Medizintechnik: Lieferketten durch Einschränkungen im Luftverkehr bedroht

Viele Güter werden als Beifracht mit Passagierflugzeugen transportiert; deren Verbindungen sind in der Corona-Krise jedoch massiv reduziert worden. Illustration: © den-belitsky – stock.adobe.com

Eine Erhebung des Deutschen Industrieverbandes für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik – Spectaris – weist auf wachsende Schwierigkeiten im Luftfrachtverkehr hin. Die Exportnation Deutschland müsse daher notwendige Kapazitäten in der Luftfracht auf­bauen, fordert der Verband.

Reduzierte Luftfrachtkapazitäten stellen die Spectaris-Mitgliedsunternehmen zunehmend vor Herausforderungen im Auslandsgeschäft, wie eine aktuelle Mitgliederbefragung des Industrieverbandes vom 6. und 7. April zeigt. Demnach erzeugt die Verknappung bis zu fünffach höhere Transportkosten und bedroht ins­besondere die wichtigen Im- und Exportrouten in die USA und nach China. Die Güter würden üblicher­weise auch als Beifracht mit Passagierflugzeugen transportiert, deren Verbindungen allerdings zur Ein­dämmung des Virus massiv reduziert worden seien.

Geringe Kapazitäten, hohe Kosten
Zurzeit stehen nach Angaben des Industrieverbandes lediglich geringe Luftfrachtkapazitäten zu weitaus höheren Kosten zur Verfügung. „In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass vor allem die Medizintechnik sowie die Analysen-, Bio- und Labortechnik samt ihrer Zulieferer einen unverzichtbaren Beitrag im Kampf gegen das Corona-Virus leisten. Damit das auch so bleibt, müssen internationale Lieferketten erhalten bleiben und das zu bezahlbahren Kosten“, betont Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. Bei weniger zeitkritischen Lieferungen stiegen die Unternehmen derzeit auf Straßen-, Schienen- und Schiffs­verkehr um, aber auch hier seien ­termingerechte Lieferungen nicht immer möglich.
Die von Spectaris vertretenen Hightech-Branchen sind laut Mitteilung des Verbandes „außerordentlich exportstark“. So seien vor Corona im Schnitt zwei Drittel des Umsatzes im Ausland generiert worden, in der ­Photonik-Industrie sogar mehr als 70 Prozent. Intakte globale Liefer­beziehungen seien daher für die Bewältigung der Corona-Krise essenziell.

Krisenrelevante Güter bevorzugt abfertigen
Um Engpässe in den Lieferketten zu vermeiden und selbige für Unter­nehmen wirtschaftlich zu gestalten, sollten aus Sicht von Spectaris ­Passagier- und Bundeswehrflugzeuge kurzfristig für den Frachttransport umgerüstet werden. Dafür sind nach Einschätzung des Industrieverbandes staatliche Anreize und Unter­stützungsleistungen erforderlich. Zudem seien krisenrelevante Güter wie Labor- und Medizintechnik bevorzugt an den Flughäfen abzufertigen. „Als Industrienation, die besonders stark von Export und Import abhängig ist, sollte ­Deutschland im Luftverkehr die notwendigen Kapazitäten bereithalten, um die ­Versorgung mit wich­tigen Gütern zu sichern“, fordert Mayer abschließend.