Medikamenteninteraktionen mit Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln bei Krebs31. August 2021 © Cameron – stock.adobe.com (Symbolbild) Ob im Glauben an zusätzliche positive Effekte oder um das Gefühl zu haben, selbst aktiv werden zu können – viele Krebspatienten greifen zu Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln. Bislang gab es nur begrenzte Informationen über potenzielle Medikamenteninteraktionen (PMIs) mit Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln rund um die Chemotherapie. Daher befragten Dr. Richard T. Lee von der Case Western Reserve University in Cleveland, USA, und seine Kollegen telefonisch 67 Patienten mit Brust- oder Prostatakrebs (39–77 Jahre), die kürzlich eine Chemotherapie an einer von 2 Universitätskliniken abgeschlossen hatten. Die Interviewer erkundigten sich nach allen Medikamenten, einschließlich Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln, die die Patienten vor, während und nach der Chemotherapie genommen hatten. Softwareprogramme zu Interaktionen von Micromedex, Lexicomp und der Natural Medicines Comprehensive Database wurden verwendet, um PMIs zu bestimmen. Bei den Teilnehmern handelte es sich hauptsächlich um weiße Patientinnen (73%) mit Brustkrebs (87%). Die mediane Anzahl der Medikamente während der gesamten Studie betrug 11 (Spanne 2–28) und war während der Chemotherapie am höchsten (7; Spanne 2–22). Ungefähr 4/5 (84%) griffen zu Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln. Insgesamt identifizierten die Autoren 1747 PMIs, die 635 spezifische PMIs über alle 3 Zeiträume hinweg repräsentierten, wobei die meisten während einer Chemotherapie auftraten. Mit Verschreibungen assoziierte PMIs (70%) waren die häufigste Form, gefolgt von PMIs im Zusammenhang mit Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln (56%) und mit der Krebstherapie einhergehenden PMIs (22%). Ungefähr die Hälfte der PMIs (54%) stuften die Wissenschaftler als moderate Interaktionen ein und mehr als ein Drittel (38%) als starke. Die Anwendung von Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln durch die Patienten erhöhte sich von 51% während der Chemotherapie auf 66% nach der Chemotherapie. Dies korrelierte mit einer erhöhten Prävalenz von PMIs im Zusammenhang mit Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln (46–60%). Auch hatten jene, die zu Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln griffen, ein höheres Risiko für eine starke PMI als jene Patienten, die dies nicht taten (92% vs. 70%; p=0,038). Fazit „Die Anwendung von Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln ist bei Krebspatienten immer noch weit verbreitet und kann sie sowohl während der Chemotherapie als auch nach Abschluss der Behandlung einem Risiko für PMI aussetzen“, lautet das Fazit der Autoren. (sf) Autoren: Lee RT et al. Korrespondenz: Richard Lee; [email protected] Studie: Prevalence of potential interactions of medications, including herbs and supplements, before, during, and after chemotherapy in patients with breast and prostate cancer Quelle: Cancer 2021;127(11):1827–1835. Web: https://doi.org/10.1002/cncr.33324