS in Abhängigkeit von der Art der Hormontherapie, die Frauen im Rahmen der OASIS-4-Studie erhielten.

Frauen im Alter von 18 bis 70 Jahren, die aufgrund einer Hormontherapie bei Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs 35 oder mehr mittelschwere bis schwere VMS pro Woche erlebten, wurden randomisiert entweder 52 Wochen lang mit Elinzanetant oder 12 Wochen lang mit Placebo und anschließend 40 Wochen lang mit Elinzanetant behandelt.

Deutliche Reduktion von Häufigkeit und Schweregrad

Die Forscher analysierten die durchschnittliche Veränderung der täglichen Häufigkeit und des Schweregrads der mittelschweren bis schweren VMS nach einer (nur Häufigkeit), vier und zwölf Wochen, je nachdem, ob die Patientinnen Tamoxifen, einen Aromatasehemmer, einen Ovarialsuppressor oder keine Ovarialsuppression erhalten hatten.

„Wir haben festgestellt, dass Elinzanetant bei Frauen mit mäßigen bis schweren vasomotorischen Symptomen im Zusammenhang mit einer endokrinen Therapie wirksam und gut verträglich ist, unabhängig von der Art der Therapie, wie beispielsweise Tamoxifen oder Aromatasehemmer, mit oder ohne Unterdrückung der Eierstockfunktion“, berichtete Cardoso.

Beispielsweise hatten Frauen, die Tamoxifen und Elinzanetant einnahmen, nach der ersten Woche durchschnittlich vier VMS weniger als zu Studienbeginn (gegenüber 1,6 weniger in der Placebogruppe), nach der vierten Woche sieben weniger (2,5 weniger in der Placebo-Gruppe) und nach der zwölften Woche acht weniger (drei weniger in der Placebo-Gruppe). Ein ähnliches Muster zeigte sich in den anderen Gruppen.

Auch die durchschnittliche tägliche Schwere der VMS war in den Gruppen, die Elinzanetant einnahmen, im Vergleich zu den Placebo-Gruppen reduziert. Zu Beginn der Studie litten die Frauen unter mäßigen bis schweren VMS mit einem durchschnittlichen Schweregrad von 2,5 (0 = keine, 1 = leicht, 2 = mäßig, 3 = schwer). Nach zwölf Wochen litten die Frauen, die Elinzanetant einnahmen, unter leichten bis mäßigen VMS mit einem durchschnittlichen Schweregrad zwischen 1,5 und 1,6 in allen Hormonbehandlungsgruppen, verglichen mit mäßigen VMS mit einem durchschnittlichen Schweregrad zwischen 1,9 und 2 in allen Placebo-Gruppen.

Die Reduktion von Häufigkeit und Schweregrad hielt 52 Wochen an, und die meisten Nebenwirkungen von Elinzanetant waren leicht; am häufigsten traten Durchfall, Müdigkeit und Schläfrigkeit auf. Schwere Nebenwirkungen waren sehr selten.

Klinische Perspektiven

Cardoso erklärte: „Elinzanetant ist das erste zugelassene zielgerichtete Medikament gegen dieses sehr häufige Symptom, das die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen stark beeinträchtigt. Indem es Patientinnen hilft, ihre Brustkrebstherapie besser zu vertragen, kann Elinzanetant zu einer verbesserten Therapietreue und somit zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen.“

Die Forscher hoffen nun, mögliche Wechselwirkungen zwischen Elinzanetant und verschiedenen anderen zielgerichteten Medikamenten in Kombination mit einer endokrinen Therapie zu untersuchen, um den Kreis der Patientinnen, die Elinzanetant erhalten könnten, zu erweitern. Sie möchten außerdem Studien mit Patientengruppen durchführen, die nicht an der OASIS-4-Studie teilgenommen haben, wie beispielsweise Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs und Männer mit Brustkrebs.

Zum jetzigen Zeitpunkt plant Bayer, das Unternehmen, das Elinzanetant herstellt und dessen Studien unterstützt, keine klinischen Studien mit Elinzanetant bei Patienten mit anderen Krebsarten, die aufgrund einer endokrinen Therapie VMS entwickeln, wie beispielsweise Prostatakrebs. Bayer beabsichtigt jedoch, die Forschung in diesem Bereich durch prüferinitiierte Studien zu fördern.

Dr. Javier Cortés ist Vorsitzender des nationalen Organisationskomitees der EBCC15 und Co-Direktor des Internationalen Brustkrebszentrums (IBCC) in Barcelona sowie des IOB in Madrid. Er war nicht an der Studie beteiligt. Er kommentierte: „Diese neue Analyse der Wirkung von Elinzanetant in Abhängigkeit von der Art der Hormontherapie bei ER+-Brustkrebs liefert wichtige Informationen für Ärztinnen, Ärzte und Patientinnen. Erfreulicherweise reduziert Elinzanetant Häufigkeit und Schweregrad vasomotorischer Symptome bei Frauen unabhängig von der erhaltenen Hormontherapie. Elinzanetant ist die erste zugelassene zielgerichtete Therapie, die vasomotorische Symptome mit sehr wenigen Nebenwirkungen lindert. Sie ermöglicht Frauen mit ER+-Brustkrebs eine bessere Verträglichkeit ihrer Behandlungen und eine höhere Therapietreue.“

(lj/BIERMANN)

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