Medikationsanalyse: Cochrane Review zeigt Nutzen für Krankenhauspatienten2. Februar 2023 Foto: Henrik Dolle/stock.adobe.com Ein aktualisierter Cochrane Review zeigt auf Basis zahlreicher neuer Studien, dass Medikationsanalysen die Zahl erneuter Einweisungen ins Krankenhaus reduzieren können. Von Polypharmazie spricht man, wenn Patientinnen oder Patienten gleichzeitig fünf oder mehr Arzneimittel einnehmen. Mit der Zahl der Medikamente steigt aber auch das Risiko von unerwünschten Wirkungen, zum Beispiel durch Wechselwirkungen oder Fehler bei der Einnahme. Dem soll eine sogenannte Medikationsanalyse vorbeugen. Ziel einer solchen systematischen Überprüfung der Medikation ist es, negative Auswirkungen der Arzneimitteltherapie zu minimieren, ohne die positiven Auswirkungen der Therapie zu beeinträchtigen. Meist arbeiten hierfür Apotheker und Ärzte zusammen.Ein dänisches Cochrane-Team wollte wissen, ob solche Medikationsanalysen im Krankenhaus tatsächlich die Gesundheit der Patientinnen und Patienten verbessern. In ihren aktualisierten Cochrane Review schlossen sie insgesamt 25 Studien mit 15.076 Teilnehmenden ein, davon 15 neue Studien (11.501 Teilnehmende). Der Untersuchungszeitraum reichte von 1 bis 20 Monaten.Im Unterschied zur vorherigen Version des Reviews finden die Autorinnen und Autoren nun Evidenz für einen positiven Effekt auf die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Einweisung ins Krankenhaus und die Zahl ärztlicher Behandlungen in der Notaufnahme. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz stufen sie als recht gut ein („moderat“ ist die zweithöchste von vier Stufen im international üblichen GRADE-System zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit von Evidenz). Ob eine Medikationsanalyse im stationären Kontext auch Leben retten kann, lässt sich aus den verfügbaren Studien allerdings nicht ablesen, da deren Beobachtungszeiträume zur Erfassung dieses Ergebnisses zu kurz waren (Evidenz von „geringer Vertrauenswürdigkeit“ nach GRADE). Ob es einen Effekt auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität gibt, ist der Studie zufolge unsicher. Fast alle Studien schlossen ältere Krankenhaus-Patientinnen und -patienten (mittleres Alter: 75 Jahre) ein, die viele verschiedene Arzneimittel (durchschnittlich acht) anwendeten. Ob sich die Ergebnisse auch über diese Gruppe hinaus verallgemeinern lassen, ist unklar. Insofern lassen sie sich auch nicht direkt auf die in Deutschland seit letztem Jahr von den Kassen bezahlte Medikationsanalyse für ambulante Patienten in Apotheken übertragen.
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